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Trug Christus unsere Sünden 'auf' das Kreuz? - Ch. Briem
      

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Trug Christus unsere Sünden 'auf' das Kreuz?
Besonderheiten im Text der Heiligen Schrift
Ch. Briem
© CSV    Zugriffe: 3630    seit: 11.09.2001  


Leitvers: 1. Petrus 2,24

Wir wollen uns heute mit einem Bibelwort beschäftigen, das selbst zuverlässige Bibelübersetzungen unrichtig wiedergeben. Dabei handelt es sich um einen Vers des Neuen Testaments, der die Person und das Werk Christi unmittelbar berührt. Wird er falsch übersetzt, so hat das für unser Verstehen oder Nichtverstehen des Heilsplans Gottes weitreichende Folgen. Zudem ist dieser Vers ein Beispiel dafür, wie ein einziges griechisches Wort des Grundtextes, wie eine einzige griechische Zeitform ganze Gebäude irriger theologischer Anschauungen und Meinungen in nichts zusammenfallen lässt. In der uns vorliegenden Elberfelder Übersetzung lautet dieses Schriftwort wie folgt:

1Pet 2,24: … der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat.

Die entscheidende Frage nun ist, was der griechische Text an dieser Stelle ausdrückt: Hat Christus unsere Sünden auf dem Holz getragen oder auf das Holz? Der Unterschied mag auf den ersten Blick gering erscheinen, ist jedoch alles andere als das.

Die Befürworter der Wiedergabe „auf das Holz“ führen zur Begründung hauptsächlich zwei Argumente ins Feld: Das griechische Wort anaphéro bedeute „hinauftragen“, und die Präposition (Verhältniswort) epi mit nachfolgendem Akkusativ (Wen-Fall) gebe eine Richtung (Wohin?) an und bedeute „auf das“ (Holz). Diese Bedeutung liege schließlich auch im nachfolgenden Vers vor, wo uns dieselbe Konstruktion von epi mit nachfolgendem Akkusativ begegnet: „… aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem (Wohin? nicht: Wo?) Hirten und Aufseher eurer Seelen“ (V. 25). Folgerichtig müsse auch der Vers vorher mit „auf das Holz“ (Wohin? nicht: Wo?) wiedergegeben werden.

Dieser Übersetzung folgend deuten manche Ausleger unser Schriftwort so, dass Christus zeit Seines Lebens die Sünden getragen habe. Ja, einige versteigen sich sogar zu der Behauptung, Er habe es schon als Kind in der Krippe getan geradeso wie am Kreuz, wohin Er die Sünden schließlich trug. Andere meinen allerdings, das Tragen der Sünden sei erst seit Seiner Taufe im Jordan erfolgt. Wieder andere verstehen dieses Wort allgemeiner: Jesus habe „auf Seinem Weg nach Golgatha“ unsere Sünden getragen.

Aber ist das alles wirklich so? Sind diese Auslegungen mit der übrigen Heiligen Schrift in Übereinstimmung? Alles andere als das! Wenn der Herr Jesus während Seines ganzen Lebens oder Dienstes unsere Sünden getragen hat, um sie auf das Kreuz zu bringen, wie konnte Er dann zugleich Gemeinschaft mit Seinem Vater haben und Sich Seiner Liebe erfreuen (Joh 16,32)? Wie konnte Gott, der Vater, Sein Wohlgefallen an Seinem Sohn ausdrücken und Ihm Ehre und Herrlichkeit geben (Mt 3,17; 17,5; 2Pet 1,17-18), wenn unsere Sünden auf Ihm lagen — Sünden, die Gott richten musste? Unmöglich! Wenn der Herr Jesus schon in Seinem Leben unsere Sünden auf Sich gehabt hätte, dann hätte Er auch schon in Seinem Leben von Gott verlassen sein müssen, nicht erst am Kreuz!

Was nun die Argumente selbst angeht: Sie halten einer genauen Prüfung nicht stand. Das griechische Verb (Tätigkeitswort) anaphéro bedeutet keineswegs nur „hinauf-tragen“. Entsprechend dem textlichen Zusammenhang bedeutet es auch „sich aufbürden“, „(Opfer) darbringen“. Die letzte Bedeutung liegt in Hebräer 7,27 vor, wo das Verb zweimal vorkommt: „… für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen“; „… als er sich selbst geopfert hat.“ In Kapitel 9 desselben Briefes begegnet uns das Wort noch einmal, hier in der Bedeutung von „tragen, sich aufbürden“, „um die Sünden vieler zu tragen“ (V. 28). All diese Stellen beziehen sich nicht auf das sündlose, Gott geweihte Leben des Herrn, sondern auf Seinen Tod — den Sühnungstod am Kreuz. Das gilt auch für unser Bibelwort von 1. Petrus 2. Dort am Kreuz hat Christus die Sünden der Seinen getragen, dort ist Er für sie von Gott gerichtet worden. Durch diese „Striemen“ sind wir „heil geworden“ (V. 24) fügt der Apostel hinzu.

Darüber hinaus ist anaphéro mit epi und nachfolgendem Akkusativ geradezu ein Terminus technicus, ein Fachausdruck also, mit dem in der Bibel das Darbringen von Opfern auf einem Altar beschrieben wird. Das erste Mal kommt dieser Ausdruck in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, in 1. Mose 8 vor: „Und Noah … opferte Brandopfer auf dem Altar“ (V. 20). Viele weitere Vorkommen des Ausdrucks könnten zitiert werden; ich gebe hier nur einige wenige an: 3. Mose 3,5.11.16; 4,10.19.26.31; 14,20; Jakobus 2,21. Stets geht es um das Opfern (Darbringen) oder Räuchern eines Opfers auf dem Altar. Genau derselbe Ausdruck mit genau derselben Bedeutung liegt auch in 1. Petrus 2 vor. Petrus vergleicht hier Christus mit einem Sündopfer auf dem Altar, sieht Ihn, wie Er auf dem Kreuz unsere Sünden auf Sich nahm — in der Tat ein bewegender, ernster Gedanke! „… der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (V. 24). Das ist die einzig richtige Übersetzung dieser Stelle.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Zeitformen, die der Heilige Geist in den Versen 23 und 24 benutzt. In Vers 23, der einige der „Fußstapfen“ des Herrn Jesus beschreibt, wird dreimal das Imperfekt gebraucht — eine Zeitform, die eine Wiederholung des Vorgangs (bei den verschiedenen Gelegenheiten) andeutet: Er schalt nicht wieder — Er drohte nicht — Er übergab sich Dem, der gerecht richtet. Wenn nun der direkt anschließende Vers 24 tatsächlich von dem Tragen der Sünden als einem laufenden Vorgang reden würde, der sich auf das ganze Leben Christi oder auf Teile davon erstreckte, dann müsste zwingend auch hier das Imperfekt stehen. Doch das gerade ist nicht der Fall. Der Schreiber benutzt jetzt vielmehr den sogenannten historischen Aorist, der — wie hier — gebraucht wird, um die einmaligen Tatsachen des Handelns Gottes zum Heil der Menschen zu bezeichnen.

So fallen die Hypothesen (unbewiesene Annahmen) der Menschen oft schon durch ein einziges Wort der Heiligen Schrift in nichts zusammen. Lasst uns daher Gott und Seinem Wort vertrauen! Und dieses Wort sagt uns, dass Christus unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Holz getragen hat, ein für alle Mal. Dafür sei ewig Sein Name gepriesen von all denen, die Seinem Werk am Kreuz jede Segnung verdanken — ihre Errettung, ihr Glück, ihre ewige Sicherheit!


Mit freundlicher Genehmigung des CSV, Hückeswagen,
aus der Monatsschrift „Ermunterung & Ermahnung“, 8/2001

 

 

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Ich habe noch eine offene Frage zu obigem Artikel!

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