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Leitverse: 3. Mose 1
Fortsetzung von Teil 1
Inhalt
F. Der Opfernde
1. Die Person des Opfernden 2. Die Tätigkeiten des Opfernden G. Die Priester 1. Die Person des Priesters 2. Die Tätigkeiten des Priesters
Jetzt kommt die Frage auf: Wer ist der Opfernde? Wenn wir an den
vorbildlichen Charakter denken, dann müssen wir sagen, dass wir hier mehrere
Stufen sehen können.
Einerseits können wir Gott gar nichts opfern, denn wir haben nichts, was wir bringen
könnten. Der Einzige, der ein Gott wohlgefälliges Opfer
bringen konnte, war der Herr Jesus. Und so heißt es auch von Christus in Hebräer
9,14, dass Er „durch den ewigen Geist sich selbst ohne Flecken
Gott geopfert hat“. Damit ist gemeint, Er hat sich Gott zur Verfügung gestellt
als Opfer. Christus ist also in diesem
Sinn sowohl der Opfernde als auch das
Opfer.
Aber auf der anderen Seite sind wir dazu berufen, unsere Leiber als Schlachtopfer Gott darzustellen.
So werden wir in
Epheser 5 ermahnt: „… wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt
und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott
zu einem duftenden Wohlgeruch.“ Das heißt also, dass das, was Christus getan
hat, auch wir tun sollen. Wie Er sich Gott zu einem Schlachtopfer dargebracht
hat, so tun auch wir, wenn wir in Liebe wandeln.
Drittens können wir natürlich auch das Volk Gottes in unseren Tagen
betrachten und jeden von diesem Volk sehen, der erlöst ist,
der befreit ist, der Gott etwas bringen möchte. Zu diesem sagt Gott, wie und
womit er kommen kann und was Ihm angenehm ist. Das gilt eigentlich allgemein für
alle Opfer. Wenn wir also zu Gott kommen und Ihm etwas geben möchten, dann sagt
uns Gott auch, was wir Ihm bringen können, nämlich etwas, das zu Ihm aufsteigt.
Dieses Opfer ist natürlich wieder Christus — das, was wir von Ihm an Herrlichkeit
gesehen haben in dem Opfer, welches Er nach Hebräer 9,14 selbst gebracht hat. Diese
subjektive Seite haben wir hier wohl in erster Linie vor uns, da z. B. bei der
Taube etwas hinweggetan werden musste. Das jedoch konnte bei dem Herrn Jesus nicht
sein.
Seine Opfergabe darbringen
Der Opfernde konnte nicht jedes Opfer darbringen — er musste ein männliches
Tier ohne Fehl darbringen. Diese beiden Eigenschaften bedeuteten, dass er sich
damit beschäftigen musste, was er bringen wollte. Er musste zu Hause auswählen.
Dann erst konnte er an den Eingang des Zeltes kommen und Gott sein Opfer
anbieten.
In 3. Mose 1,5 ist vom Rind die Rede. Im Hebräischen heißt es eigentlich „der
Sohn der Rinderherde“ statt „das junge Rind“ wie es bei uns übersetzt
ist. Das
deutet an, dass es der beste Stier der Herde sein sollte. Das hat für uns zwei
Bedeutungen. Die objektive Bedeutung: Der Herr Jesus war der Beste von allen.
Etwas Höheres, etwas Besseres als Ihn gab und gibt es nicht. Andererseits
bedeutet es, dass der Opfernde es sich etwas kosten lassen sollte, diese
Brandopfer zu bringen. So ist es auch in dem subjektiven Sinn heute bei uns: Wir
müssen Zeit im Gebet verbringen. Wir müssen Zeit und Mühe investieren, um uns mit Ihm zu
beschäftigen und seinen Willen zu erkennen, und dann Anbetung bringen. So sollen wir uns mit
dem Herrn Jesus beschäftigen, um immer neue Herrlichkeiten in Ihm zu entdecken,
die wir dem Vater in Anbetung bringen können.
An den Eingang des Zeltes kommen
Diese Opfer mussten an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft dargebracht werden. Das deutet darauf hin, dass an
dem Ort, wo man zusammenkam und
mit dem HERRN zusammentraf, die Opfer dargebracht wurden. Dort stellte
man dem HERRN die Opfer zur Verfügung, so wie auch der Herr Jesus sich selbst ohne
Flecken Gott geopfert hat. Er hat sich Gott dargebracht; Er hat sich Ihm zur
Verfügung gestellt. — Die Anbetung geschieht auch heute in höchstem Maße am Tisch
des Herrn (im Vorbild der Altar — s. 1Kor 10), wenn wir dort mit
unseren Mitgeschwistern zusammenkommen, um gemeinsam mit ihnen in der Gegenwart
des Herrn Gott Anbetung zu bringen.
Seine Hand auf den Kopf des Opfers legen
Der Opfernde durfte dann, indem er die Hand auf den Kopf des Opfertieres
legt, sich einsmachen mit dem Opfer, das zum lieblichen Geruch für Gott sein
würde. Dieses Opfer würde seine Wohlgefälligkeit vor Gott auf ihn übergehen
lassen: „Es wird wohlgefällig für ihn sein.“
Weil der Herr Jesus sich als Opfer angeboten (dargebracht) hatte, konnte Gott
sagen:„Dieser ist es, an welchem ich mein Wohlgefallen gefunden habe.“ Diese
Hingabe war eine große Freude für Gott. Deswegen sagt der Herr auch: „Darum
liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse.“ Aber wenn wir Ihn, den
Christus, vor Gott bringen, dann dürfen wir wissen, dass es auch für uns zum
Wohlgefallen ist. Wir dürfen bildlich die Hand auf den Kopf dieses
Opfers legen, dürfen uns eins machen mit diesem Opfer. Denn das Handauflegen
bedeutet — wie uns dies zum Beispiel 1. Timotheus 5,22 klarmacht —, dass wir an
einer Sache teilhaben und uns damit eins machen. So werden wir als völlig eins mit
diesem Opfer angesehen, wenn wir im Bild die Hand auf den Kopf dieses Opfers legen.
Dann sieht Gott uns eins mit diesem Opfer; Er findet die
Freude, die Er an diesem Opfer findet, auch an uns; Er sieht die
Herrlichkeit, die Er an diesem Opfer sieht, auch an uns; und der Wert dieses
Opfers ist auch der Wert, den Gott an uns sieht. Indem wir also die Hand auf den
Kopf des Brandopfers legen, geht die ganze
Annehmlichkeit des Opfers auf uns über. Es heißt in 3. Mose 1,4: „Und er
soll seine Hand auf den Kopf des Brandopfers legen, und es wird wohlgefällig
für ihn sein …“ So hat Gott also in gleicher Weise Wohlgefallen am
Opfernden sowie am Opfer.
Verstehen können wir das nur, wenn wir die Lehre des Neuen Testaments über unser„In-Christus“-Sein kennen.
Obwohl es sich hier nicht um das Sündopfer handelt, wird doch gesagt, dass das
Opfer Sühnung tut. Die Sühnung bedeutet allerdings hier nicht so sehr die
Sühnung für die Sünden wie beim Sündopfer. Es geht hier nicht um die Tiefe
unserer Sünde, sondern es geht mehr um die Herrlichkeit dessen, was mit uns
getan worden ist. Nicht nur ist alles, was irgendwie von Sünde sprach, zugedeckt
— „Sühnung“ kommt von „bedecken“ im Hebräischen —, sondern es ist etwas mit uns
geschehen. Wir sind mit Annehmlichkeit bedeckt, mit der Herrlichkeit dieses
Opfers. Gott sieht an uns keine Sünde mehr, sondern nur noch die Willigkeit
und Fähigkeit Christi, den Willen Gottes zu erfüllen, und dass Er dieses auch
getan hat. Epheser 1 drückt dieses so aus: „Wir sind angenehm gemacht in dem
Geliebten.“ So angenehm wie Er ist, so angenehm sind wir vor Gott. Das hat Er mit uns
gemacht, die wir Sünder waren. Der ganze Wert des Opfers geht auf uns über.
Sühnung bedeutet zweierlei: (a) Zorn abwenden: Das finden wir z. B.
in 4. Mose, als Aaron mit dem Räucherwerk Sühnung tut für das Volk oder als David auf
der Tenne Ornans die Ochsen schlachtet. Wir finden es auch, als Jakob den Zorn Esaus
durch ein Geschenk abwendet. Im Zusammenhang mit dieser Begebenheit kommt dieses
Wort zum ersten Mal in der Bibel vor. Auch hier sehen wir, dass es auch darum geht, jemanden
etwas zu geben, womit man ihm eine Freude macht, ihn zufriedenstellt, ihm einen Gefallen
tut. (Hier was es jedoch auch so, dass Jakob sich
Esau gegenüber versündigt hatte. (b) Sühnung bedeutet also auch zufriedenstellen.
Schlachten
Dann heißt es: „Er soll das junge Rind schlachten vor dem Herrn.“ Hier werden
wir daran erinnert, dass der Herr freiwillig selbst sein Leben dargelegt hat. Er
hat sein Leben gelassen — dies ist noch eine Handlung des Opfernden. Der Priester
hatte nie etwas mit dem Schlachten zu tun. Auch wenn wir „das Brandopfer“
darbringen, denken daran, dass der Herr Jesus sein Leben dargelegt hat, dass Er
sterben musste. Der Ausdruck „das junge Rind“ heißt eigentlich „der Sohn der
Rinderherde“. Das erinnert uns auch daran, dass es ein Sohn war, der sich dahingab, der Sohn Gottes war, der Sohn des Vaters, der auch als Mensch in solch
einer Beziehung zu seinem Gott stand. Der Eingeborene aus dem Schoß des Vaters
sollte dieses Opfer werden.
Das junge Rind wird geschlachtet vor dem Angesicht des HERRN. Das bedeutet,
es sollte im Blick auf Gott geschehen.
Das Geflügel kann nicht zertrennt werden. Im Bild finden wir hier, dass es
Opfernde gibt, die leider nicht in der Lage ist, die inneren Beweggründe
Christi, seine Liebe zu seinem Vater und zu uns Menschen, seine Hingabe an seinen Gott,
seinen Willen und seine Energie, den Ratschluss Gottes zur
Ausführung zu bringen, zu erkennen und diese Vollkommenheiten zu schätzen.
Die Haut abziehen
Das Abziehen der Haut redet davon, dass wir erkennen, wie für das Auge des
Glaubens der Herr am Kreuz alle seine inneren Beweggründe völlig gezeigt
offenbart hat.
Wenn man das Brandopfer von außen betrachtet, dann wird die Vollkommenheit und
Herrlichkeit des Opfers noch nicht deutlich gesehen; dann wird nur gesehen, dass
es äußerlich vollkommen und ein männliches Tier war, ein junger Stier. Aber wenn die
Haut abgenommen und alles innerlich bloßgelegt wird, alle Teile des Opfers
auseinandergenommen werden, dann wird sichtbar, dass jedes Teil des Opfers
vollkommen herrlich ist.
In Stücke zerlegen
Die Eingeweide sprechen von den Gefühlen, die Brust von seiner Liebe und die
Schenkel von der Kraft und Energie, womit Er vorangegangen ist bis zum Äußersten,
um Gott am Kreuz zu verherrlichen. Das Fett spricht von der vollen Energie des
Willens — im guten Sinn das Allerbeste, im schlechten Sinn das Allerschlechteste.
Welch eine Energie trieb den Herrn — wie uns die Evangelien und ganz besonders
das Johannes-Evangelium zeigt —, den Willen Gottes auszuführen. Hier
werden die Herrlichkeiten in ihren Unterschieden gesehen.
Waschen
Dann lesen wir, dass die Eingeweide und die Schenkel mit Wasser gewaschen
werden sollten. Dies sollte nicht geschehen, weil diese Teile schmutzig wären, sondern das
Waschen sollte zeigen, dass die Eingeweide schön waren. Das Waschen mit
Wasser ist ein Anwenden des Wortes Gottes in seiner reinigenden Kraft. Auf uns
bezogen bedeutet das, dass immer etwas da ist, was weggetan wird. Aber bei
dem Herrn Jesus konnte man nichts finden, was unrein war.
Ein reines Tier war dadurch gekennzeichnet, dass es gespaltene Hufen hatte
und wiederkäute. Die Hufe stehen mit den Schenkeln in Verbindung und das
Wiederkäuen (das mit dem Magen geschieht) mit den Eingeweiden. Die Schenkel
sprechen von dem Wandel, die Eingeweide von den inneren Beweggründen. Es kam
also darauf an, dass diese beiden Punkte — die Schenkel und die Eingeweide in
Ordnung waren. Der pharisäisch korrekte Wandel mit einem kalten Herzen ist Gott
genauso zuwider, wie ein Herz für Ihn und sein Wort zu haben, aber trotzdem im
Wandel gleichgültig zu sein. Deswegen werden auch hier wohl die Schenkel und
die Eingeweide gewaschen; nicht, um irgendwelchen Schmutz wegzuwaschen, sondern
um zu zeigen, dass, was diese Reinheit angeht, alles vollkommen war. Der Herr Jesus konnte sagen:
„Ich bin durchaus das, was
ich auch zu euch rede.“
Der Kopf ist der Sitz des Verstandes. Der Herr wusste alle Gedanken Gottes
vollkommen. „Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde …“
(Joh
18,4). In voller Kenntnis ging Er den Weg des Gehorsams bis zum Kreuz in voller
Übereinstimmung mit seinem Vater. Vom Kopf und vom Fett heißt es nicht, dass sie
mit Wasser gewaschen werden sollten. Sein Entschluss und die Energie seiner
Hingabe an Gott gingen zurück bis in die vergangene Ewigkeit. Dort sagt Er: „Siehe, ich
komme um deinen Willen, o Gott, zu tun.“
Nun kommt der Dienst der Priester. Die Priester hatten die Fähigkeit, im
Heiligtum den Dienst vor Gott zu tun, und wussten wie man diese Dinge vor Gott zu
verrichten hatte. Wenn wir den Dienst der Anbetung darbringen als solche, die
auch Priester sind, dann kommt es auf unsere Fähigkeit an zu wissen, wie Gott
etwas dargebracht haben möchte. Aber es ist doch bezeichnend, dass die Priester
nichts zu tun gehabt hätten, wenn nicht vorher der Opfernde überhaupt bereit
gewesen wäre, ein Opfer zu bringen. So gehört auch zu einem
wahren Dienst der Anbetung eine Bereitwilligkeit des Herzens, aber auch die
Fähigkeit es gottgemäß zu tun. Hier ist nicht Aaron der Hohepriester — hier
ein Bild von dem Herrn Jesus —, sondern es sind die Priester (die priesterliche
Familie), die damals zwar nur aus wenigen des Volkes bestand, heute jedoch aus allen
Gläubigen besteht. Hier aber sind die Priester ein Bild von solchen, die in praktischer Weise
geübt sind, vor Gott den Dienst zu verrichten. So ist es auch heute bei uns,
dass nicht alle in praktischer Weise die Fähigkeit haben, wirklich
priesterlichen Dienst der Anbetung darzubringen. Sie sind nicht in der Lage, das
passende Lied vorzuschlagen, ein passendes Gebet zu sprechen, einen passenden
Text zu lesen. Obwohl sie Priester sind, können viele diesen Dienst nicht ausüben.
Und von dieser Praxis berichtet uns das Alte Testament.
Bei den Priestern lesen wir nichts von Handauflegen. Von dem Priester, der hier das
Opfer bringt, heißt es auch nicht, dass das Opfer für ihn wohlgefällig ist. Denn für den
Priester spielt das keine Rolle. Ein Priester, der gewohnt ist in der Gegenwart
des Heiligtums zu verkehren, ist schon von selbst wohlgefällig. Er ist
wohlgefällig geworden, in dem Moment, wo er zum Priester geweiht wurde durch die
Opfer, die bei seiner Weihung gebracht wurden. Der Priester beschäftigt sich
ausschließlich mit dem Opfer selbst. Die Priester sind gewohnt in geistlichen
Dingen zu verkehren, gewohnt in der Gegenwart Gottes zu sein, können die tiefen
Gedanken, die wir in dem Brandopfer finden, in Worte fassen, wo wir manchmal als
Opfernde nach suchen. Es gibt unter uns auch Töchter Aarons, die wohl zu der
priesterlichen Familie, zur Versammlung, gehören, die aber nicht als Söhne
Aarons gewohnt sind in geistlicher Kraft einzugehen in das Heiligtum. Daneben
gibt es auch solche Priestersöhne, die noch zu jung sind, um Priesterdienst
ausüben zu können und es gibt solche, die ein Gebrechen haben. Auch diese können
keinen Priesterdienst ausüben. Die Priester sind hier im eigentlichen Sinne kein
Bild von dem Herrn Jesus, denn es handelt sich hier nicht um Aaron selbst,
sondern um seine Söhne.
Wenn wir die Söhne Aarons die Priester sehen, sehen wir in ihrer eigenen
persönlichen Fähigkeit den Dienst tun, wenn wir sie als Söhne des Priesters
sehen, sehen wir sie mehr in ihrer Abhängigkeit von dem Hohenpriester. So können
auch wir nur durch ihn, dass ist durch den Hohenpriester Jesus Christus Gott
Opfer des Lobes darbringen. Die Priester waren normalerweise mit all jenen
Tätigkeiten beschäftigt, die mit dem Altar in Verbindung stehen: das Blut an den
Altar sprengen, das Feuer auf dem Altar mit dem Holz zurichten, die Stücke auf
den Altar legen, und das Ganze auf dem Altar räuchern.
Der Priester hatte andere Aufgaben als der Opfernde. Seine Tätigkeiten stehen
damit in Verbindung, dass er jemand ist, der gewohnheitsmäßig im Heiligtum
verkehrt und Kenntnis hat von dem, was mit Gottes Gedanken in Übereinstimmung
ist und was für Gott Wert hat. Der Stellung nach sind wir heute alle Priester,
aber die praktische Ausübung unseres Priesterdienstes hängt von unserer
geistlichen Übung in der Nähe des Herrn ab. Der Opfernde ist ein Gläubiger,
der zwar auch Gott Anbetung bringt, das heißt — um bei dem Fall des Brandopfers
zu bleiben —, dass er Gott gegenüber seine Freude darüber zum Ausdruck bringt,
dass Christus Ihn so geehrt und verherrlicht hat am Kreuz, der aber verschiedene
Dinge in diesem Dienst doch nicht so gut versteht. In der Praxis heute sind „Opfernde“
und „Priester“ Gläubige mit unterschiedlichem
Verständnis und/oder vielleicht auch unterschiedlicher praktischer Nähe zum
Herrn.
Den Kopf einkneipen
Bei der Taube musste der Priester sogar dem Opfernden das Töten abnehmen.
Manch ein Opfernder sieht nicht die Herrlichkeit des Todes des Herrn Jesus.
Das Blut herzubringen und sprengen
Nach 4. Mose 17,11 ist im Blut die Seele. Die Seele ist das Leben. Aber das
Blut ist nur so lange Grundsatz des Lebens, wie es im Körper ist. Wenn es
vergossen ist, ist das Blut ein Bild des eingetretenen Todes.
Die Priester sollten das Blut herzubringen und das Blut ringsum an den Altar
sprengen. Dass hier von Sühnung und von Tod die Rede ist, zeigt, dass in Bezug
auf die Sünde gehandelt werden musste. Auch wenn es hier nicht um den Gedanken
des Sündopfers geht, so werden wir doch daran erinnert, dass Sünde da war. Und
so wurde auch der Herr Jesus an dem Platz der Sünde — auf dieser Erde, wo die
Sünde eingetreten war — und auf dem Kreuz, wo die Sünde ihren Höhepunkt erreichte,
das Brandopfer. Dort am Kreuz floss auch sein Blut. Dieses Blut ist das Zeichen
dafür, dass der Tod eingetreten, die Sühnung geschehen und Gott in Bezug auf
die Sünde zufriedengestellt ist. Das Blut musste ringsum
gesprengt werden, damit man von allen Seiten sehen konnte, dass in Bezug auf die
Sünde alles in Ordnung gebracht war. So lernen wir, dass dieses Zelt auch ein Zelt der
Zusammenkunft sein kann, wo man mit Gott und den anderen Mitgläubigen zusammenkommen kann.
Holz und Feuer zurichten
Die Priester beschäftigen sich dann auch mit dem Holz und dem Feuer. Das
Feuer spricht in der Bildersprache des Alten Testamentes immer von Gericht oder
von Läuterung oder es erbringt den Beweis, dass ein Metall rein ist. Der Herr
Jesus ließ vieles über sich ergehen, indem Er seine Reinheit und seine Hingabe
bewies, und Er kam in das Gericht Gottes. So sehen die Priester sehen alle
Phasen und den ganzen Inhalt der Prüfungen des Herrn Jesus vonseiten Gottes.
Die Stücke auf dem Altar zurichten
Die Priester präsentieren nun die einzelnen Stücke des Opfers auf dem
Altar. Sie können alles in einer Weise vor Gott anrichten, dass Ihm alles
wohlgefällig ist. Priester in der Praxis heute können sehen, wie der Herr Jesus alle
seine Fähigkeiten und
Eigenschaften Gott zur Verfügung gestellt hat, und können das auch vor Gott
kundwerden lassen. Gibt es nicht Geschwister, die besonders ein Gespür dafür
haben, wie einige Bibelstellen, die von dem Herrn reden, besonders diese
Fähigkeiten und herrlichen Eigenschaften des Herrn zeigen? Solche haben
vielleicht auch die Fähigkeit, diese Dinge im Gebet laut in Worte zu fassen,
was bei anderen nur als Empfinden zu Gott emporsteigt.
Den Kropf abtrennen
Der Kropf der Taube musste hinweggetan werden. Das bedeutet zweierlei:
Erstens kann es sein, dass wir über die Person des Herrn Jesus oder über sein Werk verkehrte Gedanken haben. Dann ist es der Dienst des Priesters, diese
wegzunehmen, damit sie nicht auf den Altar kommen. Zudem ist es möglich, dass
wir selbst verunreinigt sind kommen. Auch da müssen die Priester als Mittler wirksam werden.
Diese Vermittlung hat nichts mit unserer Stellung zu tun. Als solche sind wir
grundsätzlich alle in der gleichen Nähe Gottes und brauchen keinen Mittler
mehr. In der Praxis aber ist es so, dass es Geschwister gibt, die in der
Anbetung Gedanken haben, die nicht mit der Schrift übereinstimmen. Es ist dann
wichtig, dass dies korrigiert wird. Diesen „Mittlerdienst“ übt einmal
unser großer Hoherpriester aus, indem Er sich für uns verwendet. Zum anderen
aber gibt es auch Geschwister, die näher beim Herrn sind. Davon sind „die
Priester“ im Alten Testament ein Bild, die solche falschen Gedanken
korrigieren können. In der Praxis zeigt sich das vielleicht beispielsweise einmal
darin, dass die Gedanken mit ihren Irrtümern, die sich Bruder A macht,
plötzlich in korrigierter Weise durch Bruder B im Gebet laut vor Gott gebracht
werden.
An den Flügeln einreißen
Das ist das sichtbare Zeichen, dass die Tauben nicht mehr die Fähigkeit zum Fliegen
haben. Vielleicht deutet es an, dass der Herr Jesus darauf
verzichtete, in den Himmel zurückzukehren, ohne das Werk vollbracht zu haben.
Räuchern
Der Herr Jesus stellte das Brandopfer auf genau den Platz vor Gott, wo Er
auch das Urteil der Sünde auf Ihn herniederkommen ließ. Hier wird auch das
Problem der Sünde vor uns gestellt, denn das Brandopfer musste sterben. Er hat
Gott verherrlicht, gerade dadurch, dass Er die Sünde zum Anlass nahm, um Gott zu
verherrlichen. Denn Er hat Gottes Heiligkeit verherrlicht dadurch, dass Er wegen der
Sünde von
Gott verlassen werden würde. Ebenso hat Er auch Gottes Gerechtigkeit
verherrlicht, dadurch dass Er die volle Strafe der Sünde auf sich nehmen musste
und auf sich genommen hat, obwohl Er Sohn war. Er hat auch Gottes Liebe
verherrlicht, dadurch dass Er gezeigt hat, dass Gott das Urteil nicht über uns,
die wir eigentlich die Strafe verdient hatten, gebracht hat, sondern, dass Er
sie auf seinen reinen, unschuldigen Sohn gebracht hat und Ihn nicht geschont
hat. Da sehen wir auch die Gnade Gottes verherrlicht, dadurch dass Gott sich
herniedergelassen hat zu schuldigen Sündern, die vollkommen abhängig von seiner
unverdienten Gunst waren; und auch die Barmherzigkeit Gottes, dass Gott sich
herniedergeneigt hat zu solch armen, elenden Geschöpfen, wie wir waren. Gott
verherrlichen heißt: die wunderbaren Herrlichkeiten und Schönheiten der
Eigenschaften Gottes darstellen, bzw. zum Ausdruck bringen. Dadurch dass der
Herr Jesus die Sünde zum Anlass nahm, um Gott zu verherrlichen, ist es jetzt
möglich, dass Gott uns die Wohlgefälligkeit, die Er an dem Opfer gefunden hat,
zurechnen kann.
Das Opfer war ein Opfer duftenden Wohlgeruchs dem HERRN. Das gilt übrigens
für alle Grade dieses Opfers. Selbst das schwächste Opfer war ein Opfer lieblichen
Geruchs dem HERRN. Die Wertschätzung Gottes ist dieselbe, wenn auch die
Wertschätzung des Opfernden nicht dieselbe ist. Was für ein Trost!
Das Sündopfer wurde ebenfalls ganz verbrannt, aber es war kein Opfer lieblichen
Geruchs für Gott. Es wurde außerhalb des Lagers und nicht auf dem Altar wie
das Brandopfer verbrannt.
Dann musste alles in Rauch aufsteigen, alles verzehrt werden. Es blieb nichts
übrig, alle Kostbarkeiten gingen vollkommen in Rauch auf; alles wurde verzehrt
durch das Feuer. Das Feuer spricht, wie schon oben gesagt, von Gericht oder
Läuterung oder bringt den Beweis, dass ein Metall rein ist. Auf Golgatha hat
der Herr Jesus das Gericht Gottes erfahren. Doch gerade diese schwersten Stunden
dienten dazu, seine Vollkommenheiten zu offenbaren. Das war der Wohlgeruch, der
von dem Kreuz zu Gott emporstieg. Seine Hingabe, sein Gehorsam, seine Liebe, seine
Heiligkeit — alles wurde aufs Höchste ans Licht gebracht. Wenn wir die einzelnen Teile
des Brandopfers bewundern und
sie waschen, um die Reinheit zu sehen, so kommt doch noch immer kein lieblicher
Geruch daraus hervor. Den lieblichen Geruch sehen wir in dem Augenblick, als der
Herr Jesus in den Tod ging und alles zu Gottes Verherrlichung darbietet. Alle
Eigenschaften Gottes sind durch Ihn ihrer Schönheit vollkommen ans Licht
gebracht. Denn jetzt wurden auch die Liebe, die Gerechtigkeit, die
Barmherzigkeit und die Majestät Gottes offenbar. Gott hat die Welt so geliebt,
dass Er seinen Eingeborenen gab und nicht geschont hat; Gott war so gerecht,
dass Er, wenn es um Sünde ging, keine Ausnahme machte, selbst wenn es sich um seinen
Sohn handelte, nachdem dieser sich mit unseren Sünden hatte beladen und zur
Sünde machen lassen. Gottes Barmherzigkeit kam ans Licht: dass Er sich selbst über solche erbarmte, die
seine Feinde waren, und für sie Rettung brachte.
Gottes Majestät wurde sichtbar, dadurch dass offenbar wurde, dass das Gericht
in seiner ganzen Macht ausgeübt wurde.
Das Brandopfer war ein Feueropfer, nichts durfte davon gekocht werden. Beim
Kochen kann das Wasser nicht über 100 Grad Celsius erhitzt werden. Der Herr Jesus musste
die vollste Prüfung erfahren und nichts wurde abgeschwächt.
Wichtig ist auch, dass es hier heißt: „… er soll das Ganze auf dem Altar
opfern.“ Es ist ein Ganzopfer Christi für Gott. Christus hat nichts
zurückgehalten.
Als Ergebnis dieses Opfers wird die Sünde durch dieses Opfer vor den Augen
Gottes auf ewig hinweggetan werden (Joh 1,29; Heb 6,26).
J. N. Darby schreibt dazu in seiner Synopsis:
Es geschah, als Er sich am Platz der Sünde befand, dass sein Gehorsam vollkommen war und dass Gott in allem, was Er ist, vollkommen
verherrlicht wurde. Christus, der sich Gott vollständig für den vollen Ausdruck
seiner Herrlichkeit hingibt, erleidet also hier die volle Prüfung des Gerichts.
Das Feuer prüft, was Er ist. Er ist mit Feuer gesalzen. Die vollkommene
Heiligkeit Gottes prüft in der Kraft seines Gerichtes alles aufs Äußerste, was
in Ihm ist. Der blutige Schweiß, das ergreifende Flehen im Garten, das tiefe
Leid des Kreuzes, in dem rührenden Bewusstsein der {persönlichen} Gerechtigkeit:
Warum hast Du Mich verlassen? Ein unbeachteter Schrei, was irgendeine
Erleichterung der Prüfung anbelangt. Alle Wogen und Wellen des HERRN gingen über
Ihn. Da Er sich aber vollkommen der gründlichen Prüfung hingegeben hatte, so
konnte dieses verzehrende Feuer und die Prüfung seiner innersten Gedanken nichts
anderes erzeugen — taten es auch nicht — als nur einen lieblichen Wohlgeruch vor
Gott. Es gab keinen Gedanken, kein Wollen, das nicht auf die Probe gestellt
wurde. Sein Leben wurde darin verzehrt. Alles wurde Gott hingegeben. Der Tod war
aber das erste Element des Brandopfers, der Tod kam aber durch Sünde. Dort wo
der Mensch war, wo die Sünde war, wo die Macht Satans als der Tod war, wo das
unumstößliche Gericht Gottes war, dort hatte Christus Gott zu verherrlichen. Und
es war eine Herrlichkeit, die anders nicht entfaltet werden konnte. Liebe,
Gerechtigkeit und Majestät am Ort der Sünde und des Todes. Christus, der die Sünde
nicht kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht. Und in vollkommenem Gehorsam und
vollkommener Liebe zu seinem Vater ging Er in den Tod. Dort ist Gott
verherrlicht, Satans Todesmacht ist vernichtet. Gott ist im Menschen, gemäß
allem, was Er selbst ist, verherrlicht, indem die Sünde hereingekommen war, und
zwar in Gehorsam und Liebe. Er war am Ort der Sünde und Gott wurde so
verherrlicht wie keine Schöpfung und keine Sündlosigkeit es tun konnten. Die Prüfung
des Gehorsams und die Verherrlichung Gottes bestand gerade darin, dass mit Ihm
wie mit der Sünde verfahren wurde (J.N. Darby, Synopsis).
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