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Leitvers: Hebräer 10,26; 1. Johannes 2,1
Heb 10,26: Denn wenn wir mit Willen sündigen,
nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein
Schlachtopfer für Sünden mehr übrig.
1Joh 2,1: Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht
sündigt; und wenn jemand gesündigt hat - wir haben einen Sachwalter bei dem
Vater, Jesus Christus, den Gerechten.
Frage:
Können Kinder Gottes "mit Willen sündigen" (Heb 10,26)? Und was ist die "Sünde
zum Tode"? (1Joh 5,16f)
Antwort:Ein Kind Gottes kann sündigen. Deshalb die vielen Warnungen und Ermahnungen
der Schrift, nicht zu sündigen. Wir sind nicht mehr unter der Herrschaft der
Sünde. Für den Fall der Sünde eines Gläubigen hat Gott in Seiner Gnade Vorsorge
getroffen (1Joh 2,1). In gewissem Sinn kann auch ein Kind Gottes mit
Willen sündigen. Es wird wohl kein Kind Gottes geben, das nicht in dem Sinne mit
Willen gesündigt hätte, dass es etwas getan hat, von dem es wusste, dass es Gott
nicht wohlgefällig sei: Wenn das "mit Willen sündigen" in unserer Stelle diesen
Sinn hätte, dann dürfte kaum ein Kind Gottes selig werden können.
Um das "mit Willen sündigen" in dieser Stelle zu verstehen, müssen wir
beachten, dass dieser Brief an Juden geschrieben ist, die, gläubig geworden,
durch die Verfolgungen in Gefahr waren, wieder zum Judentum zurückzukehren. Aber
eine Rückkehr zum Judentum schloss die Verwerfung des Sohnes Gottes in sich (vgl. die ganze Stelle!). Der dies tat, trug den Charakter des
"Widersachers".
Solche Personen mussten den gläubigen Juden bekannt gewesen sein. Nicht als
ob diese je errettet gewesen wären, aber sie hatten in den Zusammenkünften der
Gläubigen dabei; hatten die Erkenntnis der Wahrheit empfangen (V. 26), waren durch das Blut des Bundes Geheiligte in dem Sinne, dass sie
dadurch von der blinden Masse der Juden abgesondert wurden, wie auch von dem
ungläubigen Mann gesagt ist, dass er geheiligt ist durch die Frau (1Kor
7,14), aber nicht gerettet. Trotz alledem und wider besseres Wissens verwarfen
sie den Sohn und damit das einzige für Sünde gegebenen Schlachtopfer, sodass nur
noch ein Erwarten des Gerichtes übrig blieb. Die Frage, ob ein Kind Gottes mit
Willen sündigen kann in dem Sinn dieser Stelle, muss verneint werden.
Unbefestigte Kinder Gottes sind zuweilen durch diese Stelle in große Not
gebracht worden. Sie sahen ihre Unachtsamkeit und ihre Untreue. Mit dem
erneuerten Sinn ihres Herzens hassten sie die Sünde. Da kam die Versuchung. Die
Hilfe vom Thron der Gnade wurde vernachlässigt, sie liehen, wenn auch nur für
einen Augenblick, ihren Willen dem Feinde, und so unterlagen sie. Mit Entsetzen
und Verzweiflung, aber auch mit Treue meinten sie, diese Stelle jetzt auf sich
anwenden zu müssen. Aber will eine solche geängstigte Seele etwa die Gnade
verwerfen? Nein, danach schreit sie gerade. Will sie etwa den Sohn Gottes mit
Füßen treten, das Blut gemein achten? Nein, keineswegs! Ihr gilt also diese
Stelle nicht!
Bei dem zweiten Teil der Frage müssen wir beachten, dass sie mit den Versen
14 und 15, der Zuversicht in den Gebeten, in Verbindung steht. Hier handelt es
sich um einen Bruder, und Brüder in diesem Brief sind Gläubige. Jede
Ungerechtigkeit ist Sünde, und Sünde muss, will man gereinigt werden, gerichtet
werden; aber es gibt Sünde, die nicht zum Tode ist. In der korinthischen
Gemeinde war ein Gläubiger, der als ein Böser hinausgetan werden musste, aber
es war keine Sünde zum Tode. Andere waren da, die um ihrer Sünde willen durch
den Tod hinweggenommen wurden (1Kor 11,30). [Es ist nicht ganz klar, ob
wirklich jene, die hinweggetan wurden, auch wirklich gesündigt hatten oder ob
es ein allgemeines Gericht für die Gemeinde in Korinth war; Anm. d. Red.] Vergleiche
auch Apostelgeschichte 5,1-10; 3. Mose 10,1-2;
Psalm 106,32!
Gott hat nicht festgelegt, was Sünde zum Tode ist; wir können es
deshalb auch nicht. Aber aus den Wegen Gottes können wir lernen, dass ein und
dieselbe Sünde bei den einzelnen Personen verschieden geahndet wurde. Es wird
hier kein Verbot gegeben, nicht zu bitten. Ein im Licht wandelndes Kind Gottes
wird, vom Geist Gottes geleitet, empfinden, wie es, selbst bei gleicher Sünde
verschiedener Personen, Gott gemäß zu bitten hat. Wenn Gott das Leben gibt - und
ich glaube, es handelt sich hier um das zeitliche Leben der Arbeit für den Herrn
-, so gibt Er es als eine Antwort auf das Gebet des für jenen Bittenden.
aus "Handreichung" 1913
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