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Leitverse: 1.
Johannes 2,2; 3. Mose 16
1Joh 2,2: Und er ist die Sühnung für unsere
Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.
Inhalt
Genau lesen …
Die zwei Böcke
Unterschied: Sühnung und
Stellvertretung
Wie wird man gerettet?
Unterschied: Erlösung und Erkaufen
Wir müssen hier jedoch noch
etwas anderes beachten. Der Apostel sagt, dass Christus nicht nur die Sühnung für
unsere Sünden ist, „sondern auch für die ganze Welt“. Die „Sühnung der
Sünden“
bezieht sich in der ganzen Schrift immer ausdrücklich auf diejenigen, die
glauben, neutestamentlich also auf die Kinder Gottes. Christus ist zwar die
Sühnung für die ganze Welt in einem allgemeinen Sinn, aber im engeren Sinn nur
„für unsere Sünden“. Wenn von der Welt die Rede ist, wird stets ein deutlicher
Unterschied gemacht. Man geht also weiter als Gottes Wort, wenn man den Satz
ergänzt: „… sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.“ Der Hinweis auf
„die Sünden“ der Welt ist in diesem Satz durchaus unrichtig. Wenn der Herr die Sünden
der ganzen Welt gesühnt hätte, so würde die ganze Welt auch in den Himmel
kommen! Wenn Er ihre Sünden in der gleichen Weise wie die unsrigen getragen
hätte, was hätte Gott dann noch an der Welt auszusetzen? Nein, Er ist die
Sühnung für unsere Sünden; Er hat sie auf ewig hinweggetan, ausgetilgt durch
sein Blut. Würde dies auch für die Welt gelten, so wäre sie ja mit Gott im Reinen!
Die Calvinisten zeigen auch in
diesem Punkt eine oberflächliche, harte und falsche Auffassung. Sühnung gilt
nicht nur für die Kinder Gottes. Unabhängig von unserer Errettung musste Gott im
Blick auf die Sünde [nicht Sünden!; Anm. d. Red.] verherrlicht und seine Liebe selbst hinsichtlich
seiner
ärgsten Feinde erwiesen werden. Wir finden diese beiden Wahrheiten im Bilde des
großen Versöhnungstages (3Mo 16) dargestellt. Das Volk Israel musste an
diesem Tag zwei Ziegenböcke darbringen. Einer davon war für Jahwe, der andere
für das Volk. Aber nur auf den Bock, der für das Volk war, wurden alle ihre
Sünden bekannt. Bei dem ersten Bock war das nicht der Fall; er wurde als
Sündopfer dargebracht. Der wichtige Unterschied liegt darin, dass der erste Bock
für Jahwe dazu diente, seine Herrlichkeit, die in dieser Welt durch die Sünde
verdunkelt worden ist, ans Licht zu bringen und seine Forderungen in Gnade zu
erfüllen. Gott musste im Blick auf die Sünde unbedingt verherrlicht werden.
Damit
war aber noch nicht die Frage der Schuld des Sünders geregelt. Um Vergebung zu
erlangen, mussten die Sünden ausdrücklich bekannt werden. Das tat Aaron, indem
er seine beiden Hände auf den zweiten, lebendigen Bock, der für das Volk war,
legte. Der erste Bock wurde geschlachtet, sein Blut in das Heiligtum gebracht
und innerhalb und außerhalb des Zeltes gesprengt. Hier haben wir im Vorbild die
Sühnung, die sich insoweit auf die ganze Welt erstreckt, als nun jedem Sünder
die Frohe Botschaft verkündet werden kann. Diese Lehre finden wir auch an
anderen Stellen der Heiligen Schrift, aber durch dieses Vorbild wird der
Unterschied besonders deutlich. Das Opfer Christi hat Gottes Natur vollkommen
verherrlicht, sodass Er jetzt in seiner Unumschränktheit der ganzen Schöpfung
das Evangelium verkündigen lassen kann. Aber um gerettet zu werden, ist für den
Sünder mehr erforderlich. „Christus hat ihre Sünden an seinem Leibe auf dem
Holz getragen“ (1Pet 2,24). Das wird niemals in Bezug auf die Welt gesagt;
das Wort ist sehr genau in den diesbezüglichen Aussagen. Aber da Gott durch das
Opfer Christi im Blick auf die Sünde vollkommen verherrlicht worden ist, kann Er
durch seine Diener sogar seine Feinde bitten und ermahnen lassen: „Lasst euch
versöhnen mit Gott!“ Gottes Liebe ist die Triebfeder, Christi Tod der Weg und
die Grundlage für die Frohe Botschaft des Heils. Das besagt nicht, dass die ganze
Schöpfung tatsächlich gerettet werden wird, aber dass Gott in Christus
verherrlicht worden ist. Selbst wenn keine einzige Seele errettet würde, so ist
Gott doch durch den duftenden Wohlgeruch Christi und seines Werkes verherrlicht
worden.
Zwischen diesen beiden Tatsachen
besteht ein großer und wichtiger Unterschied. Wenn Gott dem Menschen alles
überlassen hätte, hätte niemand gerettet werden können. Nur durch die Gnade
sind wir gerettet worden. Gott bewirkt den Glauben in den Auserwählten, und erst
dann wird die Sühnung unserer Sünden wirksam. Kein gottesfürchtiger Mensch nimmt
an, dass alle Menschen gerettet werden, oder aber leugnet, dass die Gnade den
Unterschied zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen ausmacht. Der große
Versöhnungstag bezeugt uns, dass die Verherrlichung Gottes an erster Stelle
steht und unabhängig von der Sühnung der Sünden Seines Volkes ist. Von größerer
Wichtigkeit war, dass seine Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, seine Liebe
und Majestät durch das Kreuz Christi unter Beweis gestellt wurden. Hier trafen
wie nie zuvor Gut und Böse aufeinander. Das Ergebnis war Gericht und Sieg über
das Böse und der Triumph des Guten, wodurch nicht nur alle Glaubenden, sondern
auch alle Dinge (nicht alle Menschen!) mit Gott versöhnt werden und die
Grundlage für neue Himmel und eine neue Erde von ewigem Bestand gelegt wurde.
Diese Grundlage wird uns durch den geschlachteten Bock, der für Jahwe war,
angedeutet. Um das Volk aber von seinen Sünden zu befreien, stellte Gott
seine
große Barmherzigkeit unter Beweis. So sehen wir, dass die Sünden des Volkes
ausdrücklich bekannt und auf den lebendigen Bock gelegt wurden, der sie in ein
ödes Land trug, damit ihrer nie mehr gedacht würde. Darin besteht der
Unterschied zwischen Sühnung und Stellvertretung.
Der Herr Jesus ist, wie wir hier
lesen, die Sühnung für unsere Sünden, „nicht allein aber für die unseren,
sondern auch für die ganze Welt“. Die „Kinder Gottes“ und die „Welt“ werden
dabei sorgfältig unterschieden. Deshalb ist es nicht richtig, wenn man
übersetzt: „… für die Sünden der ganzen Welt.“ Es ist gefährlich, den Worten der
Schrift etwas hinzuzufügen; wir sollen aber nur ihren klaren Worten Glauben
schenken. Durch menschliche Zusätze entstehen Schwierigkeiten, die durch das
Festhalten am Wort Gottes vermieden werden können. Dieses Wort genügt, um der
ganzen Welt die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, Sein Wesen und Seine Liebe
zu rechtfertigen. Es bezeugt allen Menschen, dass Er ein Heiland-Gott ist. Gott
lässt seine Botschaft der Gnade zu allen Menschen ausgehen und gebietet ihnen
allenthalben, Buße zu tun. Um gerettet zu werden, bedarf es nach dem
Gnadenratschluss Gottes zuerst des Rufes an den Sünder, danach der Wirksamkeit
des Heiligen Geistes im Herzen des Glaubenden, damit er Christus ergreift. Das
kann aber nicht von der „ganzen Welt“ gesagt werden, und es ist müßig, diese
Tatsache leugnen zu wollen. Gottes Wort erklärt uns das deutlich.
Zu jemand, der an den Herrn
Jesus glaubt, dürfen wir aufgrund des Wortes sagen: „Er hat deine Sünden
getragen.“ Wir haben aber nicht das Recht, einem Ungläubigen oder der „ganzen
Welt“ diese Zusicherung zu geben. Nur der Glaube hat ein Anrecht darauf.
Der große Versöhnungstag gibt
uns tatsächlich ein besonders deutliches Zeugnis für einen großen Grundsatz im
Wort Gottes, der in der Lehre des Neuen Testaments klar erläutert wird. Denken
wir an den Unterschied, der zwischen „Erlösung“ (Eph 1,7) und „Erkaufen“
(2Pet 2,1) besteht. Diese beiden Wahrheiten werden oft miteinander verwechselt
(z. B. von den Calvinisten und Arminianern), sodass Wahrheit und Irrtum vermengt
werden. Durch seinen Tod hat der Herr die ganze Schöpfung einschließlich aller
Menschen, auch der falschen Lehrer, „erkauft“. Wer seine Rechte leugnet und
sich gegen seinen göttlichen Gebieter auflehnt, tut dies zu seinem ewigen
Verderben. Doch nur diejenigen werden „erlöst“, die durch den Glauben an sein
Blut die Vergebung ihrer Vergehungen empfangen. Sowohl die „Erlösung“ des Einzelnen als auch das
„Erkaufen“ der ganzen Welt werden in der Schrift gelehrt,
aber es entsteht ein großer Irrtum, wenn beide Wahrheiten miteinander vermengt
oder verwechselt werden. Durch seinen Tod am Kreuz fügte der Herr seinen Rechten
als Schöpfer einen weiteren Anspruch auf alle Kreatur hinzu, indem Er den
unermesslichen Kaufpreis für sie bezahlte. Alle gehören nun Ihm und nicht mehr
sich selbst, wenn auch nur der Gläubige dies völlig anerkennt. Durch die
Erlösung werden wir von Satan und Sünden befreit, doch dies ist nur das Teil des
Glaubens.
Die gleiche Wahrheit finden wir
in anderen Worten in Hebräer 2,9-10. Durch Gottes Gnade schmeckte Christus den
Tod für alles (griech. hyper pantos), auch für alle Menschen (vgl. V. 7-8); alle wurden erkauft. Aber wir finden eine ganz andere Ausdrucksweise in Vers
10, wo uns mitgeteilt wird, dass Gott, indem Er „viele Söhne“ zur Herrlichkeit
brachte, den Anführer ihrer Errettung durch Leiden vollkommen machte. Bringt man
diese beiden Wahrheiten durcheinander, so geht nicht nur die Genauigkeit des
Wortes Gottes verloren. Auch die Wahrheit wird beeinträchtigt, einerseits durch
das mangelnde Verständnis über den für alles bezahlten Kaufpreis, andererseits
durch eine geringe Wertschätzung der Erlösung des Einzelnen.
Möge Gott die betrachteten
Wahrheiten zur Verherrlichung seines Sohnes an uns segnen.
aus Was von Anfang war,
Heijkoop-Verlag, S. 75-79
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