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Kurzbiographie von William
Kelly
Kapitel 20
So wie kein geschaffenes Auge erschaute, was als
tiefstes an dem Kreuz Christi vor sich ging, so stand es auch den Menschen
nicht zu, zuzusehen, wie der Herr von den Toten auferstand. Das war so, wie es
sein sollte. Finsternis bedeckte Ihn, als Er Sich für uns zur Sühne dahingab.
Der Mensch sah nicht jenes unendliche Werk in Seinem Tod; doch geschah dies Werk
nicht nur, um Gott dadurch zu verherrlichen, sondern unsere Sünden sollten
gerechterweise hinweggetan werden. Wir haben das Tun der Welt gesehen, und
besonders das des Juden, der Ihn kreuzigte; Hohe und Niedrige, Religiöse und
Weltliche, alle spielten ihre Rolle. Sogar ein Apostel verleugnete Ihn, so wie
ein anderer Ihn an die mörderischen Priester und Altesten verriet. Aber Jehova
legte die Sünde von uns allen auf Ihn; Jehova zerschmetterte Ihn und machte Ihn
zuschanden; Jehova machte Seine Seele zu einem Opfer für die Sünde; und so wie
dies der göttliche Teil war, so war es für menschliche Augen unsichtbar, und
Gott konnte allein, durch wen Er wollte, richtig Zeugnis abgeben von der ewigen
Erlösung, die so erlangt worden war, was der göttlichen Liebe freie Bahn ließ,
um sogar in einer verlorenen und gottlosen Welt zu wirken.
So war es bei der Auferstehung Christi. Er wurde
durch die Ehre des Vaters von den Toten auferweckt; Gott erweckte Jesus auf,
Den die Juden töteten und ans Kreuz hingen; Er hatte Sein Leben niedergelegt,
auf daß Er es wiedernehmen könnte. Er errichtete in drei Tagen den Tempel
Seines Leibes wieder auf, den sie zerstörten. Aber wenn es keinem Menschen
gegeben war, die Handlung Seines Auferstehens von den Toten zu sehen, so sollte
diese doch aller Welt bezeugt werden, ebenso wie Sein Sühnetod. Er sagte als
der Auferstandene: Prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung. Und sicherlich
verstümmelt der, der Seine Auferstehung beiseite rückt, die frohe Botschaft von
ihrem triumphalen Beweis und Charakter, und er stellt die Freiheit des
Gläubigen bloß und seine Einführung in die neue Schöpfung, ebenso wie er die
Herrlichkeit des Herrn ungeheuer ins Unscharfe rückt: denn die Leugnung der
Auferstehung läßt Gottes Zeugen als falsche Zeugen in Wirklichkeit dastehen und
macht den Glauben vergeblich. Darauf beharrt der Apostel in 1Kor 15. Wenn
der Tod den Erlöser festgehalten hätte, wäre alles verloren gewesen; und wenn
es nur Sein Geist gewesen wäre, der seinen Weg in die Gegenwart Gottes gefunden
hätte, wäre es dann sogar nur eine halbe Erlösung gewesen? Seine Auferstehung
ist in Wahrheit eine vollkommene Befreiung, deren Siegel der Heilige Geist für
uns ist.
Deshalb finden wir, daß das die große Grundlage der
Wahrheit im Evangelium ist. Ein Zeuge Seiner Auferstehung zu sein, war das
Haupterfordernis für einen Apostel (Apg 1); und daß Gott Jesum
auferweckt hatte, Den die Juden gekreuzigt hatten, war die Wahrheit, die Petrus
am eindringlichsten verkündigte (Apg 2). So sagte er es in der Folge
in der Halle Salomos (Apg 3) und vor dem jüdischen Rat einmal und
noch wieder einmal (Apg 4 u. 5). Ebenso war es bei dem Predigen vor
den Heiden (Apg 10); und Paulus bestand noch mehr darauf als Petrus
(Apg 13). Dieses Zeugnis ärgerte besonders die Obersten der Sadduzäer
(Apg 4); das ist das, was den unermüdlichen Zorn oder die Opposition
des Unglaubens in der ganzen Welt hervorruft. Und das ist kein Wunder; denn
wenn die Auferstehung die Quelle der Freude und die Grundlage der gewissen
Erlösung für den Gläubigen ist, wenn sie das Geheimnis seines heiligen Wandels
als der Ausdruck des Lebens, das er in dem auferstandenen Christus hat, und als
die Macht einer lebendigen Hoffnung ist, ist sie auch das Maß für den
wirklichen Zustand des Menschen, der tot in seinen Sunden ist; denn sie ist das
gegenwärtige festgelegte und beständige Pfand, daß das Gericht über dem
Erdkreis droht, denn Gott hat den Menschen, Den die Welt getötet hat, als ihren
ernannten Richter von den Toten auferweckt. Die Auferstehung ist deshalb für
den Menschen ebenso abstoßend wie sie dazu geeignet ist, sogar dem
fleischlichen Sinn von Christen, die das Irdische suchen, zu entgehen.
Da die Auferstehung also offensichtlich eine Wahrheit
von allerhöchster Bedeutung ist, hat der Geist Gottes dafür gesorgt, daß das
Zeugnis dafür ebenso klar wie vollständig sein sollte. Deshalb fehlt es auch
nicht bei Matthäus, der von der Tendenz seines Evangeliums her die Himmelfahrt
ausläßt, daß der Beweis für die Auferstehung Christi in höchst klarer Weise
erbracht wird; und ebenso ist es bei Markus; Lukas zeigt uns noch mit mehr
Einzelheiten als irgendein anderer den Herrn in der Auferstehung mit Seiner
ganzen liebevollen Anteilnahme für die Seinen. Er ist ein Mensch, ebenso wahr
wie je zuvor, mit Fleisch und Bein, Der in der Lage ist, mit ihnen zu essen,
aber Der auferstanden ist. Johannes stellt, wie gewöhnlich, den bewußten Sohn
Gottes dar, das Fleischgewordene Wort, aber jetzt in Auferstehung. Hier sind
die Beweise dem Wesen des Evangeliums nach innerlich und persönlich, wo die
anderen ebenso passend das darstellen, was äußerlich, aber nicht weniger
notwendig war.
Die Auferstehung steht als ein Bollwerk gegen die
philosophische Skepsis fest und unantastbar dar. Denn sie widersteht
unwiderleglich der Spitzfindigkeit und widerlegt diese, die Gott nicht kennt
und die den Gedanken von Ursachen in ein unveränderliches Vorhergehen von
ständig beobachteten Merkmalen in ihrer Folge verwandelt: eine Theorie, die
ruhig angenommen wird und sorgfältig eingeflößt wird, um die Möglichkeit eines
göttlichen Eingreifens, sei es in Gnade oder in Gericht, in Wundern oder in
Weissagung, oder in irgendeinem Verhältnis mit Gott, das über die Natur
hinausgeht, beiseite zu rücken. Verhältnis mit Gott, sagte ich? Warum,
entsprechend diesem System, wenn man es logisch zuende denkt, ist Er und muß Er
unbekannt sein; aber wenn Er unbekannt ist, wer kann uns dann sagen, ob Er
existiert? oder ob nicht alles in einer bloßen Vergöttlichung der Natur endet?
Nun ruht die Auferstehung Christi, wie oft gezeigt worden ist, auf weit
volleren Beweisen und auf sichereren und besseren Grundlagen als irgendein
Ereignis in der Geschichte; und das deshalb, weil sie zu der Zeit von Freunden
und Feinden geprüft wurde, wie niemals irgend etwas sonst geprüft worden ist,
und weil Gott Selbst eine Fülle von Zeugnissen gab, die im Verhältnis steht zu
ihrem unschätzbare Wert, nicht nur für uns allein, sondern auch für Seine
eigene Herrlichkeit. Als eine Tatsache ohne Argumentation vernichtet sie also
aus sich selbst heraus und sofort jede Gegnerschaft gegen die Wahrheit des
Gewissens oder jede fälschlich sogenannte Erkenntnis. Denn es wäre im höchsten
Grade absurd, anzunehmen, daß der Tod Jesu die Ursache Seiner Auferstehung war.
Was dann war ihre Ursache? Von welchem Vorausgehenden war sie die Folge? Wenn
irgend etwas auf die Macht Gottes weist, so ist es die Auferstehung nicht
weniger als die Schöpfung.
Die Wahrheit ist die, daß die Anstrengung, Ursache
und Wirkung in ein bloßes Vorhergehen und Nachfolgen zu verwandeln, aus dem
Wunsch entspringt, Gott überhaupt loszuwerden; denn Ursache verlangt wirklich
nach einem Willen, nach einem Plan und nach einer Macht in Tätigkeit, wenn wir
auch zwischen der causa causans ( verursachende Ursache) und den causae
causatae (verursachte Ursachen) unterscheiden müssen. Diese Ursachen sind durch
Gottes Einfügung in der Natur, aber Er lebt, Er will, und Er handelt. Deshalb
steht die Auferstehung Christi in der
Mitte der Geschichte dieser Welt, um jeden Unglauben zu richten, denn sie wird
heute als eine einfache Tatsache, die im vollen Maße bewiesen ist, betrachtet.
Wir können ihre Folgen sehen, soweit unser Kapitel sie uns später noch zeigt.
Der Herr hatte bestimmt und oft von Seinem Tod und Seiner Auferstehung während
Seines Lebens gesprochen. Er war gestorben, und Er wurde begraben; und hier
erfahren wir, daß keine Macht oder Vorsichtsmaßnahme gegen Sein Wort bestehen
konnte. Die Gruft hatte ihre Leiche verloren; und das war alles, was das Herz
der Maria erfassen konnte - den Verlust des toten Leibes des Herrn.
Beklagenswerte Vergeßlichkeit, aber bei einem Herzen, das an jenem einen
traurigen Schatz hier unten hing, und dieser war fort!
So geschah sogar hier nach der Weisheit Gottes der
Beweis stufenweise, und die Apostel wuchsen nur sehr langsam im Verständnis für
die Wahrheit. Es wurde der deutlichste Beweis dafür gegeben, daß, so wie die
Macht in sich selbst von Ihm allein und unmittelbar und über dem ganzen Lauf
der Natur und den menschlichen Erfahrungen war, diejenigen, die später die
Fähigsten, Eifrigsten und am meisten Leidenden der Zeugen dafür sein sollten,
nur durch solche Stufen zu der Gewißheit geführt werden konnten, was uns zeigt,
daß niemand mehr überrascht war als die Apostel. Sogar die Feinde des Herrn
hatten eine unbestimmte Furcht und ein Unbehagen, was zu der Erlaubnis des
Pilatus für eine Militärwache mit dem Siegel des großen Steines, um das Grab
sicher zu halten, führte. Nicht ein Jünger, soweit wir wissen, wartete auf
Seine Auferstehung.
Nichtsdestotrotz stand Christus am dritten Tag
entsprechend der Schrift wieder auf. Gerade an dieser Stelle in der Lehre des
Wortes Gottes waren die Jünger schwach; nicht nur die wenig Einsicht habende
Magdalene, sondern alle, wie wir sehen werden, hatten kein Gefühl dafür und
waren sehr schwerfällig, an alles zu glauben, was die Propheten geredet hatten.
Und alle vergaßen so schnell die klaren Worte, in denen der Herr Selbst ihnen
wiederholt nicht nur Seinen Tod, sondern auch Seine Auferstehung am dritten Tag
angekündigt hatte.
Dementsprechend haben die Anfangsverse das Ziel, uns
zu zeigen, wie die Wahrheit langsam in einem Herzen zu dämmern begann. Es
fehlte ein heimliches Einverständnis, die Auferstehung ihres Meisters
vorzugeben. Es gab nicht so etwas wie eine hoffnungsvolle Vorahnung in einem
einzigen Herzen, von dem man reden könnte. Die Finsternis des Kreuzes hatte
jedes Herz erstarren lassen; die Furcht vor den Menschen bedrückte die Männer
noch mehr als die Frauen. Selbst wo die Tatsache klar gewesen sein sollte,
mißverstand die, die die Tatsache sah, ihre Bedeutung und war noch trauriger
als zuvor.
Verse 1-2:
An dem ersten Wochentage aber kommt Maria Magdalene früh, als es noch finster
war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen. Sie läuft nun und
kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und
spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen
nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Maria Magdalene scheint am ersten Tag allein zu sein;
gewiß, wenn auch andere Frauen bei oder neben ihr waren, wie andere Zeugnisse
es beinhalten (um nicht von der Pluralform "wir wissen" zu reden, die
bloß allgemein sein kann), so zieht doch sie allein die Aufmerksamkeit des
Geistes Gottes an, Sie offenbart ein Herz, das zuerst unwiderstehlich zu einer
so überwältigenden und innerlich heiligen Szene angezogen wurde durch ihre
Liebe zu Ihm, Dessen Leib man in das Grab gelegt hatte; dann am Ende begegnete
ihr der Herr, und sie wurde von Ihm gesegnet, wo die besten Hilfsquellen unter
den Heiligen versagt hatten, was wir zur gegebenen Zeit noch sehen werden.
Vor Seinem Tod hatte Maria, die Schwester des
Lazarus, den Herrn gesalbt. Sein Haupt und Seine Füße, aus der Fülle ihrer
Liebe heraus, die das, was ihr am kostbarsten war, auf Ihn verschwendete, und
zwar gerade zu jener Zeit, wo sie instinktiv eine drohende Gefahr fühlte. Und
sie hörte als Antwort auf die herzlose Gleichgültigkeit, die sich gerade da zur
tödlichsten Gottlosigkeit entwickelte, die Rechtfertigung Seiner Liebe, die
ihrer Handlung eine Bedeutung gab, an die sie nie gedacht hatte. 0, wie
befriedigte es ihr Herz, bis sie bei Ihm war! Es war eine tiefe und echte
Liebe, die durch die Liebe Jesu, die nicht nur vollkommen, sondern auch
göttlich war, beantwortet wurde.
Und auch hier
war es nicht vergeblich, daß Maria Magdalene sich so früh, wo es noch finster
war, zu der Gruft, zu dem leeren Grab Jesu, hingezogen fühlte. Sie war, wenn
auch nicht allein, dort gewesen, nachdem der Sabbat vergangen war, als es
dämmerte (nicht "Morgendämmerung" ist gemeint, wenn auch das Wort
"dämmern" beides bedeuten kann) zum ersten Tag der Woche hin, denn
das ist die wahre Bedeutung von Matth. 28. Vergl. damit Mark. 16; ebenso Luk.
23,54 zeigt, daß sie an dem vorhergehenden Abend dagewesen waren, als der
Freitag beendet war und der Sabbat anfing.
Es ist bemerkenswert, daß diese Maria läuft, um nicht
nur Johannes, sondern auch Petrus die Tatsache von der Entfernung des Steines und
das, was sie daraus für den Leib des Herrn folgerte, zu erzählen. Der letztere
hatte bekannterweise und auf betrübliche Art den Herrn gerade vor Seinem Tod
entehrt. Aber ohne Zweifel war Seine Buße den Heiligen wenigstens gut bekannt.
Hier wird berichtet, wie sie sich, ohne zu zögern, an diese wendet. Maria
dachte in ihrem Herzen daran, wer von den Jüngern wohl am herzlichsten auf die
ängstliche Frage, die ihre Seele erfüllt, antworten würde. Denn sicherlich war
es nicht Mangel an Liebe, sondern an Selbstgericht, der jenen feurigen Jünger
dazu verleitet hatte, seinen Meister zu verleugnen. Im Gegenteil, es war
Vertrauen auf seine eigenem Liebe zu Ihm, wobei er sich selbst überhaupt nicht
kannte und wobei er nicht richtig von Gott abhängig war, angesichts einer
feindlichen Welt mit dem Schatten des Todes vor seinen Augen. Und der Meister
zeigt im nächsten Kapitel Seine eigene Gnade im reichsten Maße gegenüber Seinem
Knecht, obwohl Er dort auch die sündige Wurzel, die ihn zu schmachvollem
Versagen verleitet hatte, bloßlegt. Maria wurde in der Tat weit mehr darin
gerechtfertigt, daß sie auf die Sympathie von Petrus und Johannes rechnete in
dem, was ihr Herz betrübte, als in der Unwissenheit, die zu dem Schluß kam, daß
Menschen den Leib des Herrn am Auferstehungstag weggenommen hätten. Sogar die
wärmste Liebe kann ohne das Wort nicht einen richtigen Gedanken über Ihn
fassen. Der für uns starb. Ihre Begriffe waren gänzlich Christi oder Gottes
Fürsorge für Ihn unwürdig. Aber Unglaube in dem Heiligen ist nicht besser als
in dem Sünder; und gerade die Kraft ihrer Liebe zu dem Herrn macht noch
deutlicher, wie Glaube notwendig ist, um in göttlichen Dingen das richtige
Verständnis zu haben. Er jedoch "gibt mehr Gnade".
Was die Berichte über die Auferstehung angeht, so soll
keiner glauben, daß es fruchtlos wäre, sie zu vergleichen, oder die perfekte
Genauigkeit dieser einzelnen anzunehmen. Ob man eine Übereinstimmung versucht
oder ablehnt, das Ergebnis muß sehr falsch werden, wenn man damit anfängt,
Matth. 28 als Dämmerung des Sonntagmorgens zu interpretieren anstatt der
Dämmerung des Sabbatabends, der letztlich für den Juden (und Matthäus wendet
sich vor allem an die Juden) der richtige Anfang des ersten Tages war und ist,
wenn auch die westlichen Vorurteile zu dem heidnischen Lauf des Tages
hinneigen. Dieser Irrtum muß jedes richtige Verständnis für den Prüfenden wie
auch für den nach Harmonie Suchenden zunichte machen. Laßt uns als Gläubige
lesen.
Es ist gesagt worden, daß es unmöglich sei, daß solch
ein erstaunliches Ereignis, das über verschiedene Teile der Gruppe der Jünger
von verschiedenen Orten und in verschiedenen Formen hereinbrach, von vier
unabhängigen Zeugen nicht in solch "zerstreuter und fragmentarischer
Welse" berichtet würde, in der wir es jetzt finden. Gewiß wäre das
unmöglich, wenn da nicht Gott wäre. Der die vollkommene Wahrheit durch alle
Seine auserwählten Zeugen und in jedem ihrer Berichte sicherstellte. Die
Bemerkung ist deshalb reiner Unglaube, und sie ist eines einsichtigen Christen
unwürdig. "Zerstreut und fragmentarisch" ist nicht die Art des
Heiligen Geistes, Der nicht die Vier gebraucht, wie Menschen, die bei einem
Gericht Bericht erstatten, und zwar jeder von dem, was er sah und hörte. Dies
ist nicht nur bei Markus und Lukas nicht anzuwenden, sondern es stimmt auch
nicht mit den Tatsachen bei Johannes und Matthäus überein, Denn Er führt jeden
von ihnen so, daß das ausgelassen wird, was beide sahen und hörten, und daß nur
solch eine Auswahl eingesetzt wird, die zu dem Bereich und der Absicht des besonderen
Evangeliums paßt. War nicht Matthäus einer von den Zuschauern, die gepackt
wurden von der Erscheinung des Herrn inmitten der Jünger zu Jerusalem am Abend
des Tages, an dem Er von den Toten auferstand? War nicht Johannes bei den
Übrigen auf dem genannten Berg in Galiläa?
Es ist also nicht bloß wahr, daß im Grunde unter der
verschiedenen Oberfläche der Erzählung die große zentrale Tatsache der
Auferstehung selbst unverändert und unbeweglich bleibt (denn das könnte auch in
rein menschlichen Tatsachenberichten der Fall sein), sondern daß jeder der vier
nach der Absicht des inspirierenden Geistes ein besonderes Objekt oder Ziel vor
sich hatte, das unbeirrbar im allgemeinen Plan und in den genauesten
Einzelheiten verfolgt wird. Der Einwand läßt die Ehrlichkeit der christlichen
Zeugen bestehen, aber er läßt Gott aus ihrem Schreiben heraus, was das Wesen
des Unglaubens ist: und das ist umso schmerzlicher, als der, der die Einwände
macht, wirklich ein Gläubiger ist, der aber eine ganz unangemessene und gefährliche
Theorie der Inspiration vertritt. Tatsache ist, daß kein Mensch, der den Stoff
hatte, oder der wußte, was jeder Evangelist vor sich hatte, so jemals
geschrieben haben würde, wie einer von ihnen es tat. Und nichts erklärt ihre
besondere Form, als daß Gott in vollkommener Übereinstimmung mit jedem
Evangelium ein Zeugnis gibt, um durch sie alle ein vollständiges Ganzes zu
bilden. Was für ein Gift verbreitet ein solcher Unglaube, wo man denkt, daß die
Männer Gottes nicht mehr hatten als solche Führung des Geistes, wie sie bei der
normalen Predigt oder bei ähnlichem der Fall ist! Wenn man das Inspiration
nennt, so vergrößert man den Wahn nur. Sind sie Gottes Wort?
So wie es bekannt wird, war die Auferstehung das, was
die Apostel vor allem anderen bezeugten; aber wie wir gesehen haben und wie wir
noch deutlicher sehen könnten, heißt es, etwas Offensichtliches zu übergehen,
wenn man annimmt, daß jeder getreu die besonderen Tatsachen in einer Erzählung
ausarbeitete, die er selbst gesehen hatte oder die ihm von den Betreffenden
berichtet worden waren. Das ist eine armselige und irreführende aus
Vernunftgründen entstandene Hypothese. Ihre Verschiedenheit entspringt nicht
menschlicher Schwachheit, sondern göttlicher Weisheit.
Aber laßt uns einige Augenblicke noch an die Wirkung
denken, die das leere Grab auf die ausübte, die es zuerst bemerkten, Und
sicherlich kann man nicht bei Maria Magdalene von geistlicher Einsicht
sprechen; aber sie klammerte sich an die Person des Herrn in tiefer Zuneigung;
und Er ging nicht achtlos daran vorbei. Sie war, wie wir sehen werden, die
erste, die Freude in Ihm hatte, und Er ehrt sie. Doch was konnte Christi
weniger würdig sein als ihr vorschneller Schluß aus dem leeren Grab! "Sie
haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn
hingelegt haben". Sie kann nur an Ihn denken als unter der Macht des Todes
stehend. Sie urteilt mit ihren eigenen Augen; und für sie hat bis jetzt noch
der Mensch die Oberhand. Seine Zusicherung von der Auferstehung hatte keine Spur
hinterlassen, sie war im Sande verlaufen. Wer kann sich des Menschen rühmen,
der so überwältigt da steht vor der unerkannten und doch herrlichen Macht
Gottes, die Ihn schon von den Toten auferweckt hatte? Trotzdem war ihr Herz Ihm
ergeben, und sie zeigt es, und sei es jetzt nur durch ihren Besuch an solch
einer Stätte, während es noch dunkel war, und durch ihre äußerste Erregung, als
sie den Stein weggenommen sah und feststellte, daß der Leib aus der Gruft
genommen war. Was kann sie tun, als mit der Nachricht zu gleichgesinnten Herzen
laufen?
Verse 3-10: Da ging Petrus hinaus und der
andere Jünger, und sie gingen zu der Gruft. Die beiden aber liefen zusammen,
und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zu der
Gruft; und sich vornüber bückend, sieht er die leinenen Tücher liegen; doch
ging er nicht hinein. Da kommt Simon Petrus, ihm folgend, und ging hinein in
die Gruft und sieht die leinen Tücher liegen, und das Schweißtuch, welches auf
seinem Haupte war, nicht bei den leinenen T ehern liegen, sondern besonders
zusammengewickelt an einem Orte. Dann ging nun auch der andere Jünger hinein,
der zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte. Denn sie kannten die
Schrift noch nicht, daß er aus den Toten auferstehen mußte. Es gingen nun die
Jünger wieder heim.
Es war nicht nur Johannes, der sich bei der Nachricht
von Maria aufmachte. Liebe, die durch Worte erweckt wurde, die in ihren Ohren
seltsam klangen, führte Petrus dazu, zusammen mit Johannes mit nicht geringerem
Verlangen zu laufen, wenn er auch nicht ganz so schnell war. Er hatte
geschlafen, als er hätte wachen und beten sollen; und als die Krise kam, hatte
er seinen Meister mit viel Beteuerungen nach dessen ernster Warnung verleugnet.
Aber er war kein Judas: er war wirklich weit davon entfernt. Er liebte den
Herrn, Der Selbst wußte, daß er Ihn liebte; und deshalb wurde sein Herz trotz
seiner tiefen und schmachvollen Sünde durch die ihm so unbegreifliche Nachricht
von dem Verschwinden des Leibes aus der Gruft bewegt. So liefen die beiden
Jünger (die aus anderen Gründen oft zusammen gesehen werden) um die Wette, wer
am schnellsten zu dem Ort kommen würde. Nicht die geringste Ahnung von dem, was
die Tatsache war, hatte bis jetzt ihre Sinne durchzuckt; doch waren sie so
weit, wie irgend möglich, von der Gleichgültigkeit gegenüber dem geringsten
Umstand entfernt, der Seinen Leib betraf. Daß Er nicht mehr da war, wo Er
hingelegt worden war, besonders bei solch einem Schutz gegen greifbare
Zwischenfälle, ist genug, um beide zutiefst zu erregen; und sie sind sofort an
der Stelle, wobei Johannes Petrus überrundet. Und als er als erster zu der
Gruft kam, bückte er sich vornüber und sah die leinenen Tücher liegen; doch er
ging nicht hinein. Petrus war zwar etwas weniger schnell beim Laufen, aber er
ging weiter, als er den Ort erreichte, denn er ging in die Gruft hinein und sah
die leinenen Tücher liegen, und das Schweißtuch, welches auf Seinem Haupte war,
nicht bei den leinenen Tüchern liegen, sondern besonders zusammengewickelt an
einem Ort. So berichtet es auch Lukas (Kap. 24,12), wenn auch nicht in allen
Einzelheiten wie Johannes, der nicht nur die zweifache Nachprüfung seinerseits
beschreibt, sondern auch das Merkmal hinzufügt, das Petrus aufmerksam erspähte,
indem er die Besonderheit entdeckte, daß das Schweißtuch für sich allein
zusammengewickelt war. Was für ein klarer überzeugender Beweis, daß der Leib
nicht von Feinden oder Freunden hinweggenommen worden war! Denn warum sollten
diese die leinenen Tücher zurücklassen? Wer außer einem, der vom Schlaf
erwachte, konnte in dieser ruhigen und ordentlichen Art mit den Tüchern
umgehen? Er mußte es selbst getan haben, als Er von den Toten auferstand und
das beiseite legte, was für Seinen neuen Zustand ebenso unpassend wie unnötig
war. Denn hier können wir den Gegensatz zu der ganz anderen Art feststellen, in
der Lazarus erschien, als er von dem Herrn auferweckt wurde, was den
verschiedenen Charakter der Auferstehung anzeigt. Noch war da keine Tiefe in
der Überzeugung, die Petrus sich bilden mußte; denn er kehrte nach Hause zurück
und berichtete die Wahrheit, aber wunderte sich, wie das geschehen war. Wundern
ist in keiner Weise der Ausdruck für Einsicht, die Glauben schenkt; Wundern
schließt vielmehr einen bestimmten Mangel an Einsicht ein; es scheint
überraschend, daß solche Männer wie Bengel und Stier Erasmus und Grotius in dem
Gedanken folgen, daß Johannes bloß so weit kam, wie Maria in ihren Gedanken in
Vers 2.
"Dann ging nun auch der andere Jünger hinein,
der zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte". Es war Glaube, der
auf augenscheinlichen Tatsachen beruhte und nicht auf dem geschriebenen Wort.
Die Folgerung der Maria wurde durch die von Johannes sowohl als auch von Petrus
beobachteten Anzeichen umgestürzt. Sie schlossen verstandesmäßig, aufgrund
einer vernünftigen Beurteilung der beobachteten Tatsachen; aber das ist in sich
selbst nur eine menschliche Ableitung, so richtig sie auch in sich selbst sein
mag, anstatt die Unterwerfung des Herzens gegenüber dem Zeugnis Gottes zu sein.
Es ist Johannes selbst, der uns hier wie anderswo lehrt, diese höchst wichtige
Unterscheidung zu treffen. Aber beide, Petrus wie auch Johannes, scheinen, wenn
sie auch überrascht waren, doch die Bedeutung dessen erfaßt zu haben, was sie
beobachteten. Sie gingen beide über Maria Magdalene hinaus und folgerten, daß
Er auferstanden sein müsse; und nicht daß entweder Joseph und Nikodemus auf der
einen Seite oder die Juden oder Römer auf der anderen Seite den Leib des Herrn
weggenommen hätten. Aufgrund der offensichtlichen Tatsachen erklärten sie das
Verschwinden Seines Leibes richtig. Aber bei beiden fehlte jener Charakter des
Glaubens an Seine Auferstehung, der daher kommt, daß man Gottes Wort zur
Grundlage macht. Das erstere war menschlich, das letztere wäre göttlich, weil
darin allein an Gott geglaubt wird, was Ihm Seinen wahren Platz gibt und uns
unsere Plätze zuweist. So wird die Seele durch die Kraft des Wortes gereinigt,
was nicht weniger nötig ist als das Reinigen durch Blut; und deshalb begleitet
Buße immer den Glauben. Wir könnten nicht für das Erbteil der Heiligen in dem
Licht bereit gemacht werden, wenn wir nicht aus Erfahrung das Waschen mit
Wasser durch das Wort und auch die Reinigung von unseren Sünden durch Christi
Blut kennten.
Nun ist es nicht zuviel, wenn man sagt, so weit es um
die Wahrheit der Auferstehung geht, die bald das charakteristische Zeugnis der
Apostel Johannes oder Petrus werden sollte, dieselbe ihnen noch nicht von Gott
gezeigt war. Sie verbanden mit der Tatsache noch nicht das Zeugnis Gottes in
dem Gesetz, in den Psalmen oder in den Propheten, und ebenso nicht die klaren
und erst kürzlich gesprochenen Worte unseres Herrn Jesus. Es liegt also wenig
Wahrheit in dem Urteil von Lampe, daß von diesem Augenblick an in der
Finsternis des Grabes die Seele des Johannes von dem rettenden Glauben an die
Auferstehung Jesu wie von einem gewissen neuen Strahl der aufgegangenen
"Sonne der Gerechtigkeit" erleuchtet wurde. Nichts ist in göttlichen
Dingen schon, das nicht wahr ist; und dieses ist nicht nur nicht wahr, sondern
ist die Umkehrung der Wahrheit, die Johannes selbst in seinem inspirierten
Kommentar über die Tatsache nicht erfaßte. Sie glaubten beide an Christus,
nicht nur aufgrund von Tatsachen, sondern auch aufgrund des Wortes Gottes; aber
sie glaubten beide nicht an Seine Auferstehung über die gesehenen Tatsachen
hinaus, daß es so sein mußte. "Denn sie kannten die Schrift noch nicht,
daß er aus den Toten auferstehen müßte".
Wir haben ein schönes Beispiel für protestantische
(ich sage nicht: Reformations-) Theologie gehabt, die ihre lockere und
menschliche Vorstellung vom Glauben zeigt. Romanistische, und vielleicht könnte
man katholische hinzufügen, Ansichten sind nicht besser. Von daher kommt die
tridentinische Herabsetzung des Glaubens; von daher kommt die Anstrengung,
Liebe und Gehorsam und Helligkeit für die Rechtfertigung einzuführen. Sie
fühlen, daß es ein moralisches Element geben muß, und ihr Glaube, der sich in
ein intellektuelles Auffassungsvermögen
von Lehrsätzen verwandelt, schließt das aus; so daß sie gezwungen sind, andere
Dinge dem Glauben hinzuzufügen, um sich selbst zu befriedigen. All dies hängt
von dem großen, grundsätzlichen Irrtum ab, daß der gute Papst den Glauben an
die Kirche zum Ruheplatz für seine Seele und ihn zum Maßstab des Glaubens
macht, und nicht die Schrift oder Gott, Der Sich in Christus durch die Schrift
offenbart. Wenn sie den Irrtum konsequent bis zum Ende durchführen würden,
könnte kein Romanist gerettet werden; denn er glaubt nicht an Gottes Wort
aufgrund göttlicher Autorität, sondern an Schrift und Tradition aufgrund des
Wortes der Kirche. Durch seinen eigenen Grundsatz schließt er den Glauben an
Gott aus und könnte nicht wirklich den Glauben zum Leben überhaupt haben. Nur
durch Gnade können Menschen besser sein als ihr Grundsatz, so wie viele ach!
schlechter sind, wenn der Grundsatz von Gott ist. Es ist von lebensnotwendiger
Bedeutung, daß man an die Schrift als an Gottes Wort glaubt, und daß man an
Gott in ihr glaubt.
Tatsachen sind von hohem Interesse und von wirklicher
Bedeutung; und so wie der Israelit als die Grundlage seiner Religion auf solche
weisen konnte, auf die Berufung Abrahams durch Gott und die Befreiung des
auserwählten Volkes aus Ägypten und seine Führung durch die Wüste nach Kanaan,
so kann der Christ auf die unvergleichlich tieferen und anhaltenderen Tatsachen
der Inkarnation, des Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt des Sohnes Gottes
mit der daraus folgenden Gegenwart des Heiligen Geistes, Der vom Himmel
herabgesandt wurde, weisen. Aber daß der Glaube moralischen Wert hat, daß er an
dem Gewissen wirkt, das er reinigt und das Herz erforscht, beruht nicht auf der
reinen und einfachen Annahme von Tatsachen aus Vernunftgründen, sondern
geschieht nur da, wo das Herz das Zeugnis Gottes in Seinem Wort begrüßt. Dies
stellt die Seele vor allem anderen auf die Probe, da geistliche Einsicht in dem
Wachsen zu Christus hin in einer zunehmenden Empfindung für alles und Freude an
allem, was Gottes Wort geoffenbart hat, besteht, was den Heiligen praktisch zu
Ihm und Seinem Willen hin im Gericht über sich selbst und über die Welt
absondert. Man hat den alten Menschen abgelegt und den neuen angelegt, man ist
erneuert in die volle Erkenntnis entsprechend dem Bild Dessen, Der uns
geschaffen hat.
"Zu sehen und zu glauben" ist deshalb
etwas, das an dem, was das Wirken Gottes gibt, ganz vorbei geht; dem entspricht
heute in der Christenheit traditioneller Glaube oder Für-wahr-Halten. Das ist
menschlich und läßt das Gewissen ungereinigt und läßt das Herz ohne Gemeinschaft.
So etwas mag sich in einem Menschen finden, der in keiner Weise von Gott
geboren ist (vergl. 2, 23-25), aber auch in dem Gläubigen, wie hier: wenn das
der Fall ist, ist es nicht das, was der Geist versiegelt, und es befreit in
keiner Weise von gegenwärtigen Dingen.
Und es scheint das göttliche Ziel in dem Bericht vor uns zu sein, uns das
kundzutun. Glaube, wenn er von Wert sein soll und Kraft haben soll, beruht
nicht auf Anschauen oder Folgen, sondern auf der Schrift. So zeigen die Jünger
hinsichtlich der Worte des Herrn, bis Er von den Toten auferstand (2,22), das
unzuverlässigste Gedächtnis, ebenso wie sie kein Gefühl für die Kraft und die
Anwendung des geschriebenen Wortes haben: danach glaubten sie an beides, sie
drangen in bleibenden und bereichernden Segen von oben ein. Das, wie Petrus uns
in seinem ersten Brief sagt (Kap. 1,8), ist für den Glauben eines Christen
charakteristisch, der Christus liebt, wiewohl er Ihn nicht gesehen hat; an
diesen glaubend, obgleich er Ihn jetzt nicht sieht, frohlockt er mit
unaussprechlicher und verherrlichter Freude. Der Glaube, der auf Beweisen ruht,
mag Kraft gegen den Deismus, den Pantheismus oder den Atheismus geben; aber er
hat niemals Vergebung der Sünden geschenkt oder einen dazu geführt, Abba Vater
zu rufen, und hat niemals das Herz mit Seiner Gnade und Herrlichkeit erfüllt.
Der Er der Gegenstand der ewigen Genugtuung und der ewigen Freude Gottes ist.
Hier haben wir auch das weitere und herausgestellte
Zeugnis der Machtlosigkeit solchen Glaubens; denn uns wird gesagt (Vers 10):
"Es gingen nun die Jünger wieder heim". Die Tatsache war durch
Gründe, die für ihren Verstand unbestreitbar waren, bekannt geworden, aber sie hatten sie noch nicht im
Blickfeld Gottes als in Seinem Wort geoffenbart geschaut; und deshalb kehren
sie zu ihren alten unabgerissenen Verbindungen zurück.
Maria faßte die Dinge nicht so ruhig auf wie die
beiden Jünger, und sie konnte es auch nicht. Was war "heim" jetzt für
sie? Was war die Welt? Nichts als ein leeres Grab, wo Jesus gelegen hatte.
Andere mochten wieder nach Hause zurückkehren. Für ihr Herz war es unmöglich.
Verse
11-16: Maria aber stand bei der
Gruft, draußen, und weinte. Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber in die
Gruft und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, einen zu dem Haupte und
einen zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und jene sagen zu ihr:
Weib, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen,
und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte,
wandte sie sich zurück und sieht Jesum stehen; und sie wußte nicht, daß es
Jesus sei. Jesus spricht zu ihr: Weib, was weinst du? Wen suchst du? Sie. in
der Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen,
so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn wegholen. Jesus
spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf hebräisch:
Rabbuni! Das heißt Lehrer.
Die Traurigkeit der Liebe für Jesus, das, was sich
über Seine Abwesenheit grämt oder was empfindet, daß man Ihm in irgendeiner
Weise Unrecht getan hat, ist etwas ganz anderes als die Traurigkeit der Welt,
die den Tod bewirkt. Sie geht bald in Leben und Frieden durch die Gnade Jesu
über. Die Traurigkeit der Maria war nicht fruchtlos, auch war sie nicht von langer
Dauer. Andere Diener des Herrn und der Herr Selbst, Den sie nicht sah, schauten
auf sie. Während sie draußen weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft und
sah zwei Engel in weißen Kleidern. Aber Er war nicht da; sie saßen einer zu dem
Haupte und einer zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Aber wir hören
von keinem Erschrecken und von keinem Erstarren ihrerseits: so beschäftigt war
ihr Herz mit jener einen Person, die ihr allem Anschein nach verloren war, weil
sogar Sein Leib fort war, so daß sie Ihn nicht beweinen konnte. Auch redet sie
nicht mit ihnen, sondern sie sprechen zu ihr: Weib, was weinst du? Sie waren im
Verborgenen. Sie hatte bis jetzt noch nicht die Zeichen der Gruft richtig
gedeutet. Ihr trauerndes Herz sollte in Kürze eine bessere und klarere
Botschaft erhalten. In der Zwischenzeit erklärt sie ihnen, warum sie geweint
hat: "Weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich nicht weiß, wo sie ihn
hingelegt haben". Sie übersieht das Seltsame an der Erscheinung der Engel
innerhalb der Gruft und hält es für selbst-verständlich, daß jeder wissen muß,
wer Er war. Dessen Leib fort ist. Aber noch nicht einmal jetzt ist der Gedanke
Seiner Auferstehung in ihren Sinn gekommen. Der Herr war ihr Herr; sie liebte
Ihn innig, aber ihrer Auffassung nach hatten Menschen Ihn genommen und Ihn
irgendwohin gelegt, wo sie es nicht wußte. Eine Seele mag den Herrn lieben, und
doch kann sie in der Tat hinsichtlich Seiner auferstandenen Herrlichkeit im
Finsteren stecken, wie wir nicht umhin können, hier herauszulesen.
Die Gnade wollte jetzt eingreifen. "Als sie dies
gesagt hatte. wandte sie sich zurück und sieht Jesum stehen; und sie wußte
nicht, daß es Jesus sei". Wie oft geschieht dasselbe mit unseren
schwerfälligen Herzen! Aber Er handelt nie ohne Seinen Namen, und Er redet,
damit wir Ihn erkennen. "Jesus spricht zu ihr: Weib. was weinst du? Wen
suchst du?" Das letztere war eine Schlüsselfrage. Bis Er jedoch erkannt
wird, herrscht noch Dunkelheit, wenn auch Liebe da ist. "Sie, in der
Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so
sage mir, wo du ihn hin gelegt hast, und ich werde ihn wegholen". Ein
einziges Wort vertreibt all die Schwierigkelten und all die Zweifel, der
Ausdruck nicht unserer Liebe zu Ihm, sondern Seiner Liebe zu uns. "Jesus
spricht zu Ihr: Maria!" Das Werk war geschehen, die große Entdeckung war
gemacht. Er war gestorben. Er war jetzt auferstanden, und Er erschien zuerst
Maria Magdalene. Sie, die mit Tränen gesät hatte, erntet jetzt mit Freuden. Der
Herr schätzte es, daß sie bei der Gruft in Trauer verweilt hatte, wenn es auch
nur ein leeres Grab gewesen war. Ihr Herz war jetzt mit Freude erfüllt; und,
wie wir sehen werden, würde die Freude überlaufen, um andere Herzen froh zu
machen, die Herzen aller, die glaubten.
Der große Hirte rief Seine eigenen Schafe mit Namen.
Sie war für Ihn dieselbe, wie je zuvor; Er stand in der Auferstehungsmacht;
aber Seine Liebe war dieselbe zu ihr, gewiß war sie nicht geringer als da, wo
Er sieben Teufel aus ihr ausgetrieben hatte. Ohne Zweifel war da ein
Gleichklang in dem Aussprechen ihres
Namens, der in ihr Herz drang und sie von ihrem Traum über Seine Person
zurückrief, Der Er einst tot war aber jetzt in Wahrheit lebendig ist von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Schon bald würde sie lernen, daß ebenso wie Er lebte,
auch sie leben sollte, leben für Gott in Christus Jesus, ihrem Herrn, Aber im
Augenblick war das Wissen, daß Er lebendig war, daß Er Selbst ihren Namen mit
unaussprechlicher Liebe ausgedrückt hatte, die Frucht göttlicher Gnade, die ihr
Herz berührte und am besten befriedigte.
Maria hatte Christus dem Fleisch nach gekannt, und
sie dachte offensichtlich, daß sie Ihn auch weiterhin so kennen würde. Aber so
ist es nicht. Fortan kennen wir alle Ihn nicht nach dieser Art. Christus war
tot und war auferstanden und war im Begriff, Seinen Platz im Himmel
entsprechend den Ratschlüssen Gottes einzunehmen. Der Christ ist berufen. Ihn
als Menschen im Himmel zu kennen, Der Er immer der Sohn ist, aber jetzt der im
Himmel verherrlichte Mensch. Von daher ist die Kraft zu erklären von dem, was
jetzt folgt. Maria muß lernen, den Herrn in einem völlig neuen Licht zu
betrachten, nicht in irdischer Gegenwart hier unten, sondern sie muß Ihn zum
Zielpunkt des Glaubens machen als den in Herrlichkeit Aufgenommenen. Sie wird
so von all ihren früheren Verbindungen frei gemacht und ist das gegebene
Beispiel für den jüdischen Überrest, der von nun an Christ wird.
Verse
17-18:Jesus spricht zu ihr: Rühre
mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber hin
zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem
Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalene kommt und verkündigt
den Jüngern, daß sie den Herrn gesehen, und er dies zu ihr gesagt
habe.
Das ist umso auffallender, wenn wir Matthäus 28,9 mit
dem Verbot des Herrn an Maria in unserem Evangelium vergleichen. Beide
Zwischenfälle ereigneten sich sehr nah zur selben Zeit. Doch erlaubte der Herr
den anderen Frauen, zu kommen und Seine Füße zu halten und Ihm zu huldigen,
während Er erst kurz vorher Maria Magdalene verboten hat, Ihn anzurühren. Wir
wissen, daß Er bei beiden Gelegenheiten göttlich vollkommen war, wie Er es
wirklich immer ist, daß, wenn Er auch Mensch war und der Sohn des Menschen war,
es nicht Seine Sache war, zu bereuen, denn Er ist die Wahrheit. Aber wir dürfen
und sollten uns fragen, warum so verschiedene und so schnell aufeinander
folgende Arten doch jeweils absolut an ihrem eigenen Platz richtig sind. Die
Verschiedenheit der Absichten in den beiden Evangelien hilft uns dabei,
die Sache zu klären.
In Matthäus nimmt der auferstandene Herr Seine
Beziehungen zu dem jüdischen Überrest wieder auf und hilft diesen Frauen als
ein Beispiel für jenen Überrest, sich an Seiner Gegenwart auf Erden zu
erfreuen. Aus dem gleichen Grund gibt es nicht nur am Ende von Matthäus keine
Himmelfahrtsszene, sondern auch keine Anspielung auf diese Tatsache; diese
würde in der Tat die Vollkommenheit des Bildes stören, das uns den Herrn als
gegenwärtig mit den Seinen bis zur Vollendung des Zeitalters zeigt. Bei
Johannes wird auf der anderen Seite das jüdische Gefühl sofort korrigiert; neue
Verbindungen werden verkündigt, und die Himmelfahrt zu dem Vater nimmt den
Platz aller Erwartungen für die Nationen auf der Erde ein mit den Juden als dem
Mittelpunkt und die Zeugen des Herrn. "Rühre mich nicht an, denn ich bin
noch nicht aufgefahren zu meinem Vater". Fortan soll der Herr
charakteristisch von dem Christen als im Himmel seiend erkannt werden. Der Jude
hatte auf Ihn auf Erden gewartet, und das war richtig; denn später wird der
Jude es erfüllt sehen, daß Er über die Erde herrscht, wenn Er in Macht und
großer Herrlichkeit wiederkommt. Zwischen den zerbrochenen und
wiederhergestellten Hoffnungen Israels finden wir unseren Platz als Christen.
Wir sind in Seinen Tod getauft, und wir feiern Seinen Tod, bis Er kommt, indem
wir uns an Ihn beim Brotbrechen erinnern; aber wir wissen, daß Er droben ist,
daß Er nicht mehr tot ist, sondern auferstanden und verherrlicht ist.
Ja, wenn wir auch Christus nach dem Fleisch gekannt
hätten, so kennen wir Ihn doch jetzt nicht mehr so (2Kor 5,16). Wir können wirklich, ohne
uns zu rühmen, in nüchterner Wahrheit, aber in alles überragender Gnade sagen -
und als Gläubige sind wir verpflichtet, es zu sagen - daß wir in Ihm sind.
"An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr
in mir und ich in euch". "Jener Tag" des Neuen Testamentes ist
dieser Tag, er ist schon gekommen, der Tag der Gnade für die Welt im Evangelium;
der Tag der Gnade für die Heiligen in ihrer Verbindung mit Christus.
"Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte
ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von dem Gott, der uns
mit sich selbst versöhnt hat durch Jesum Christum". So ist das
Christentum; und dieses, das sich noch nicht entfaltet hatte, war in dem
Handeln und in den Worten unseres Herrn bei Maria Magdalene eingeschlossen.
"Rühre mich nicht an" war ein Wort von hervorragender Bedeutung, und
das noch mehr, wenn es durch die Worte, die es begleiten, gedeutet wird. Es ist
nicht wie in Kolosser 2,21 mh; a{yh/ (eine
einzelne vorübergehende Handlung), sondern mhv mou a{ptou rühre mich
nicht weiter an; es ist ein allgemeines und fortdauerndes Verbot, das
darstellen soll, daß der Überrest aus seinen Verbindungen als Juden
herausgenommen ist und in neue Verbindungen gebracht worden ist, nicht nur in
die Verbindung mit Christus im Himmel, sondern durch Ihn auch mit Seinem Vater
und Gott. Dagegen stehen auf der anderen Seite die, die den Überrest
darstellen, dem es erlaubt ist, Ihn festzuhalten als ein Zeichen für Seine
Wiederkunft in körperlicher Gegenwart für das Reich.
Aber da ist noch mehr. "Geh aber hin zu meinen Brüdern", Er schämt sich nicht,
die Jünger Seine Brüder zu nennen. Er hatte den Weg dafür bereitet; Er hatte bei
der rebellischen Verwerfung Israels von ihrem Messias gesagt: "Wer irgend den
Willen meines Vaters tun wird, der in den Himmeln ist. Derselbe ist mein Bruder
und meine Schwester und meine
Mutter". Jetzt, bei der Vollendung Seines Sühnewerkes, anerkennt Er
bestimmt diese gesegnete Frucht des Werkes, nicht nur daß Sünden dem Glauben
aufgrund Seines vergossenen Blutes vergeben werden, sondern auch daß Gläubige
in der innigsten Weise mit Ihm, dem auferstandenen Menschen und Sohn Gottes
verbunden werden. Sie sind Seine Brüder; denen verkündigt Er weiter
entsprechend Psalm 22,22 den Namen nicht allein von Jehova, sondern auch von
dem Vater. Denn jetzt waren sie nicht nur lebendig gemacht, sondern sie waren
mit Christus lebendig gemacht. Sie standen in Ihm als dem von den Toten
Auferstandenen, und alle Sünden waren ihnen vergeben. Und sie lernen, daß sie
so mit Christus an Seinem neuen Platz als Mensch entsprechend den göttlichen
Ratschlüssen in Ewigkeit verbunden sind und daß jede Frage der Sünde
triumphierend am Kreuz abgeschlossen ist, nicht für Ihn, der keine
Notwendigkeit dafür hatte, sondern für den Gläubigen, der jede mögliche Not
durch Schuld, eine böse Natur, einen anklagenden Feind und einen heiligen
gerechten Richter hatte, und daß sie in Seine eigene gesegnete und ewige
Gemeinschaft mit Seinem Vater und Gott eingehen.
"Und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem
Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott". Es war ein
Augenblick von unvergleichlicher Tiefe: der wieder auferstandene Sohn, Der das
Gericht für unsere Sünden an Seinem eigenen Leib auf das Fluchholz getragen
hatte und Der Gott in jeder Hinsicht verherrlicht hatte, nicht nur im Gehorsam
im Leben, sondern auch bis zum Tode für die Sünde, sendet am
Auferstehungsmorgen durch eine Frau, von der Er früher sieben Teufel
ausgetrieben hatte, Seinen Jüngern (die durch Unglauben verzagten) eine
Botschaft von dem neuen und unvergleichlichen Segen, den Er für sie durch
Seinen Tod und Seine Auferstehung erworben hatte. Ohne Zweifel ist Er der
auferstandene Messias aus dem Samen Davids, und die Segnungen Davids werden
durch Seine Auferstehung sichergestellt, wie es sich in dem mit Israel wieder
aufgerichteten Reich zur entsprechenden Zelt zeigen wird. Aber das muß nach
Gottes Weisheit hinten angesetzt werden, und es muß in der Zwischenzeit einer
weit tieferen Absicht Platz machen, die in Erscheinung tritt, der Berufung der
Kinder Gottes, der Erben Gottes und Miterben Christi, zu der Erkenntnis und Freude
und dem Zeugnis von Ihm und Seinem Sohn durch den Heiligen Geist, was man für
gewöhnlich Christentum nennt. Das konnte nicht vorher sein, und auch nicht nur
deswegen, weil Er Verbindungen nach dem Fleisch und nach der Verheißung mit
Israel hatte, bis sie vollständig ihren unendlich segensvollen König
verachteten und Ihn endgültig durch sündigen und nicht zu entschuldigenden Unglauben verwarfen;
sondern das konnte nur auf dem Boden der Erlösung durch Seinen Tod geschehen,
wodurch Gott jetzt frei war, um die von Seinen Kindern zu formen und in eins zu
versammeln, die von ihren Sünden befreit worden waren und die zusammen mit Ihm
erweckt worden waren, seien es Juden oder Heiden. Jetzt, wo Er gestorben war,
konnte Er viel Frucht bringen. Und hier kündigt Er die Tatsache an, die ebenso
Seher würdig ist, wie sie auch Gottes würdig ist. Der Ihn in Liebe, die alles
menschliche Fassungsvermögen übersteigt, gesandt hat. "Ich fahre auf zu
meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott".
Wie armselig und blaß sind die Träume der Menschen
sogar in ihren höchsten Gedanken, verglichen mit der einfachen Wahrheit, wie
sie der Herr ausspricht und wie Er sie den Seinen zukommen läßt! Doch nichts
Geringeres konnte Seine Liebe befriedigen, was die Macht dieser Liebe zeigen
mußte, indem Er zuerst unsere Sünden nahm, um für sie von Gott geschlagen zu
werden, und indem Er als nächstes in die Herrlichkeit auffuhr und uns soweit
wie möglich Seine eigene Stellung als Söhne und Heilige gab (wo alles Böse und
alle Schuld für ewig vom Gott vergangen ist, und wo die gereinigten Anbeter
kein Bewußtsein mehr von Sünden haben). Das war nicht bloß eine Hoffnung, die
sich erfüllen sollte, wenn Er wiederkommt, um uns zu Sich zu holen, sondern es
ist die Wahrheit einer wirklich existierenden Gemeinschaft, wie sie jetzt am
Auferstehungstag verkündigt wird und zu Seinen Jüngern gesandt wird, damit sie
das erkennen und sich voll daran erfreuen können, daß sie an Seiner Himmelfahrt
für die Gegenwart des Vaters im Himmel ein Pfand haben. Das gilt für alle
Heiligen, bis Er wiederkommt: ach, möchten doch allem es erkennen als ihren
einzige wahren Platz in Ihm! Noch hat die Wahrheit durch die Gnade neue Kraft
zu unserer Zeit empfangen, wenn auch durch Boten, die nicht mehr Grund haben, sich
zu rühmen als Maria Magdalene, die dann mit der Botschaft zu den Jüngern kam
(Vers 18): Ich habe den Herrn gesehen; oder, wie es meistens heißt, daß sie den
Herrn gesehen, und er dies zu ihr gesagt habe. Aber wir dürfen und sollten uns
unseres auferstandenen Herrn und eines solchen Platzes für den Gläubigen in Ihm
rühmen. "Über einen solchen werde ich mich rühmen", sagte einer, der
größer ist als irgendeiner von uns, "über mich selbst aber werde ich mich
nicht rühmen. es sei denn meiner Schwachheiten". Es ist gut, sich über
einen Menschen in Christus zu rühmen: nur können wir damit rechnen, daß die das
tun, die nicht einmal begreifen, was das bedeutet, und die so durch einen
Jargon aus jüdischen und heidnischen Begriffen verdorben sind, was sich
gemeinhin systematische Theologie nennt, daß sie wirklich sehr schwerfällig
dabei sind, zu lernen. Wenn wir die Wahrheit kennen, so mögen wir Gnade haben,
nicht nur in ihr zu wandeln, sondern auch auf die zu achten, die sie nicht
kennen, wenn vielleicht Gnade und Wahrheit am Ende ihren Weg gewinnen und die
Heiligen ihren wahren Segen in Christus lernen.
Die Botschaft des Herrn war nicht vergeblich. Die
Jünger schlössen sich am Auferstehungstag von der Außenwelt ab und waren
versammelt; und Jesus stand in der Mitte. Das ist das wunderbare Vorausahnungen
gebende Bild der Versammlung, wie man es noch voller schaut, wenn die
Einzelheiten berücksichtigt werden.
Verse
19-23: Als es nun Abend war an jenem Tage, dem ersten der Woche, und die
Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam
Jesus und stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! Und als er dies
gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die
Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Friede
euch! Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch. Und als er
dies gesagt hatte. hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den
heiligen Geist! Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben,
welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Wieviele Dinge von geistlicher Bedeutung wurden hier
auf kleinstem Raum zusammengetragen und in der einfachsten Form zum Ausdruck
gebracht! Jener Tag, der zur entsprechenden Zeit seine ihm angemessene Bezeichnung
als "des Herrn Tag" (Offenb. 1,10) annehmen sollte, was für den
Christen ebenso charakteristisch ist wie der Sabbat für den Juden, wurde nicht
nur durch das sich Versammeln der Heiligen gekennzeichnet, sondern auch durch
die Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte. So war es am Anfang der folgenden Woche
(Vers 26); und so hebt späterhin der Geist diesen Tag als den Tag hervor, wo
das Brotbrechen stattfindet (Apg 20,7) und wo die Bedürfnisse der
armen Heiligen in Erinnerung vor Ihm und vor ihnen in den Vordergrund treten
(1Kor 16,2). Es war wirklich göttliche Führung, wenn es auch die Form eines
Befehles annahm; aber es ist um nichts weniger kostbar oder obligatorisch für
alle, die Seine besondere Gegenwart in der Gemeinschaft mit den Seinen und die
Feier Seines Todes, bis daß Er wiederkommt, schätzen. Es war nicht der Tag der
Schöpfungsruhe oder der Einführung des Gesetzes, sondern der Tag der
Auferstehung und der Gnade, der den Gläubigen mit seinen reichen und ewigen
Ergebnissen verband; an diesem Tag kommen alle, die so gesegnet sind, zusammen,
um sich gemeinsam jenes Todes des Herrn zu erfreuen, der der gerechte Grund für
all diese Vorrechte und alles andere ist.
An jenem Tag gab der Herr den versammelten Jüngern
ein deutliches Zeugnis für die Kraft des Lebens in Auferstehung; denn da, wo
sie waren, waren die Türen verschlossen aus Furcht vor den Juden, aber Jesus
kam und stand in ihrer Mitte. In dem natürlichen Leib herrscht Schwachheit, und
er wird, wenn nicht ein Wunder geschieht, von einer Wand oder einer
verschlossenen Tür oder einer Kette oder tausend anderen Hindernissen
zurückgehalten. So ist es nicht bei dem Leib, der in Kraft auferweckt ist, wie
der Herr ihnen hier stillschweigend zeigt. Es scheint, daß es hier und auch
noch weiter unten gezeigt werden soll, daß der auferstandene Leib so eintritt
oder eintreten kann, nicht durch ein Wunder (wie wunderlich es uns auch
erscheinen mag, die wir Dinge nach der gegenwärtigen Verfassung dieses Lebens
betrachten und beurteilen), sondern als etwas Normales aufgrund der Kraft der
Auferstehung, wobei alles wirklich übernatürlich ist. Es besteht hier kein
Grund - sondern vielmehr das Gegenteil -, daß die Türen veranlaßt wurden, sich
selbst zu öffnen. So war es in Apg 5,19, als der Engel die Apostel
Petrus und Johannes aus dem Gefängnis führte; so war es wiederum, als Petrus
zum zweiten Mal befreit wurde (Apg 12,10), wo das eiserne Tor sich
von selbst öffnete, nicht um den Engel einzulassen, der das nicht nötig hatte, sondern um Petrus
herauszulassen. Es ist keine Frage der Allmacht, sondern des auferstandenen
Leibes, der keine offene Tür mehr nötig hat, ebenso wenig wie ein Engel. Die
Alten scheinen in dieser Hinsicht einen weit einfacheren Glauben zu haben als
die ganz Modernen, die damit ihren wachsenden Materialismus heutiger Prägung
verraten. Von philosophischen Schwierigkeiten zu sprechen, ist eine lächerliche
Behauptung: was kennt die Philosophie von der Auferstehung? Es ist eine Frage
von Gott und Seinem Sohn, nicht von bloßen Ursachen und Wirkungen und noch
weniger von Erfahrungen. Der Christ glaubt an das Wort und weiß, was Gott
offenbart. Laß die Philosophie bekennen - nicht sich rühmen -, daß sie nichts
weiß: wenn sie stumm vor der Schöpfung steht, so ist die Auferstehung noch viel
verwirrender für sie.
Jesus kam da und auf diese Weise und stand in ihrer
Mitte und sagte zu den Jüngern: Friede euch! Diesen Frieden hatte Er als Sein
Vermächtnis vor dem Kreuz zurückgelassen; jetzt, als wieder lebendig von den
Toten auferstanden verkündigt Er ihn den Seinen: wie süß ist der Ton in einer
Welt des Krieges mit Gott! Und zwar auf doppelte Weise, wo ernste Seelen ohne
Erfolg danach gestrebt haben, den Frieden für sich selbst mit Gott zu erringen,
wie auch immer sie getrauert, geweint und geseufzt haben, wie auch immer sie
gebetet, gerungen und gekämpft haben, wie auch immer sie sich bemüht haben, das
Böse auszulöschen und dem Guten anzuhangen. Denn solche wissen am besten, daß
das Gewissen und das Herz keinen festen Frieden in Selbstgericht oder in der
Selbstverleugnung, in der Betrachtung Gottes oder in dem eigenen Mühen finden
kann; im Gegenteil, je aufrichtiger sie sind, desto weniger Frieden haben sie.
Sie sind auf einem ganz falschen Weg. Friede für einen sündigen Menschen kann
nur durch das Blut am Kreuze Christi geschehen, was der Glaube an Sein Wort
aufnimmt. Und so sagte der Herr es den Jüngern an jenem Tag, wo das mächtige
Werk, auf dem der Friede sich gründet, vollendet und von Gott angenommen war,
wie Seine Auferstehung bestätigt. "Und als er dies gesagt hatte, zeigte er
ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den
Herrn sahen".
Einige haben angenommen, daß das zweite "Friede
euch!" eine Art Aufwiedersehensagen oder Lebewohlsagen sei, so wie das
erste eine Begrüßung war. So wie das erstere ganz anders war, ja, der tiefe
Segen, der die charakterisiert, die durch Glauben gerechtfertigt sind, und der
immer in der einen oder anderen Form durch das ganze Neue Testament hindurch
auftaucht, so ist das zweite in Verbindung mit der Sendung, in der der Herr
jetzt die Jünger senden will. Sie empfingen erst Frieden für sich selbst; als
nächstes werden sie beauftragt, mit dem Evangelium des Friedens zu anderen zu
gehen. "Gleichwie der Vater mich ausgesandt habe. sende ich auch
euch". Dies sind Christi wahre Gesandte: andere sind nur Diebe und Räuber,
und die Schafe tun gut daran, nicht auf sie zu hören, da sie selbst dem Frieden
fern sind, wie sie selbst nur bekennen können, wie können sie dann anderen von einem Frieden erzählen,
der arme Sünder mit Gewißheit erfüllen kann?
Aber der Herr kommt als nächstes zu einem anderen
höchst bedeutsamen Zeichen des neuen und dauernden Vorrechtes. "Und als er
dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den
Heiligen Geist! Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie
vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten". Es war Der,
Der, bevor Er Menschengestalt annahm, den Odem des Lebens in die Nase von Adam
geblasen hatte. Und jetzt blies Er in die Jünger den Odem eines besseren und
ewigen Lebens, Seines eigenen Lebens, da sie jetzt beide (d.h. Jehova Gott und
der auferstandene zweite Mensch) in einer Person sind. Niemals vorher hatte Er
so etwas getan. Der richtige Augenblick war gekommen, Er war für ihre
Übertretungen überliefert und für ihre Rechtfertigung auferweckt worden. Das
auferstandene Leben ist Befreiung von dem Gesetz der Sünde und des Todes und
ist das leuchtende Zeugnis für eine vollständige Vergebung der Sünden; und das
nicht als eine abstrakte Wahrheit für alle Gläubigen, sondern als etwas, das
beabsichtigt war, von jedem einzelnen erkannt und genossen zu werden.
"Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind.
Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christo Jesu, hat mich frei gemacht
von dem Gesetz der Sünde und des Todes". Vorher, in Röm 7 von Vers 7 an,
lesen wir, wie versucht und geprüft und böse das "Ich" war, bis es
selbst niedersank, um in Christus Gnade zu finden, nicht nur für die
Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart und natürlich für alle Ewigkeit.
Was kann noch intensiver persönlich sein als diese
Befreiung vom Elend? Und was kann noch klarer zeigen, daß es nicht nur ein
neues und göttliches Leben war(sondern dieses Leben war da, nachdem das Gericht
der Sünde und der Fluch des Gesetzes auf Christus gefallen war, nachdem Er
alles für den Gläubigen gerecht auf Sich genommen und hinweggetan hatte und Er
siegreich auferstanden war - so verlieh Er ein Leben, das über Sünde, Gesetz
oder Gericht erhaben ist)?
Dafür war Sein in-sie-Hineinhauchen das Zeichen; und
Er sagte: "Empfanget den Heiligen Geist!" Das war noch nicht der
Geist, Der herabgesandt werden sollte von dem gen Himmel gefahrenen Herrn und
Christus, um sie in einen Leib zu taufen und um Kraft und Zeugnis zu geben,
sondern es war die Kraft Seines eigenen auferstandenen Lebens. Denn der Geist
hat immer in der engsten Weise mit jedem Segen zu tun; und so, wie für das
Reich Gottes jeder von Wasser und Geist geboren ist und keiner sonst jenes
Reich sehen oder in es hineingehen kann, so ist es hier mit dem Leben in der
Auferstehung, das an Seelen wirken soll, die das Evangelium gehört haben und an
es glauben.
Denn dies ist nicht alles.
Den Jüngern, die so befreit waren, wird ein gesegnetes Vorrecht und eine ernste
Verantwortung hinsichtlich anderer auferlegt. Die, die dieses nicht haben,
werden jetzt als Sünder betrachtet, dabei verschwindet die alte Unterscheidung
von Juden und Heiden jetzt in dem wahren Licht. Aber wenn es das Gericht der
Welt ist, so ist es der Tag der Gnade; und die Jünger haben die Verwaltung,
denn der Geist des Lebens in Christus gibt ihnen dazu die Fähigkeit. Deshalb
sagt der Herr: "Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie
vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten". So wurden
bußfertige Seelen zur Vergebung der Sünden getauft, während von dem Zauberer
Simon gesagt wurde, daß er in Galle der Bitterkeit und in Banden der
Ungerechtigkeit sei. So wurde die böse Person von den Heiligen entfernt, und
derselbe Mensch sollte nach dem Urteil über sein Böses und nach seiner eigenen
tiefen Betrübnis über seine Sünde der Liebe durch die Wiederaufnahme in die
Versammlung versichert werden, im Gehorsam und doch die Initiative bei der Handlung
ergreifend, daß es Sache des Gewissens und nicht der bloßen Autorität oder des
Einflusses sein konnte. Es war das Tun der Versammlung. "Wem ihr aber
etwas vergebet, dem vergebe auch ich; denn auch ich, was ich vergeben, wenn ich
etwas vergeben habe. habe ich um euretwillen vergeben in der Person
Christi". Paulus wollte nichts Gezwungenes, sondern ungebrochene
Gemeinschaft in Disziplin: nicht daß er diktieren wollte und sie blind oder in
Furcht folgen sollten, wie es in der Kirchenwelt der Fall ist; sondern sie
sollten der Autorität Christi folgen und auch er sollte das in einer echten
Gemeinschaft des Geistes.
Am Auferstehungstag waren
die Apostel nicht alle gegenwärtig.
Verse
24-25: Thomas aber, einer von den Zwölfen, genannt Zwilling,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir
haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen
Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und
lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.
Sein Seelenzustand paßte zu seiner Abwesenheit an
jenem Tag. Er leistete der segensvollen Nachricht von der Auferstehung
Widerstand und versammelte sich nicht mit den Jüngern, um an der Freude der
Gegenwart des Meisters in ihrer Mitte teilzuhaben. Es fiel ihm schwer zu
glauben, und er verpaßte den frühen Geschmack des Segens und blieb in der
Finsternis seines eigenen Unglaubens, während die übrigen mit Freude erfüllt
waren. Er wird deshalb ein geeignetes Beispiel für den Juden, nicht für die
gottlose Masse, die einen anderen, der in seinem eigenen Namen kommt, aufnimmt,
sondern für den armen betrübten Überrest, der sich an die Hoffnung auf den
Messias zur späteren Zeit klammert und der in die Ruhe und Freude erst dann eingehen
wird, wenn er Ihn sieht, wie Er zu seiner Befreiung erscheint.
Verse
26-29: Und nach acht Tagen waren
seine Jünger wiederum drinnen und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die
Türen verschlossen waren, und stand in der Mitte und sprach: Friede euch! Dann
spricht er zu Thomas: Reiche deine Finger her und sieh meine Hände, und reiche
deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern
gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus
spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast. hast du geglaubt. Glückselig sind,
die nicht gesehen und geglaubt haben!
Das ist ein gesegnetes Bild für die Frucht der
Auferstehung Christi zur letzten Zeit: nicht die Versammlung, sondern die
"große Gemeinde" wird in die unendliche Gnade eingeführt, daß sie den
Herrn erkennt und preist, wenn Er nicht mehr verborgen ist, sondern sichtbar
herrscht. Die von vorher werden das gute Teil erwählt haben, das nicht von
ihnen genommen werden soll - sie sahen nicht und glaubten doch. Israel wird
sehen und glauben: sie werden auch in der Tat gesegnet werden, aber nicht nach
demselben Hohen Maß des Segens. Sie werden nicht eine solche Offenbarung des
Vaters haben, sie werden nicht eine solche Verbindung mit dem Sohn haben und
kein bewußtes Band mit dem Himmel durch Seine Himmelfahrt. Der Verworfene wird
wiedergekommen sein, um in Macht und Herrlichkeit zu herrschen; und das Herz
Israels, das so lange dürr und dunkel gewesen war, soll endlich erleuchtet
werden mit dem Glanz ihrer erfüllten Hoffnung in der Gegenwart des Herrn, Der
jede Verheißung einlosen will, wenn sie sich ihrerseits nicht mehr ihrer
eigenen Gerechtigkeit rühmen, sondern sich auf den Grund der Gnade stellen, die
in Ewigkeit währt. Sie erkennen den Richter Israels, Dem sie mit einem Rohr ins
Gesicht geschlagen haben, und sie erkennen, daß sie Ihm ausgeliefert sind bis
zum Anfang von Gottes großem endgültigen Ratschluß in ihrer Hinsicht, wenn Er
groß sein wird bis zu den Enden der Erde und sie wie ein Tau des Segens von
Jehova inmitten der Nationen sein werden und wenn alle ihre Feinde vernichtet
werden. "Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden
über ihn wehklagen", in der Bitterkeit der Selbstanklage, aber auch
erfüllt von einem Geist der Gnade und der Anbetung. Denn gewiß wurde Er in dem
Hause Seiner Freunde verwundet, aber Er wurde verwundet (wie sie später lernen)
für ihre Übertretungen, Er wurde um ihrer Missetaten willen, für die Sünden des
Volkes Jehovas zerschlagen. (Siehe Mich. 5; Sach 12 und Jes 53). Deshalb
hören wir hier nichts davon, daß der Herr wegen Seiner Auffahrt zu Seinem Vater
nicht angerührt werden darf, und wir hören auch nichts von dem
zu-Seinen-Brüdern-Gehen und
zu-ihnen-Sprechen: "Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu
meinem Gott und eurem Gott". Im Gegenteil, die Gnade will sich zu denen
herablassen, die nach Zeichen verlangten, bevor sie glauben wollten; und sie
werden überwältigt und beschämt da stehen bei der Fülle der sichtbaren Beweise,
wenn der Messias hier unten wiederkommt.
Es gibt Frieden für sie; "denn dieser wird"
auch an jenem Tag "der Friede sein", wie groß auch immer der Stolz
und die Macht des Feindes ist. Aber es wird nicht dieselbe Sendung des Friedens
in der Macht Seines auferstandenen Lebens geben; alle ihr Schuld wird vergeben,
alle ihre Krankheiten werden geheilt, aber sie haben nicht den Platz der
Versammlung, um Sünden zu vergeben oder zu behalten im Namen des Herrn.
Deshalb lautet der charakteristische Ausruf und das
Bekenntnis des Thomas: "Mein Herr und mein Gott!". So wird Israel in
dem Reich sprechen. "Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser
Gott, auf den wir harrten, daß er uns retten würde; da ist Jehova, auf den wir
harrten. Laßt uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!" Es ist die
Wahrheit, und es ist der wahre Segen für Israel, dies zu besitzen und
segensvoll anzuerkennen, besonders für die, die Ihn so lange zu ihrer eigenen
Schande und zu ihrem eigenen Verderben verachtet hatten; aber das hat nicht die
Innigkeit jener Gemeinschaft, zu der der Christ jetzt berufen ist, "Unsere
Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesus Christus".
"Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen"; und obwohl wir
Christus nicht gesehen haben, lieben wir Ihn, "an welchen glaubend,
obgleich ihr ihn jetzt nicht sehet, ihr mit unaussprechlicher und
verherrlichter Freude frohlocket".
Hier unterbricht der Evangelist, wie es gelegentlich
seine Art ist, für einen Augenblick den Faden der göttlichen Erzählung, um
etwas über die gnädige Art des Erlösers zu sagen, Zeichen und wunderbare Dinge
im Überfluß zu geben, die Seinen Dienst hier unten begleiteten, ebenso wie er
etwas sagen will über die Absicht des Segens, die der Heilige Geist im Auge
hatte, indem aus dieser unendlichen Zahl solche ausgewählt wurden, die am
meisten für das bleibende Zeugnis zur Gnade Gottes geeignet waren. Zwei Ziele
werden dargelegt: erstens und in erster Linie die Herrlichkeit der Person des
Herrn, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist; und zweitens daß der
Gläubige in Seinem Namen Leben haben kann.
Verse
30-31: Auch viele andere Zeichen hat
nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben
sind. Diese aber sind geschrieben, auf daß ihr glaubt, daß Jesus der Christus
ist, der Sohn Gottes, und auf daß ihr glaubend Leben habet in seinem Namen.
Ohne Zweifel war dies ein passender Moment, um hier
haltzumachen und so etwas zu sagen. Der Unglaube eines Gläubigen, ja, eines
Apostels, war der Anlaß dafür, wo der Herr haltgemacht hatte, um seinem
irrenden Diener durch sichtbare Zeichen und fühlbare Beweise, auf denen dieser
in seiner Torheit und zu seinem nicht wiedergutzumachenden Verderben, wenn die
Gnade nicht eingegriffen hätte, wie wir gesehen haben, bestanden hatte, zu
begegnen und ihn anzunehmen. Es war ein unschätzbarer Vorteil, die Dinge
gesehen zu haben, die die Jünger sahen. Es ist aber noch besser, ohne zu
schauen zu glauben. Und die Gnade wollte für die, die der Natur nach nicht
sehen konnten, versorgen, damit sie auch hören und leben konnten. Das ist der
Grund für das Schreiben dieses kostbaren Buches. Es sollte ein Zeugnis für
Jesus sein; es sollte von allen Menschen gekannt und gelesen werden. Nicht daß
jene Schrift jemals ihr wunderbares Thema erschöpfend behandelt, was auch immer
es sein mag; und hier vor allem ist das Thema in der beschriebenen Person so
unendlich, wie der Segen für die, die glauben, auch ewig ist. Gott wählt in
Seiner Gnade einige Zeichen aus den vielen aus, in Seiner überlegten Güte, die
genau weiß, was wir ertragen können. Denn wenn die Schrift Sein Wort ist, so
ist sie den Menschen, auch uns, die wir glauben, zu dem Zweck gegeben, daß wir
uns jenes Lebens in Seinem Sohn erfreuen, weil es der tiefste Segen ist, den Er
geben konnte, die Mitteilung von jener Natur, die, da sie von Gott kommt, immer
zu Ihm hin geht, ja, die die Gemeinschaft mit dem Vater und mit Seinem Sohn
Jesus Christus, unserem Herrn, gibt.
Aber so wie der erhabene Prüfstein, der Prüfstein des
Kreuzes, jetzt die Person Jesu Christi als ins Fleisch gekommen (1. Joh 4, 2
u. 3) ist, so ist damit das göttlich gegebene und bewahrte Zeugnis für die
Gnade Gottes und die Herrlichkeit Christi verbunden, womit die Familie Gottes,
so schwach sie auch sein mag, die feindliche Macht der Welt und ihres Fürsten
überwinden kann. Denn Der, Der in ihnen ist, ist größer als der, der in der
Welt ist. Und diejenigen, die von Gott sind, sind taub für solche, die von der
Welt sind und reden, wie von der Welt, und die von der Welt gehört werden; aber
haben sie niemand, auf den sie besonders hören sollen? Gott sei Dank, sie
kennen Gott, und sie hören auf die, die von Gott sind, auf Seine auserwählten
Zeugen, die der Heilige Geist in die ganze Wahrheit leiten sollte und es auch
tat, und die zur gegebenen Zeit "dieses Buch" schrieben, wie andere
außer Johannes, die nicht weniger für das Werk inspiriert waren. Auf der
anderen Seite hören die, die nicht von Gott sind, nicht auf die Apostel, sie
bevorzugen ihre eigenen Gedanken oder die Gedankengänge von anderen Menschen zu
ihrem unheilbaren Verderben. "Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit
und den Geist des Irrtums".
Nach dieser kurzen, aber wertvollen und gnädigen
Unterbrechung wendet sich der Evangelist zu der "dritten" (Kap.
21,14) der großen Offenbarungen des auferstandenen Jesus, die zu beschreiben,
es seine Aufgabe war, bevor er mit den beachtlichen und besonderen Plätzen
endet, die der Herr Petrus und Johannes in ihrem Dienst hier unten geben
wollte. Man könnte es für unbegreiflich halten, wenn es nicht eine positive
Tatsache wäre, daß irgendwelche Leute von Einsicht sagen können, daß unsere
beiden Verse, die Kapitel 20 abschließen, ein formeller Abschluß des
Evangeliums seien. Grotius scheint der erste gewesen zu sein, der einer
Mutmaßung Ausdruck verlieh und sie genau definierte, die mit der klaren
Verbindung der ersten beiden Tage der Woche und mit der Szene, die in Kapitel
21 folgt, unvereinbar ist: unvereinbar gerade im Verhältnis zu dem wahren
Verständnis des Evangeliums als ganzes. Das moderne Deutschland nahm diese und
andere lästerliche Erkenntnisse jenes gelehrten Holländers an, nicht nur Ewald,
Lücke und Tholuck, sondern sogar Meyer, Neander und Stier. Es ist schmerzlich
hinzuzufügen, daß Alford, Scrivener, Westcott etc. der unverlangten Theorie
nachgegeben haben, daß Johannes 20 ursprünglich das Evangelium beendet habe und
daß Kap. 21 ein späterer Anhang aus der eigenen Hand des Apostels sei, obwohl
auch viele noch weiter gehen und es ihm überhaupt absprechen.
Wenn wir uns in die Einzelheiten des abschließenden
Kapitels vertiefen, wird es uns möglich, noch mehr zu zeigen, wie unbegründet
dieser Gedanke ist. Inzwischen genügt es, hier kurz den Irrtum herauszustellen,
die beiden Verse, die wir eben gerade vor uns hatten, als das wahre Ende zu
betrachten. In Wirklichkeit sind sie ein lehrreicher Kommentar nebenbei, nicht
ohne einen Blick auf die Zeichen, die durch den Herrn die ganze Zeit gewirkt
wurden, aber mit der besonderen Erklärung der Absicht Gottes zur Ehre Christi
und zum Segen des Gläubigen, wozu er durch den Fall des Thomas veranlaßt wurde
- er vermeidet es jedoch feinfühlig, irgendwie direkt auf einen so von dem
Herrn Geehrten anzuspielen -. Es wäre wirklich ebenso wahr zu sagen, daß unser
Evangelist mehr als einmal in Kap. 1 angefangen hat, wie daß man zugibt, daß es
mehr als ein Ende in den Kap. 20 und 21 gibt. Wenn Menschen also in der Tat von
oberflächlichen Erscheinungen her urteilen, wäre es noch einleuchtender zu
folgern, daß es zwei, wenn nicht sogar drei Ergänzungen zum Römerbrief gibt.
Auch fehlt es nicht an Kapazitäten, die die Worte vom Ende des Kap. 16 an das
Ende von Kap. 14 stellen. Doch soll in Zweifel gestellt werden, ob die
Hypothese dort so unnatürlich ist, wie es hier unnatürlich sein würde, die
dritte Offenbarung des Herrn in der Auferstehung von den zwei, die ihr
vorausgehen, zu trennen oder sogar die letztere als eine spätere Hinzufügung
anzusehen, denn sie ist für die Vollständigkeit des Bildes notwendig. Sie ist
die wahre Abrundung. In keiner Weise ist sie (wie Menschen gedacht haben) eine
bloße Ergänzung, denn sie bildet einen wesentlichen Teil eines organischen
Ganzen; ebenso wie Kap. 2, 1-22 als eine Folge von Kap. 1 anzusehen ist und
niemals mit Recht davon getrennt werden konnte, wie ein Hintergedanke erst
kürzlich von derselben Seite her vorhatte.
Mr. J.B. McClellan ist in seinem "Neuen
Testament" (l. 744-747) eine rühmliche Ausnahme für die Vorstellungen
seiner Zeit, die gesunde Kritik subjektiven Gedanken unterordnet. Auf der einen
Seite ist die äußere Autorität voll und unanfechtbar; auf der anderen Seite ist
die Besonderheit der Art des Evangelisten niemals richtig von irgendeinem in
Betracht gezogen worden, der die Annahme von dem Anhang bejaht hat. Johannes
wurde von dem Geist so geleitet, daß er von Zeit zu Zeit einen Ausdruck seines
Herzens über das zwischenschob, was Seinen göttlichen Meister im guten oder
bösen betraf, oder über das Zeugnis, das in Seinen Worten, Seinem Wegen und in
den Zeichen, die alles wie hier begleiteten, gegeben wurde. Alles, was darüber
hinausgeht, ist eine unechte Folgerung, die Kapitel 21 aus seinem richtigen
Platz herauslöst. Wie unehrenhaft ist es für die prahlerischen modernen
Kritiker, daß sie zulassen, daß ihre eigenen Gedanken ihnen davonlaufen
angesichts der überwältigenden Autorität und der übereinstimmenden Zeugen! Auch
ist dies nicht alles. Denn der wahre innere Beweis ist entscheidend für die
Fortsetzung des Textes, so wie er da steht, denn das Kapitel, das jetzt folgt,
ist notwendig, um den Umfang dieses Evangeliums im allgemeinen und besonders
die Tragweite von dem, was im letzteren Teil von Kap. 20 begann, abzurunden.
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