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Leitverse: 1. Johannes 2,7-11
1Joh 2,7-11: Geliebte, nicht ein neues Gebot schreibe ich euch,
sondern ein altes Gebot, welches ihr von Anfang hattet. Das alte Gebot ist
das Wort, welches ihr gehört habt. Wiederum schreibe ich euch ein neues
Gebot, das was wahr ist in ihm und in euch, weil die Finsternis vergeht und
das wahrhaftige Licht schon leuchtet. Wer da sagt, dass er in dem Lichte sei,
und hasst seinen Bruder, ist in der Finsternis bis jetzt. Wer seinen Bruder
liebt, bleibt in dem Lichte, und kein Ärgernis ist in ihm. Wer aber seinen
Bruder hasst, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß
nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat.
Inhalt
Der Wert des Lebens
Selbstmord
— eine Beleidigung
Gottes
Wie wir bereits in den vorangegangenen
Versen gesehen haben, ist der Gehorsam das erste und wesentlichste Kennzeichen
dafür, dass jemand Leben aus Gott hat. Es liegt im Wesen des Gehorsams, dass man
nicht nur tut, was in sich recht ist, sondern es in Anerkennung der Autorität
Gottes tut und weil man Ihm wohlgefällig sein will. Ein Mensch handelt stets auf
verkehrter Grundlage, wenn er das Rechte nur um des Rechten willen tut, denn er
lässt dann außer acht, was für Gott und auch für den Gläubigen als Sein Kind das
Allerwichtigste ist. An erster Stelle muss es stets darum gehen, dass Gott zu
Seinem Recht kommt. Geht es dem Menschen dagegen lediglich darum zu tun, was er
nach seinem eigenen Urteil für richtig hält, dann ignoriert er Gott. Nicht der
Mensch, sondern der Wille Gottes ist maßgebend. Daher gehört sich Gottesfurcht
für ihn, die immer der Anfang geistlicher Weisheit ist. Somit ist der Gehorsam
der erste Prüfstein für das Vorhandensein des neuen, göttlichen Lebens,
insbesondere im Hinblick auf die Gesetzlosigkeit, die bereits damals unter den
christlichen Bekennern wirksam war.
Wenn der Mensch sich selber die
Beurteilung der Dinge anmaßt, ohne sich um den unsichtbaren Gott zu kümmern,
dann verlässt er jede Grundlage für eine sichere und gottgemäße Beurteilung. Er
mag moralisch einwandfrei und äußerlich korrekt erscheinen, trotzdem ist er Gott
nicht gehorsam, wenn er in allem, was ihm begegnet, lediglich nach eigenem
Ermessen handelt. Ohne den Gehorsam Gott gegenüber ist alles verkehrt und völlig
unvereinbar mit der Verantwortlichkeit eines Christen.
Nun gibt es aber noch einen weiteren
sittlichen Grundsatz, der mit dem eben behandelten in Verbindung steht. Die
Ursache davon ist klar: Beide Grundsätze haben ihre Quelle in dem Herrn Jesus
und kommen von Ihm. Denn Er ist das Leben, und die Darstellung, die Er hier auf
Erden in Wort und Tat davon gab, liefert uns nicht nur eine Theorie oder Lehre,
sondern gibt uns den Maßstab dafür, was ewiges Leben wirklich ist. Nichts ist
dem Geschöpf vertrauter als das "Leben". Empfindung, Urteilsfähigkeit,
selbstständiges Handeln sind ohne Leben undenkbar. Alle Menschen besitzen das
natürliche Leben des unter die Macht der Sünde und des Todes geratenen Menschen.
Welchen Nutzen kann dieses Leben für Gott oder für uns haben? Es ermöglicht uns,
viel Böses zu tun, kann uns aber niemals dahin bringen, Gott wohlgefällig zu
sein. Das war allein bei dem Herrn Jesus der Fall, der stets in vollkommener
Weise das Gott Wohlgefällige tat. Dieses Leben Christi ist aber jetzt unser
Leben geworden. Er schenkt jedem dieses Leben, der von Herzen an Ihn glaubt.
Durch den ersten Menschen wurde der Tod eingeführt, doch der zweite Mensch ist
ein lebendig machender Geist. In Ihm, dem ewigen Wort, war Leben, und als Mensch
empfing Er von dem Vater, Leben in Sich Selbst zu haben. Er gibt das Leben
denen, die Ihn aufnehmen; Er macht (ebenso wie der Vater) lebendig. Nichts
kennzeichnet Gott mehr in Seinem Tun, als dass Er Leben erschafft und Leben gibt.
Die Weisen dieser Welt, denen es an Glauben mangelt, haben immer noch nicht
entdeckt, was Leben ist und wo es ist. Manche suchen eifrig in der Retorte nach
seinen Spuren; sie hoffen, mittels chemischer Experimente hinter sein Geheimnis
zu kommen. Die Metaphysiker sind auch nicht einen Deut weiser dadurch, dass sie
ihre Vernunft zurate ziehen, die sich wohl bestens für die Prüfung von Schlussfolgerungen eignet, aber unfähig ist, die Wahrheit zu ergründen. Solche
und ähnliche menschlichen Hilfsmittel mögen gut genug sein für die elementaren
Dinge, die zum materiellen und intellektuellen Bereich gehören. Wenn wir aber
bedenken, dass es sich um das Leben handelt, dann können wir wohl ermessen, wie
fruchtlos die menschlichen Bemühungen und Erwartungen sein müssen, dem Leben
durch derartige Untersuchungen auf die Spur zu kommen.
Nein, der Mensch erhielt das Leben
ursprünglich und unmittelbar von Gott, und zwar dadurch, dass Gott ihm Seinen
Odem einhauchte. Aus diesem Grunde hat nur er eine unsterbliche Seele. Die Tiere
haben eine für ihr Dasein passende Seele und Leben, aber diese entstanden nicht
durch den Odem Gottes, sondern nur durch Seinen Willen und Seine Macht. Er
gestattete ihnen ein befristetes Dasein; das ist aber etwas ganz anderes, als
das persönliche Einhauchen des Odems Gottes in die Nase des Menschen. Bei keinem
anderen Geschöpf der Erde hat Er dieses getan, nur der Mensch genoss einen
solchen Vorrang. Hat man diesen Unterschied erkannt, dann wird einem klar, dass
der Mensch ein sittliches Wesen mit persönlicher Verantwortung ist, weil er eine
unsterbliche Seele besitzt. Nun gibt es aber ein Vorrecht, das unermesslich
größer ist als nur die Unsterblichkeit im Sinne einer unaufhörlichen Existenz
der Seele. Diese allein kann unaussprechlich furchtbare Konsequenzen haben; man
denke an die endlose Existenz im Feuersee! Jeder, der den Sohn verwirft, kommt
unweigerlich unter das ewige Gericht Gottes. Das bedeutet ein endloses Dasein in
der Pein, und zwar unter Leiden vonseiten Gottes. Der Mensch hat sich ja in
seiner Unbußfertigkeit vorsätzlich geweigert, daran zu glauben, dass der Herr
Jesus in Seiner Gnade das Gericht Gottes erduldet hat, damit der schuldige
Sünder niemals Seine Strafe erleiden muss, sondern für immer gesegnet sei. Wie
reich ist Gottes Barmherzigkeit, den Verlorenen Rettung anzubieten, weil
Christus an dem Kreuz das Gericht über die Sünde trug! Glaubt man aber weder Ihm
noch der guten Botschaft von dem, was Gott durch Ihn gewirkt hat, so steht man
unter der Macht Satans, in der Gewalt des unerbittlichen Feindes, der Gott und
Menschen hasst.
Die Existenz des Menschen kann niemals
mehr aufhören; darin besteht ja die entsetzliche Schuld des Sünders, der seinem
Dasein gern ein Ende bereiten würde, wenn er könnte. Er mag Selbstmord begehen;
doch wird er darüber Gott Rechenschaft ablegen müssen. Denn Gott gab ihm das
Leben, und der Mensch hat keine Befugnis, dieses Leben mit eigener Hand
auszulöschen. Wie könnte solch eine verwerfliche und törichte Tat irgendetwas
Gutes hervorbringen? Wenn schon jeder Mord ein furchtbares, finsteres Verbrechen
ist, so ist der Selbstmord eine seiner schlimmsten Formen und zudem eine
direkte, grobe Beleidigung Gottes.
Der vollkommene Gehorsam des Herrn Jesus
entsprang Seinem vollkommenen, ewigen Leben. In uns Gläubigen ist dieses Leben
nicht immer tätig, weil wir zu unserer Schande das Fleisch wirksam werden
lassen. Doch das neue, ewige Leben ist stets in Bereitschaft für eine gottgemäße
Handlungsweise. Unvorsichtigkeit und Mangel an Wachsamkeit zum Gebet lassen das
alte Leben zuweilen zum Vorschein kommen, denn es ist immer noch vorhanden. Nach
Römer 8, 7 ist es die "Gesinnung des Fleisches", die Feindschaft gegen Gott
bedeutet. Es zeigt sich als der Eigenwille des Menschen, mit dem er dem Satan
gehorcht; denn der Wille des Menschen wird Satans Werkzeug. Das also ist der
vermeintliche freie Wille, mit dem der Mensch sich brüstet! Wir dürfen nicht
aufhören, immer wieder darauf hinzuweisen, dass jeder, der an Christus glaubt,
von Ihm sogleich ewiges Leben empfängt. Die ersten Atemzüge dieses Lebens setzen
bereits ein, sobald die Seele zu glauben beginnt, d.h., wenn sich der Sünder
vor Christus beugt als vor dem, den Gott in Seiner Gnade für uns dahingab.
Selbst dieser Glaubensakt ist, wie wir gesehen haben, bereits eine Sache des
Gehorsams Gott gegenüber. Es ist Sein ausdrückliches Gebot, dass man Buße tut und
dem Evangelium glaubt. Dadurch unterwirft sich die Seele in Wahrheit Gottes
Willen. Denn der Gehorsam bezieht sich nicht nur auf das, was man fortan für
Gott tun soll; vielmehr beugt sich die Seele von Anfang an vor Gott und
anerkennt, dass Er in Seinem Sohn der Heiland-Gott ist.
Auszug aus der Betrachtung über den 1. Johannesbrief
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