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Das Markus-Evangelium (0) - W. Kelly
      
Der Autor Kurzbiographie
William Kelly

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Das Markus-Evangelium (0)
Einleitung
W. Kelly
© J. Das    Zugriffe: 3114    seit: 29.11.2002  



Einleitung

Es ist auffallend, wie sehr die Überlieferung dem Verständnis über die Schreibweise des Markusevangeliums  geschadet  hat.  Denn  die  landläufige  Ansicht, die uns die alten Schreiber mitgeteilt haben und die mit dem Namen eines Mannesie richtige Reihenfolge als Regel gegeben hat. Dadurch können wir mit Sicherheit und Bestimmtheit die Abweichungen von der chronologischen Reihenfolge in den übrigen beurteilen. In welchem Evangelium ist diese Reihenfolge zu finden, fragst du? Ich zweifle nicht, daß die Antwort trotz der Überlieferung lautet: Im Markusevangelium. Und das stimmt genau mit dem geistlichen Charakter dieses Evangeliums überein. Denn dieser hat auch ein großes Gewicht bei der Bestätigung unserer Antwort, falls er die Frage nicht sogar eindeutig entscheidet. 

, der kurze Zeit nach den Aposteln gelebt hat, besiegelt ist, legt dar, daß das Markusevangelium die Ereignisse im Leben unseres Herrn nicht in der Reihenfolge ihres Geschehens, sondern außerhalb derselben beschreibt. Dabei hält Markus diese Reihenfolge in ganz besonders strenger Weise ein. Und dieser Irrtum hat von den frühesten Tagen an seinen Einfluß ausgeübt. Darum hat er natürlich auch seitdem in großem Maß das rechte Verständnis dieses Buches beeinträchtigt. Ich bin davon überzeugt, daß der Geist Gottes wollte, daß wir unter den Evangelien eines haben, welches bei der Wiedergabe der Geschichte unseres Herrn an der einfachen Reihenfolge der Ereignisse festhält. Sonst befänden wir uns nämlich in absoluter Ungewißheit über diese Reihenfolge, und zwar nicht nur bezüglich eines bestimmten Evangeliums. Wir  könnten  nämlich  auch  die Abweichungen von der historischen Reihenfolge in den anderen Evangelien nicht richtig abschätzen. Denn es ist offensichtlich, daß wir, wenn nicht in einem der Evangelien die richtige Reihenfolge eingehalten wird, keine Möglichkeit  haben, in irgendeinem bestimmten Fall festzustellen, wann die Ereignisse wirklich  geschahen,  die  in  den verschiedenen Evangelien unterschiedlich angeordnet sind. Das bedeutet in keinster Weise, daß man  nach  einer  sogenannten  „Evangelienharmonie“  trachtet,  welche  in Wirklichkeit nur das Wahrnehmungsvermögen für die besonderen Gegenstände in den Evangelien verdunkelt. Gleichzeitig steht fest, daß der wahre Autor der Evangelien, nämlich Gott, alles genau wußte. Darum kann auch nicht, wenn wir den einfachsten Grund annehmen, die  Unwissenheit  der  verschiedenen  Evangelisten  hinsichtlich  der Reihenfolge  der  Ereignisse  ein  vernünftiger  Schlüssel  zu  den  Besonderheiten  der Evangelien sein. Der Heilige Geist hat absichtlich verschiedene Ereignisse und Predigten umgestellt. Aber das geschah nicht aus Nachlässigkeit, und noch weniger aus Launenhaftigkeit, sondern aus Gründen, die Gottes würdig sind. Die einleuchtendste Reihenfolge ist, die Ereignisse so zu schildern, wie sie geschahen. Es scheint mir, daß der Geist Gottes in einem dieser Evangelien dJeder, der das Markusevangelium nicht nur in isolierten Abschnitten betrachtet, obwohl auch das schon an einigen Stellen aufschlußreich ist, sondern mit mehr Befriedigung als ein Ganzes, wird sich von dieser Untersuchung mit der vollsten Überzeugung erheben, daß uns der Heilige Geist hier die Geschichte Christi in Seinem Dienst vorstellt. Diese Wahrheit ist inzwischen so allgemein bekannt, daß ich nicht dabei zu verweilen brauche. Ich will  mich  bemühen  aufzuzeigen,  wie  die  ganze  Darstellung zusammenpaßt und diese wohlbekannte und einfache Wahrheit herausstellt. Alle die Besonderheiten bei Markus – das, was er uns gibt, und das, was er ausläßt, und natürlich auch die Unterschiede zu den anderen Evangelien – sind darauf zurückzuführen. Ich denke, daß diese Wahrheit im weiteren Verlauf unserer Betrachtung für jeden klar und einsichtig wird, auch wenn er sich bisher noch nicht damit beschäftigt hat. Hier möchte ich nur dazu bemerken, wie der Charakter des Evangeliums völlig damit übereinstimmt, daß Markus an der historischen Reihenfolge festhält. Denn er zeigt uns den Dienst des Herrn Jesus Christus, insbesondere Seinen Dienst am Wort, und die wunderbaren Zeichen, die den Dienst veranschaulichen und äußerlich bestätigen. Es ist klar, daß die Reihenfolge, in der die  Ereignisse geschahen, genau die Anordnung ist, die insbesondere ein wahres und angemessenes Bild von Seinem Dienst geben kann. Das trifft auf das Matthäus- und das Lukasevangelium nicht zu. 

Im ersteren zeigt uns der Heilige Geist die Verwerfung Jesu; und diese wird von Anfang  an  eindeutig  bewiesen.  Um  uns  die  Verwerfung  richtig  deutlich  zu  machen, gruppiert der Heilige Geist bestimmte Ereignisse zusammen, und zwar, wie wir bemerkt haben, häufig so, daß die Zeit, zu der sie geschahen, völlig mißachtet wird. Es sollte ein klares, lebendiges Bild von der schamlosen Verwerfung des Messias durch Sein eigenes Volk aufgezeichnet werden. Darauf aufbauend, war es nötig darzulegen, was  Gott  als  Folge  der  Verwerfung  tun  würde,  d.  h.  den  anschließenden unermeßlichen Wechsel in Seiner Haushaltung. Die Verwerfung einer göttlichen Person, die gleichzeitig „der Große König“ und der verheißene und erwartete Messias Israels war, mußte notwendigerweise das schwerwiegendste Ereignis in dieser Welt sein und bleiben. Aus diesem Grund wäre die chronologische Anordnung der Ereignisse nicht ausreichend, um dem Gegenstand des Heiligen Geistes  im  Matthäusevangelium  das nötige Gewicht zu verleihen. Deshalb handelt der Heilige Geist hier so, wie selbst ein Mensch mit seinem geringen Verstand es tun würde, wenn er einen ähnlichen Gegenstand darzustellen hätte. Die verschiedenen  Orte,  Personen  und  Zeitpunkte  in  der Geschichte, die großen hervorstechenden Tatsachen werden zusammengestellt, um die völlige Verwerfung des Messias und den herrlichen Wechsel, den Gott nun als Folge dieser Verwerfung zugunsten der Nationen einführen konnte, offenbar zu machen. Das ist der Gegenstand des Matthäusevangeliums und erklärt die Abweichungen von der chronologischen Reihenfolge. 

Im Lukasevangelium gibt es einen anderen Grund, den wir ausreichend bestätigt finden, wenn wir uns demselben im Einzelnen zuwenden. Denn dort stellt uns der Heilige Geist Christus als denjenigen vor, der alle sittlichen Quellen des Menschenherzen und zugleich die vollkommene Gnade Gottes in Seiner Handlungsweise mit dem Menschen, wie er ist, an das Licht bringt. Wir finden auch die göttliche Weisheit in Christus, die ihren Weg durch diese Welt geht. Dazu kommt die liebliche Gnade, die den Menschen anzieht, wenn er, völlig verwirrt und zusammengebrochen, sich auf Gott wirft. Folglich finden wir, ebenso wie bei Matthäus, im ganzen Lukasevangelium, daß in gewisser Hinsicht die bloße zeitliche Reihenfolge der Ereignisse mißachtet wird. Wenn wir zwei Ereignisse nehmen, die sich gegenseitig erklären, aber zu ganz verschiedenen Zeiten stattfanden, dann können in einem solchen Fall diese beiden Ereignisse direkt nebeneinander gestellt sein. Wenn der Heilige Geist zum Beispiel in der Geschichte unseres Herrn den Wert des Wortes Gottes und des Gebetes zeigen will, dann kann Er zwei bemerkenswerte Beispiele eindeutig zusammenbringen: In dem einen offenbart der Herr die Gedanken Gottes über das Gebet, im anderen beurteilt Er den Wert des Wortes Gottes (vergl. Lk 10, 38-42 und 11, 1-13). Es ist dann völlig unwichtig, ob die beiden Ereignisse zur gleichen Zeit stattfanden. Egal, wann sie geschahen – sie werden zusammen gesehen. Tatsächlich kann durch die Herausnahme der Ereignisse aus ihrem zeitlichen Umfeld am eindeutigsten die Wahrheit beleuchtet werden, die der Heilige Geist uns mitteilen möchte. 

Diese allgemeinen Bemerkungen mache ich hier, weil ich denke, daß sie gut in die Einleitung zum Markusevangelium passen. 

Gott hat jedoch dafür Sorge getragen, daß Er auf diese Weise noch einer anderen Frage begegnen kann. Der Mensch benutzt gerne solche Abweichungen von der historischen Reihenfolge in einigen Evangelien und das Beibehalten derselben in anderen, um die Schreiber und ihre Schriften in Verruf zu bringen. Ja, er ist schnell dabei, Widersprüche  vorzuwerfen.  Diese  Anklage  ist  unsinnig.  Gott  hat  eine sehr weise Methode benutzt, um den leichtgläubigen Unglauben des Menschen zu widerlegen. Es gibt vier Evangelisten; von diesen vier halten zwei an der historischen Reihenfolge fest, während zwei sie, wo es nötig ist, verlassen. Außerdem war jeweils einer in diesen beiden Evangelistenpaare ein Apostel und der andere nicht. Von den beiden Evangelisten, Markus und Johannes, die im allgemeinen die historische Reihenfolge einhalten, war derjenige, der die Folge der Ereignisse am genauesten wiedergibt, nicht der Apostel. Nichtsdestoweniger hält Johannes, der ein Apostel war, bei seinen lückenhaften Ereignisfolgen, die er hier und da aus  dem  Leben  Christi  gibt,  an  der historischen Anordnung fest. Allerdings will das Johannesevangelium keinen Überblick über den ganzen Lebensweg Christi liefern. Dagegen beschreibt Markus uns den ganzen Lauf Seines Dienstes mit mehr Einzelheiten als jeder andere. Folglich kann das Johannesevangelium praktisch als eine Art Ergänzung nicht nur zum Markusevangelium, sondern zu allen Evangelien dienen. So erhalten wir durch ihn von Zeit zu Zeit ein Bündel reichhaltigster Ereignisse, die aber die historische Reihenfolge einhalten. Dabei spreche ich nicht nur von seinem wunderbaren Vorwort, sondern auch von seiner Einleitung, die den Berichten der anderen Evangelien vorausgeht und einen gewissen Zeitraum nach der Taufe des Herrn vor Seinem öffentlichen Dienst ausfüllt. Und später finden wir eine Anzahl Predigten, die der Herr insbesondere für Seine Jünger hielt, nachdem Sein öffentliches Auftreten beendet war. Diese sind, wie mir scheint, in der genauen Reihenfolge ihres Vortragens ohne eine zeitliche Abweichung überliefert  worden.  Nur  ein-  oder  zweimal  finden  wir  im  Johannesevangelium  eine  Einschaltung, die, wenn sie nicht als Einschaltung erkannt wird, den Eindruck einer Abweichung von der Zeitenfolge macht. Aber eine Einschaltung gehört natürlich nicht zur gewöhnlichen Struktur eines richtigen Satzes oder einer Folge von Ereignissen. 

Ich glaube, daß diese Erklärung zu einem allgemeinen Verständnis der jeweiligen Stellung eines jeden Evangeliums beitragen wird. Wir haben Matthäus und Lukas, einer ist ein Apostel und der andere nicht, die gewöhnlich von der geschichtlichen Reihenfolge ziemlich weit abweichen. Wir haben Markus und Johannes, einer ist ein Apostel und der andere nicht, die beide genauso grundsätzlich an der geschichtlichen Reihenfolge festhalten. Gott hat auf diese Weise alle berechtigten Vernunftschlüsse von seiten der Menschen abgewehrt, welche sagen, daß es sich um eine Frage der Kenntnis oder Unkenntnis der Ereignisse, so wie sie geschahen, handle. Einige waren Augenzeugen; die anderen erfuhren von den Geschehnissen, usw. auf andere Weise. Von denen, welche die geschichtliche Reihenfolge einhielten, war einer ein Augenzeuge, der andere nicht. Von denen, die eine andere Anordnung wählten, gilt genau das Gleiche. So hat Gott alle Versuche Seiner Feinde, das geringste Mißtrauen auf die Werkzeuge, die Er benutzte, zu werfen, zunichte gemacht. Nichts liegt ferner, als die Struktur der Evangelien in irgendeiner Weise der Unwissenheit des einen Evangelisten und der hinreichenden Kenntnis der Tatsachen eines anderen zuzurechnen. Es erscheint deshalb umso auffälliger, daß derjenige, der uns die vollständigste, genaueste, lebendigste und anschaulichste Skizze vom Dienst des Herrn hienieden liefert, kein Augenzeuge war. Diese Genauigkeit liegt in der kleinsten Einzelheit, was, wie jeder weiß, immer der große Prüfstein für die Wahrheit ist. Menschen, die gewöhnlich nicht die Wahrheit sagen, können nichtsdestoweniger manchmal in großen Dingen sehr wahrhaftig sein. Aber in den unwichtigen Worten und Wegen verrät das Herz seine Treulosigkeit und das Auge seinen Mangel an Beobachtungsgabe. Und gerade darin triumphiert Markus so vollständig – oder laßt mich besser sagen, der Geist Gottes, indem Er Markus benutzt. 

Man kann auch nicht sagen, daß Markus früher ein würdiger Diener war. Weit davon entfernt! Wer weiß nicht, daß er, als er seinen Dienst begann, nicht immer eifrig im Dienst des Herrn stand? In der Apostelgeschichte erfahren wir, daß er den großen Apostel verließ, als er ihn und seinen Vetter Barnabas begleitete (Ap. 13, 13); (denn das war wohl eher das Verwandtschaftsverhältnis und nicht das eines Neffen zum Onkel; vergl. Kol 4, 10; Fußnote). Er verließ sie und kehrte zu seiner Mutter und nach Jerusalem zurück. Die natürlichen Beziehungen und der große Sitz der religiösen Überlieferung fesselten ihn noch und verderbten ihn – natürlich nur eine Zeitlang. Aber jeder Diener Gottes, der in gleicher Weise betört wird, nimmt Schaden. Nichtsdestoweniger überwindet die Gnade Gottes alle Schwierigkeiten. So geschah es auch im persönlichen Dienst des Markus. Wir sehen das an dem herrlichen Werk, welches Markus später übertragen wurde, und zwar sowohl in anderem Dienst (Kol 4, 10; 2Tim 4, 11) als auch in der außerordentlichen Ehre, daß er einen der inspirierten Berichte von seinem Meister schreiben durfte. Markus besaß nicht die volle Bekanntschaft mit den Ereignissen, deren einige der anderen Schreiber sich erfreuen konnten. Er ist jedoch derjenige, durch den der Heilige Geist sich herabließ, die genauesten und zur gleichen Zeit eindrucksvollsten Züge, wenn ich so sagen darf, von dem zu übermitteln, was uns irgendwo  von  dem  wirklichen,  lebendigen  Dienst  unseres Herrn Jesus gewährt wird. Das war also der Verlauf der persönlichen Geschichte des Markus, welche ihn für das Werk, das er später tun sollte, vorbereitete. Zuerst lag zweifellos ein schlechter  Anfang  vor;  später  wird  er  allerdings  von  Paulus  trotz seiner früheren Enttäuschung und seines Tadels sehr herzlich anerkannt. Denn damals lehnte Paulus seine Begleitung entschieden ab, obwohl er dadurch Barnabas verlor (Ap. 15, 37-39), dem der Apostel wegen verschiedener Anlässe persönlich besonders zugetan war. Barnabas war es, der Saulus von Tarsus zuerst nachgegangen war (Ap. 9, 27). Denn er war gewiß ein guter Mann und voll Heiligen Geistes (Ap. 11, 24). Deshalb erkannte er umso mehr die große Gnade Gottes gegen Saulus von Tarsus an, als der Neubekehrte mit Mißtrauen betrachtet wurde und für eine Zeit allein gelassen worden wäre. So hatte Saulus in seiner eigenen Lebensgeschichte buchstäblich erfahren, wie wenig die Gnade Gottes in einer sündigen Welt Vertrauen auf andere fordert. Nach all diesem war es also jener Markus, der dem Tadel des Paulus verfallen war und die Ursache der Trennung zwischen Barnabas und Paulus wurde, welcher später den verlorenen Platz wieder erhielt. Und der Apostel Paulus mußte bei weitem mehr Mühe aufwenden, um ihn wieder in das Vertrauen der Heiligen einzuführen, als früher bei der Ablehnung seiner Begleitung im Dienst des Herrn. 

Wer war demnach so geeignet, uns den Herrn Jesus als den wahren Diener vorzustellen? Suche dir einen aus! Durchsuche das ganze Neue Testament! Finde jemand, dessen Lebenslauf ihn so passend machte, sich des vollkommenen Dieners Gottes zu erfreuen und das zubereitete Gefäß für den Heiligen Geist zu sein, uns diesen vollkommenen Diener zu schildern! Es war der Mann, der zuerst ein mangelhafter Diener war. Es war der Mann, den die Gnade wiederhergestellt und zu einem treuen Diener gemacht hatte. Er hatte erfahren, wie verführerisch das Fleisch und wie gefährlich die Verbindung mit der menschlichen Überlieferung und der Heimat ist. Aber auf diese Weise wurde er, der zuerst unnütz zum Dienst war, später so nützlich, daß Paulus Sorge trug, es öffentlich und für immer im unvergänglichen Wort Gottes bekannt zu machen. Das war also das Werkzeug, welches Gott durch den Heiligen Geist benutzte, um uns die großen Linien des Dienstes der Herrn Jesus Christus mitzuteilen. Sicherlich wurde auch der Apostel Matthäus in der Zeit, als er noch der Zöllner Levi war, durch die Vorsehung auf seine Aufgabe vorbereitet. Doch die Gnade, die sich herabläßt, alle Umstände  zu  berücksichtigen,  erlaubt  niemals,  daß  dieselben  sie  beherrschen.  Im Gegenteil, sie beherrscht immer die Umstände, auch wenn sie in ihnen wirkt. Markus war genauso passend für die Aufgabe, die Gott ihm aufgetragen hatte, wie der erste Evangelist, der von der Zolleinnahme weg berufen wurde. Die Wahl eines in Israel so verachteten Mannes wie Levi sollte den verhängnisvollen Lauf jener Nation zu einer Zeit zeigen, als der Herr sich der  großen  Epoche  des  Wechsels  der  Haushaltung zuwandte, um Heiden und die Verachteten in Israel hereinzurufen. Aber wenn Matthäus offensichtlich für sein Werk so geeignet war, dann erschiene es seltsam, wenn es bei Markus nicht auch so wäre. Und das finden wir in seinem Evangelium. Es werden keine großartigen Ereignisse zur Schau gestellt. Sogar der Herr Jesus Christus wird in diesem Evangelium ohne Pomp eingeführt. Ja, nicht einmal der Stil entspricht dem, welchen wir anderswo rechtmäßig finden. Der Messias Israels konnte nicht ohne angemessenes Zeugnis und eindeutige Zeichen, die Seiner Ankunft vorausgingen, zu Seinem auserwählten Volk und in das Land Israel kommen. Und der Gott, der Verheißungen gegeben und das Königtum eingesetzt hatte, wollte Seine Ankunft ausdrücklich kundtun. Denn die Juden verlangten Zeichen; und Gott gab ihnen Zeichen in Überfluß, bevor das allergrößte Zeichen geschah. 

Darum fanden wir im Matthäusevangelium ausführlich die Beglaubigungen des Messias durch Engel und unter den Menschen, als Er damals als König der Juden im Land Emmanuels  geboren  wurde.  Im  Markusevangelium  fehlt  dieses  alles  mit  gleicher Schönheit. Und plötzlich, ohne andere Vorbereitung als die Predigt und Taufe des Johannes, der „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn“, wird der Herr Jesus auf einmal im Land – nicht geboren, sondern – gefunden. Er ist hier nicht ein Gegenstand der Huldigung, sondern Er predigt, indem Er sozusagen die Arbeit aufnimmt, die Johannes nicht viel später abgibt, weil er ins Gefängnis gehen muß. Die Beiseitesetzung des Täufers (Vers 14) wurde das Zeichen für den Herrn, in den öffentlichen Dienst einzutreten. Dieser Dienst wird von nun an in unserem Evangelium verfolgt. Zunächst handelt es sich um Seinen Dienst in Galiläa, welcher bis zum Ende des 10. Kapitels dauert. Ich beabsichtige nicht,  den ganzen galiläischen Dienst heute abend zu betrachten, sondern ich will den Stoff so einteilen, wie es meine Zeit erfordert. Darum möchte ich mich jetzt nicht auf die natürliche Einteilung des Evangeliums beschränken, sondern folge ihm kapitelweise, wie es die Umstände verlangen. Wir wollen es in zwei Teilen betrachten.


aus: Lectures Introductory to the Study of the Gospels, Heijkoop, Winschoten, NL, 1970
(im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J. Das)

 

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