Kurzbiographie von William
Kelly
Kapitel 6
Unser Evangelium berichtet uns jetzt das große Wunder oder vielmehr Zeichen,
das allen vier Evangelien gemeinsam ist; und das, wie immer hier, als
Einleitung zu der folgenden Rede - Christus, fleischgeworden und im Tod, das
Brot ewigen Lebens für die, die an Seinen Namen glauben. Hier ist es der Sohn
des Menschen erniedrigt und gen Himmel gefahren, wie in Kap. 5, der Sohn
Gottes, der die lebendig macht, die hören, und der nachher als Sohn des
Menschen die richten wird, die nicht glauben.
"Nach diesem ging Jesus weg auf
die andere Seite des Sees von Galiläa oder von Tiberias; und es folgte ihm eine
große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus
aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es
war aber das Passah nahe, das Fest der Juden. Als nun Jesus die Augen aufhob
und sah, daß eine große Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher
sollen wir Brote kaufen, auf daß diese essen? Dies sagte er aber, ihn zu
versuchen; denn er selbst wußte, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm:
Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, auf daß ein jeder etwas
weniges bekomme. Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon
Petrus, spricht zu ihm: Es ist ein kleiner Knabe hier, der fünf Gerstenbrote
und zwei Fische hat; aber was ist dies unter so viele?" (Verse 1-9)
Die Szene hat sieh von Jerusalem ganz
verschoben. Wir sehen den Herrn in Galiläa, und zwar an jenem Teil des Sees,
der von der Stadt Tiberias her benannt wird und von der Provinz her, die an die
westliche Seite angrenzt. Eine große Menge folgt Ihm wegen der Zeichen, die Er
an den Kranken wirkte. Der Herr zieht Sich in das Hochland zurück, wo Er mit
Seinen Jüngern sitzt. Das Passahfest war nahe. Wir finden hier keines der
Motive, wie die Synoptiker sie erwähnen: weder die Enthauptung von Johannes dem
Täufer, noch die Rückkehr der Apostel von ihrer Aussendung, noch die
Notwendigkeit der Ruhe nach Anstrengungen beim Lehren oder anderem Werk. Jesus
füllt das Bild aus: alles ist in Seiner Hand. Er ergreift die Initiative; nicht
daß die Jünger nicht vorher verwirrt wurden, noch, als ob Johannes dies nicht
genauso gut wie Matthäus und die übrigen gewußt hätte, sondern weil es dem
Heiligen Geist gefiel, uns Christus Selbst als alleinigen Meister der
Situation, wie überall in diesem Evangelium, zu zeigen. Das Herannahen des
Passahfestes wird erwähnt, wie wiederholt in diesem Evangelium. Hier war auch
wiederum der Grund dafür, daß die Rede, die folgt, ebenso wie das gewirkte
Zeichen, auf der Grundlage des Essens und Trinkens als Zeichen der Gemeinschaft
ruht, "Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, daß eine große Volksmenge
zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, auf daß
diese essen?" Der Evangelist jedoch ist um Seine Herrlichkeit besorgt, und
er variiert keine Zeit, uns wissen zu lassen, daß es nicht aus Unsicherheit des
eigenen Geistes heraus geschah, sondern daß Philippus geprüft werden sollte: Er
wußte, was Er tun wollte. Trotzdem wartet Er die verzweifelten Worte von
Philippus' Mitgenosse Andreas ab, und Er wollte jetzt alle lehren, was Seine
gnädige Macht mit dem Geringen und Verachteten zu tun beliebt, und sei es für
die größte Not. Der Bruder von Simon Petrus, der noch vor dem Bruder da gewesen
war und den Messias gesehen hatte, konnte an einen kleinen Jungen mit fünf
Gerstenbroten und zwei Fischen denken, aber nicht an Jesus. Und wo war Petrus?
wo Johannes, der Jünger, welchen Er lieb hatte? Nirgends, was den Glauben
angeht. Das Fleisch kann wirklich in Seiner Gegenwart nicht frohlocken.
Laßt uns zu dem Einen zurückkehren, über Den wir frohlocken dürfen und sollen,
wobei wir den Vater ehren, wenn wir Ihn ehren.
"Jesus [aber] sprach: Machet,
daß die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Orte. Es lagerten sich
nun die Männer, an Zahl bei fünftausend. Jesus aber nahm die Brote, und als er
gedankt hatte, teilte er sie denen aus, die da lagerten; gleicherweise auch von
den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber gesättigt waren, spricht er zu
seinen Jüngern: Sammelt die übriggebliebenen Brocken, auf daß nichts umkomme.
Sie sammelten nun und füllten zwölf Handkörbe mit Brocken von den fünf
Gerstenbroten, welche denen, die gegessen hatten, übrigblieben. Als nun die
Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der
Prophet, der in die Welt kommen soll. Da nun Jesus erkannte, daß sie kommen und
ihn ergreifen wollten, auf daß sie ihn zum König machten, entwich er wieder auf
den Berg, er selbst allein." (Verse 10-15).
Man muß fürchten, daß, so erbärmlich auch
die Einsicht der galiläischen Volksmenge war, sie die Bedeutung dieses großen
Zeichens besser verstanden als die Christenheit der letzten siebzehn hundert
Jahre. Sie waren ohne Zweifel dumpf genug, was ihre tiefste Not angeht, und sie
schätzten die Gnade des Heilands in Niedrigkeit und in der Erlösung nicht, was
nachher in der Rede, die folgt, von Ihm herausgestellt wird; aber sie hatten
einige nicht ganz unrichtige Gedanken, wenn auch menschlich und kurzsichtig
genug, über das Reich, das Gott hier unten aufrichten will. Jetzt und viele
Jahrhunderte lag gibt sieh die Theologie in einer Art mystischem Traum dem
Gedanken hin, daß das Evangelium oder die Kirche das Reich Christi ist, während
Sein Reich der Gnade am Ende Sein Reich der Herrlichkeit sein wird« Aber sie
denken nicht an Sein Kommen in dem Reich, das Er empfangen haben wird, wo nicht
Israel allein, sondern alle Völker, Nationen und Sprachen Ihm dienen sollen;
und dies auch als ewiges Reich, das nicht vergehen wird, und als Sein Reich,
das nicht vernichtet werden wird. Ein zweifacher Irrtum, der die Einheit des
Leibes Christi, der Versammlung, mit ihrem verherrlichten Haupt in der Höhe
fallen läßt und die Gnade und Treue Gottes Israel gegenüber ableugnet, während
Israel doch das auserwählte Zentrum der irdischen Pläne Jehovas für das Reich
ist, wenn wir, in die Gleichheit der Herrlichkeit Christi verwandelt, zusammen
mit Ihm regieren werden.
Die Menge war von der Vollbringung dieses neuen und krönenden Zeugnisses bzw.
Zeichens ergriffen. Sie hatten bis jetzt ihre Hoffnungen noch nicht fallen
gelassen. Sie wußten, daß Jehova Zion erwählt hat; daß Er es zu Seiner
Wohnstätte begehrt hat; daß Er seine Speise reichlich segnen wird und seine
Armen mit Brot sättigen wird (PS. 132). War nicht Er, Der jetzt diese Kraft
Jehovas offenbarte, der verheißene Sohn Davids, Den Jehova auf Seinen Thron
setzen wird? Das war ihre Schlußfolgerung. "Dieser ist wahrhaftig der
Prophet, der in die Welt kommen soll". Sie verbanden also das Gesetz, die
Psalmen und Propheten in ihrem Zeugnis für den Messias; und soweit hatten sie
ganz recht. Aber nicht in ihrem Wunsch, den der Herr kannte. Ihn zu drängen,
ihr König zu sein. Denn das würde in keiner Weise das Reich Gottes sein,
sondern das Reich des Menschen, nicht das Reich vom Himmel, sondern von der
Erde. Nicht so: wie Er Selbst sie später lehrte, war Er im Begriff, in ein
fernes Land zu gehen, um für Sich ein Reich zu empfangen und zurückzukommen.
Bis dahin wird das Reich Gottes nicht erscheinen.
Bis dahin geht es für uns um Gerechtigkeit und Frieden und Freude in dem
Heiligen Geist, und das Reich ist nicht in Worten, sondern in der Kraft, die
dem Glauben bekannt, aber die noch nicht offenbart wurde. Aber das wird nicht
immer verborgen sein wie jetzt und wird auch nicht der Bereich rein geistlicher
Kraft bleiben. Christus wird in Seinem Reich kommen und herrschen, bis Er alle
Feinde unter Seine Füße gelegt hat, nachdem Er von Jehova gefordert hat, Der
Ihm die Heiden zum Erbteil und die Enden der Erde zum Besitztum geben wird. Es
wird dann nicht, wie jetzt, um geduldiges Wirken durch das Evangelium gehen,
sondern um das Zerschmettern der Nationen mit einem eisernen Stab und ihr in
Stücke Zerschmeißen wie ein Töpfergefäß.
Entweder greift der Unglaube dem Reich vor, indem er danach strebt, es jetzt
durch den Willen von Menschen aufzurichten, oder er lebt daran vorbei für eine
Täuschung menschlichen Fortschritts, ohne einen Gedanken an Gottes Ratschluß,
es durch Christus, den Zweiten Menschen, aufzurichten, wenn das erste gerichtet
ist. In der Zwischenzeit wartet der Glaube geduldig darauf. So wandte Sich der
Herr ab und entwich auf den Berg - dieses Mal Er Selbst allein. Es war das Bild
für das, was gegenwärtig wahr ist. Als Prophet anerkannt, lehnt Er es ab, König
des Menschen zu sein und geht nach oben, um Sein Mittleramt auszuüben, wie Er
es jetzt tut, der große Priester in der Gegenwart Gottes.
Aber der Herr gewährt gerade dem Volk, das bald darauf um ein Zeichen bittet,
damit sie sehen und glauben können, ein weiteres Zeichen (Vers 30). So blind
ist der Mensch, selbst wenn die Gnade diese Hilfen für die, die es wahrnehmen,
vervielfältigt! Unterwerfung gegenüber Gott war das, was wirklich gebraucht
wurde, und keine Zeichen mehr.
"Als es aber Abend geworden
war, gingen seine Jünger hinab an den See; und sie stiegen in das Schiff und
fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und
Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen; und der See erhob sich, indem ein
starker Wind wehte. Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien
gerudert waren, sehen sie Jesum auf dem See wandeln und nahe an das Schiff
herankommen, und sie fürchteten sich. Er aber spricht zu ihnen: Ich bin's,
fürchtet euch nicht! Sie wollten ihn nun in das Schiff nehmen, und alsbald war das
Schiff an dem Lande, zu welchem sie hinfuhren." (Verse 16-21)
Wie auffallend ist der Gegensatz zu einein
anderen Sturm auf dem gleichen See, wo die Wellen in das Schiff schlagen, so
daß es jetzt voll Wasser war, und wo Er an Bord war, aber schlafend, und die
Jünger Ihn weckten mit dem selbstsüchtigen und ungläubigen Schrei: Lehrer,
liegt dir nichts daran, daß wir umkommen? und Er stand auf und bedrohte den
Wind und sprach zu dem See: Schweig! und beide gehorchten dem Schöpfer aller
Dinge, Den der Mensch allein verachtet hat, weil Seine Liebe Ihn um Diener
aller zur Verherrlichung Gottes gemacht hat.
Hier ist es das Bild des Volkes des Herrn, während Er Selbst in der Hohe ist.
Sie sind den Stürmen ausgesetzt, die der Feind zu erregen weiß, und trotz
großer Mühe gibt es wenig Fortschritt. So wird es auch bei denen sein, die uns
am Ende dieses Zeitalters folgen. Sie werden unsagbare Prüfungen schlimmster
Art mit geringem Trost oder sogar geringer Erkenntnis erleben, außer verglichen
mit "den Bösen", die in jener Zeit am allerwenigsten (müssen wir
vielleicht hinzufügen) verstehen werden. Die Finsternis wird schon
hereingebrochen sein, aber mitten in ihren immer stärker werdenden Plagen wird
Jesus erscheinen, obwohl sie nicht einmal dann von ihrer Furcht befreit werden,
denn das herrliche Licht wird die Furcht vielmehr noch erhöhen, bis sie Seine
Stimme hören und erkennen, daß Er wirklich ihr Heiland ist, der solange weg
war, aber jetzt wiedergekommen ist. Nachdem Er in das Schiff aufgenommen ist,
sorgt Er dafür, daß es sofort den gewünschten Hafen erreicht. So wird es später
mit dem gerechten Überrest sein. Ob für sie oder für uns, alles wendet sich zu
Christus hin; und dies deutlich zu machen, ist die besondere Aufgabe unseres
Evangeliums.
Matthäus, der allein bestimmt die Versammlung nennt als diejenige, die jetzt
den Platz des nach der Verwerfung des Messias verstoßenen Volkes einnimmt,
zeigt uns allein, wie Petrus das Schiff verläßt, um auf dem Wasser zu Jesus hin
zu gehen, um da zu wandeln, wo nichts als der Glaube Halt geben konnte und wo
wir ihn deshalb bald im Unglauben sinken sehen; aber der Herr hält ihn, trotz
allem, in Seiner treuen Fürsorge. Erst, als das Schiff betreten wird (die
eigentliche jüdische Stellung), legt sich der Wind, und Er wird mit all Seiner
wohltuenden Kraft am Land willkommen geheißen, wo sie Ihn einmal ersucht
hatten, aus ihrem Gebiet fortzugehen. (Matth. 14)
Unser Evangelist jedoch zeigt diese irdischen Segnungen nicht auf, die auf
"jenen Tag" warten, sondern er wendet sich zu den Umständen und
Fragen, die dem Herrn für die wundervolle folgende Rede Gelegenheit geben. Er
hängt seiner Aufgabe an, die Gnade und Wahrheit zu offenbaren, die durch Jesus
Christus geworden sind.
"Des folgenden Tages, als die
Volksmenge, die jenseits des Sees stand, gesehen hatte, daß daselbst kein
anderes Schifflein war, als nur jenes, in welches seine Jünger gestiegen waren,
und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff gestiegen, sondern seine
Jünger allein weggefahren waren (es kamen aber andere Schifflein aus Tiberias
nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der Herr gedankt hatte), da
nun die Volksmenge sah, daß Jesus nicht daselbst sei, noch seine Jünger,
stiegen sie in die Schiffe und kamen nach Kapernaum und suchten Jesum. Und als sie
ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du
hierhergekommen? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Ihr suchet mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr
von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid. Wirket nicht für die
Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben,
welche der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott,
versiegelt. Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, auf daß wir die Werke
Gottes wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes,
daß ihr an den glaubet, den er gesandt hat. " (Verse 22-29).
Die Einzelheiten, die hier berichtet werden,
dienen dazu, zu zeigen, wie erstaunt die Menge über das geheimnisvolle
Verschwinden des Herrn war. Sie wußten, daß Er die Jünger nicht in ihrem Schiff
begleitet hatte und daß es kein anderes Boot gab, in dem Er den See überquert
haben könnte, nachdem Er von dem Berg herabgekommen sein mußte. Sie brachten
ihre Neugierde hinsichtlich Seiner Art der Seeüberquerung als einen Deckmantel
für ihren Wunsch vor, von Seiner wundersamen Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu
profitieren, wie sie es schon getan hatten. Der Herr beraubt sie in Seiner
Antwort ihres Vorwandes und konfrontiert sie mit ihrer eigenen Selbstsucht.
Dies Spornte sie zu ihrer Suche nach Ihm an, und nicht ihr Interesse an den
Zeichen, die Er gerade gewirkt hatte. Er leitet ihre Bloßstellung mit der
Formel für ungewöhnliche Feierlichkeit ein, die Er Sich für die Aussage großer
Wahrheiten vorbehielt. "Rabbi", sagten sie, "wann bist du
hierhergekommen?" Sie hatten nach Jesus gesucht; sie hatten sich Mühe
gegeben. Ihn zu finden; nachdem sie Ihn gefunden haben, reden sie Ihn mit
Ehrerbietung an; aber sie machen durch ihre Frage kund, daß nicht Er Selbst sie
anzog und auch nicht die Zeichen, die Er gewirkt hatte. Es war kein Glaube in
ihren Herzen, sondern Neugierde über die Zeit und die Art Seines Kommens, und
im Grunde der Wunsch nach gegenwärtiger Erleichterung durch Ihn. Sollte der
Sohn Gottes hier all dieses befriedigen?
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr
suchet mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten
gegessen habt und gesättigt worden seid". Hier sucht der Herr die, die auf
der Suche nach Ihm waren, zu erforschen, und Er erforscht sie durch und durch,
denn eine einzelne Handlung, die schön zu sein scheint, kann einen hohlen und
niedrigen Charakter beweisen. Und Er sah auf und lauschte und vertraute Sich
ihnen nicht an, weil Er alle kannte und nicht bedurfte, daß jemand Zeugnis gebe
von den Menschen, denn Er Selbst wußte, was in dem Menschen war.
Ihn zum König zu machen, um Seine versprochenen irdischen Begünstigungen zu
genießen, war nichts in Seinen Augen, ja, es verlangte danach, daß Er sie vor
ihnen selbst völlig bloßstellte, Es ging jetzt nicht um den Messias für Israel,
sondern um einen Heiland für Sünder. Er wurde als der Christus von denen
verworfen, die am meisten Grund gehabt hätten, Ihm mit Freude zuzujubeln, die
das aber nicht taten, weil Sein Kommen, so wie es war, von ihnen und ihrer
Religiosität nichts machte, d.h. alles, was ihnen wertvoll war, hatte dabei
keine Bedeutung, Und wenn diese arme hungrige Menge ganz anders zu fühlen
schien und verlangte. Ihm die Ehre zu geben, die Ihm zustand, so war es nötig
zu zeigen, daß sie nicht die Spur besser waren, sondern ihr eigenes Wohl
suchten, und nicht Gottes Verherrlichung in Ihm. Er war wirklich in eine Welt
des Todes, über der das Gericht schwebte, gekommen, damit die ärmsten Sünder
Ihn aufnehmen und ewig leben könnten: was dachten sie an Seine klebe oder
kümmerten sich darum? Sie dachten nur an sich selbst in ihrer Art, genau wie
die Herrscher und Lehrer in ihrer Art. Gott hatte in keinem ihrer Gedanken
einen Platz. Hochstehend oder niedrig, sie hatten kein Empfinden ihrer Sünden
oder ihres Verderbens, und keine Erkenntnis Gottes oder Seiner Gnade. Ein
Messias für zeitliches Wohl war das, was sie wünschten, nicht einen Jesus, Der
Sein Volk von Reinen Sünden retten wollte. Aber der Messias als göttliche
Person konnte nicht anders, als ihre Entfremdung und Entfernung von Gott offen
darzulegen; und so wurde Er immer mehr verhaßt, bis ihr Haß am Kreuz endete.
Dies machte die tiefe Absicht der Gnade klar, Ihn in die Welt zu senden, nicht
für Israel allein, sondern damit wir, wenn Er jetzt von ihnen verworfen ist,
durch Ihn leben könnten und damit Er eine Sühne für unsere Sünden sei.
Deshalb fügt Er hinzu: "Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern
für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben. welche der Sohn des Menschen
euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott versiegelt". Es ist nicht
die Rede von messianischer Ehre oder Segnung, sondern von dem, was der Sohn des
Menschen zu geben hat; und so wie Er die Speise gibt, die ins ewige Leben
bleibt, so braucht der Mensch nicht weniger als das. Als solchen hat Gott der
Vater Ihn versiegelt. Abmühen wird nicht genügen, auch nicht irgendeine
scheinheilige Frömmigkeit. Der erniedrigte Messias, der Sohn des Menschen, ist
nicht weniger Gottes Gegenstand, den Er mit dem Heiligen Geist versiegelt, als
Er der Geber der einzigen Speise ist, die ins ewige Leben bleibt und nichts
Geringeres kann der Not des verlorenen Menschen gerecht werden, sei er Jude
oder Heide.
Aber der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, und er
kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. Deshalb mißverstehen
sie die Ermahnung des Herrn "Wirket nicht für die Speise, die vergeht,
sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben" und folgern daraus
ihre eigene Fähigkeit, etwas für Gott Annehmbares zu bewirken. "Da
sprachen sie zu ihm? Was sollen wir tun, auf daß wir die Werke Gottes wirken?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen; Dies ist das Werk Gottes, daß ihr an den
glaubet, den er gesandt hat:". Jesus ist der Gegenstand des Glaubens. An
Ihn zu glauben, ist das einzige Werk für einen sündigen Menschen, wenn es ein
Werk genannt werden soll. Es ist wirklich Gottes Werk, denn der Mensch vertraut
nicht darauf und lehnt es ab, auf Ihn für das ewige Leben zu trauen. Er würde
eher auf sein eigenes böses Werk trauen oder seine eigene elende Erfahrung -
auf alles eher als auf Jesus allein. Aber Gott wird es den Menschen nicht
erlauben, das Eigene mit Jesus zu vermischen, sei es etwas eingebildetes Gutes
oder etwas bekann t erweise Schlechtes des. eigenen Ichs. Den Sohn des Menschen
hat der Vater versiegelt, und Ihn allein kann Er als Grundlage für das
Herannahen des Sünders zu Gott annehmen. Ihn allein empfiehlt Er als die
Speise, die ins ewige Leben bleibt. Dazu hat Er Ihn gesandt, nicht daß die
Menschen Ihn zum König über ein Volk machen, dessen Sünden nicht entfernt
werden, sondern damit Er das wahre Passahlamm sei und die einzig« Speise, die
Er rechtfertigt. Der Glaube ist jedoch der einzige Weg, wie man Ihn genießen
kann; nicht aus den Werken heraus, sonst müßte es über das Gesetz geschehen und
nur für die Juden allein sein. Im Gegenteil; es ist durch Glauben, daß es der
Gnade entsprechend sei und so für die Heiden genauso offen stehe wie für die
Juden. Es ist wahr, daß es ist nicht die Art von Menschen ist, sondern das Werk
Gottes, daß wir an Ihn glauben, Den Er gesandt hat.
Die Menge war nicht so unwissend, daß sie nicht wußte, daß der Herr keinen
unbedeutenden Platz forderte, als Er von Sich als dem Sohn des Menschen sprach.
Die Psalmen und die Propheten hatten von solch Einem gesprochen und von Seiner
großen und erhabenen Herrlichkeit. Außerdem hatte Er ihnen gerade, anders als
das alttestamentliche Zeugnis, gesagt, daß der Sohn des Menschen der Geber der
Speise ist, die ins ewige Leben bleibt, und daß der Vater, ja, Gott, Ihn
versiegelt habe. "Sie sprachen zu ihm: Was sollen wir tun, auf daß wir die
Werke Gottes wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk
Gottes, daß ihr an den glaubet, den er gesandt hat". So machen sie von
neuem, wie Er so klar sprach, die uralte Anmaßung des Menschen in jedem Stand,
Alter und Land, deutlich, daß der gefallene Mensch fähig sei, die Werke Gottes
zu bewirken. Sie kennen ihre eigene Sünde, Seine Heiligkeit und Seine Majestät
nicht. Es war die Art Kains; und die bekennende Christenheit ist ebenso davon
verseucht wie das Judentum oder Heidentum, Es ist die allumfassende Lüge des
Menschen, bis der Heilige Geist ihn zur Buße bringt. Denn, im neuen Leben,
empfindet und richtet er das alte und findet, wie wir in Röm. 7 sehen, daß es
nicht um Werke geht, sondern um das, was man selbst ist, und daß es da keine
Hilfe für den Menschen gibt außer der Befreiung von allem, und zwar durch den
Glauben, in Christus. So antwortet der Herr hier, daß es das Werk Gottes ist,
daß sie an Ihn glauben sollen, Den Er gesandt hat. Ähnlich überlegt der Apostel
in Röm. 4, daß, wenn Abraham durch Werke gerechtfertigt worden wäre, er Grund
gehabt hätte, sich zu rühmen, aber nicht vor Gott, von Dem das ablenken würde.
Die Schrift hütet sich vor irgendeinem solchen Mißverständnis und sagt klar,
daß er an Gott glaubte, was ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. Der
Grundsatz ist deshalb deutlich: dem, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade
zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit; während dem, der nicht wirkt, sondern
an Den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, sein Glaube zur Gerechtigkeit
gerechnet wird. Der Mensch mag im vollen Maße und sicher gesegnet werden, aber
nur aus Gnade, und das durch Glauben, der Gott die Ehre gibt und sich selbst
Seine Gabe. Der Glaube ist deshalb das Werk Gottes und schließt das Werk des
Menschen aus, nicht als Wirkung (denn er bringt Werke hervor, und zwar gute
Werke im reichen Maße), sondern als Voraussetzung oder als mit dem Glauben
gleichgeschalteter Faktor; und das ist richtig so, wenn es Gott nicht soweit
kommen lassen will, daß Er ein Partner des Menschen ist, und der Gläubige würde
der erste sein, das zu scheuen. Der vom Vater Gesandte ist der Gegenstand des
Glaubens. Man fühlte sofort, daß dies mehr und mehr göttlicherseits
beanspruchte, obwohl Er es ablehnte, ein König der Menschen zu werden.
"Da sprachen sie zu ihm: Was
tust du nun für ein Zeichen, auf daß wir sehen und dir glauben? was wirkst du?
Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: "Brot aus
dem Himmel gab er ihnen zu essen". Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Nicht Moses hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben,
sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot
Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herniederkommt und der Welt das Leben
gibt." (Verse 30-33).
So ist der Unglaube, immer ist er mit den
wunderbar passenden und erhabenen Zeichen Gottes nicht zufrieden, er lehnt es
vielleicht ab, ein Zeichen zu verlangen, wenn Gott eines anbietet, und
verachtet die, die Er gibt. Sie sagten bei dieser Gelegenheit nicht aufrichtig,
was sie meinten, aber es scheint so etwas Ähnliches wie dieser Gedanke gewesen
zu sein: "Du forderst uns auf zu glauben; doch was war letzten Endes das
Wunder mit den Broten verglichen mit dem des Manna? Gib uns Brot vom Himmel,
wie Mose es tat vierzig Jahre lang; und dann wird noch Zeit genug sein, vom
Glauben zu sprechen. Tu ein Werk, das seinem Werk gleich kommt, wenn du es
nicht übertreffen kannst". Der Herr antwortet, daß nicht Mose das Brot vom
Himmel gegeben hat, sondern daß Sein Vater das wahre Brot vom Himmel gab. Das
Brot Gottes ist Jesus Selbst, und diese beiden großen Merkmale sind Ihm allein
unter den Menschenkindern zu eigen; Er kommt aus dem Himmel herab, und Er gibt
der Welt das Leben. Er ist eine göttliche Person, und doch ein Mensch hier
unten, das Brot Gottes für jeden, der Ihn braucht. Es geht nicht mehr um Israel
in der Wüste: Er gibt der Welt das Leben. Weniger ist nicht die Wahrheit und
würde nicht zu Gott passen.
"Da sprachen sie zu ihm: Herr,
gib uns allezeit dieses Brot! Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des
Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird
nimmermehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt, daß ihr mich auch gesehen habt
und nicht glaubet." (Verse 34-36).
Dies ist der letzte Anlauf, das zu bekommen,
was sie suchten - Brot für diese Welt, Brot für alle Zeit, wenn nicht durch sie
in irgendeiner Weise, so doch wenigstens von Ihm. Aber der Unglaube liegt immer
falsch. Es ist Leben, was Gott gibt, und nichts Geringeres begegnet der wahren
Not des Menschen; und dieses Leben ist in Christus, nicht von Ihm losgelöst.
Losgelöst von Ihm, aus Ihm weggegeben und so ähnlich, damit man von Ihm
unabhängig ist - das gibt es nicht. In Ihm war das Leben; in Ihm findet sich
das Leben. Er ist das Brot des Lebens. Er wird hier nicht als der Sohn Gottes
betrachtet. Der lebendig macht, welchen Er will, ebenso wie der Vater. Hier ist
Er der versiegelte Sohn des Menschen und der Gegenstand des Glaubens. "Ich
bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich
glaubt, wird nimmermehr dürsten". Ach! die Menschenmenge, die Ihn sah,
glaubte nicht an Ihn. Ihr Vorrecht, Ihn zu sehen, vergrößerte nur ihren
schuldigen Unglauben; und man muß hinzufügen, daß es heute, wo das Sühnewerk
vollbracht ist und Er gestorben, auferstanden und verherrlicht ist und unter
den Heiden gepredigt wird, noch eine größere Sünde ist, wo Er Jetzt nicht in
der Welt geglaubt wird. Doch die Menschen glauben heute nicht mehr an Ihn als
diejenigen damals, die Ihm da nachfolgten. Auch sind die Motive derer, die
bekennen und Ihn predigen, reiner als die derer, die Ihn in Galiläa zum König
krönen wollten.
Der Herr fährt fort, in den folgenden Sätzen zu erklären, was hinter Seinen
Worten steckte.
"Alles, was mir der Vater gibt,
wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen;
denn ich bin vom Himmel herniedergekommen, nicht auf daß ich meinen Willen tue,
sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat." (Verse 37 u. 38).
Dies ist also der Schlüssel, und er ist
zweifach; und nur in dieser Spannweite erkennen wir die Wahrheit. Wenn eine
Seite hervorgehoben wird, wahrend die andere ausgeschlossen wird, ist die Lehre
unvollkommen, und die Folgen bringen leicht auf der einen oder anderen Seite
Irrtümer. Der Reprobationist betont den ersten Teil; der Arminianer den
zweiten. Keiner von beiden gibt dem Teil, den sie auslassen, sein ihm
zustehendes Gewicht. Der Theologe, der nur die göttlichen Ratschlüsse sieht,
gibt wenig Acht auf die Ermutigung, die der Herr dem einzelnen gibt, der zu Ihm
kommt. Der Fürsprecher dessen, was er freie Willensentscheidung nennt, versucht
die Erklärung, daß alles, was der Vater Christus gibt, zu Ihm kommen wird,
bedeutungslos zu machen, wenn nicht gar ganz zu ignorieren; und das ist kein
Wunder, denn es ist eine Erklärung Seiner Souveränität, die sieh mit seiner
eigenen Theorie nicht erklären läßt. Aber die harten Linien des
Reprobationismus können ebenso wenig herzlich die Zusicherung des Herrn für das
Willkommens ein dessen, der zu Ihm kommt, aufnehmen.
Die Absicht des Vaters ist ebenso sicher wie die Annahme des Sohnes von all
dem, was zu Ihm kommt. Der Unglaube Israels, so begünstigt sie auch waren,
brachte die Ratschlüsse des Vaters nicht ins Wanken: und der Sohn würde den
Schlechtesten oder Feindseligsten, der zu Ihm kommt, nicht zurückstoßen. Die
angegebene Grund ist auch sehr bewegend. Er war ganz und gar in diesem Punkt
der Knecht Gottes. Mochte zu Ihm kommen, wer wollte -Er war vom Himmel
herabgekommen, um zu dienen, nicht um Seinen eigenen Willen zu tun. Es war
Recht des Vaters, zu erwählen und zu geben. Er war herabgekommen, um zu dienen,
und würde keineswegs sogar den abweisen, der Ihn am meisten geschmäht hätte. Er
war der Knecht des Vaters, was die Errettung und alles andere angeht. Der
Knecht würde nicht auswählen, sondern den aufnehmen, der zu Ihm kam, da alles,
was der Vater gibt, kommen sollte. Er ist vom Himmel herabgekommen, um den
Willen des Vaters zu tun. Der Ihn gesandt hat, nicht Seinen eigenen Willen.
Dies wird in den Versen 39 und 40 noch näher ausgeführt, wo der Herr
sagt:
"Dies aber ist der Wille
dessen, der mich gesandt hat, daß ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts
verliere, sondern es auferwecke am letzten Tage. Denn dies ist der Wille meines
Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und
ich werde ihn auferwecken am letzten Tage."
So läßt auf der einen Seite Der, Der
Christus gesandt hat und Ihn in Seiner souveränen Gnade gegeben hat, nichts von
Seinem Willen fallen, denn Christus verliert nichts davon; auf der anderen
Seite bleibt Christus der Prüfstein für jede Menschenseele, die in Ihm durch
den Glauben allein ewiges Leben empfängt; während in beiden Fällen, ob für die
Gesamtheit oder für jeden einzelnen, Christus auf erweckt, wenn der Tag des Menschen
für immer beendet ist. Alle Hoffnung auf gegenwärtige Erlosung unter dem
Messias, von die sie kühn träumten, die sie ja Menschen im Fleisch oder tot
waren, war eitel. Der Wille des Vaters wird bestehen bleiben, sei es für Seine
Kinder als Ganzes oder einzeln; das Ganze, was Er dem Sohn gegeben hat, wird
bewahrt werden, und jeder, der an Ihn glaubt, hat ewiges Leben; wie es der auf
erweckende Christus für beide Teile beweisen wird, wenn der letzte Tag kommt.
Der Herr stellt also Seine Herrlichkeit als Messias auf Erden der Tatsache als
Gegensatz gegenüber, daß Er den Gläubigen am letzten Tag auf erweckt. Der
Unglaube gebrauchte sogar dann das erstere, um das letztere zu übersehen; aber
der Herr bringt hier das, was unsichtbar und ewig ist, in den Vordergrund, und
das, weil Er (zur Ehre Gottes und aus Liebe heraus) den Platz eines Knechtes
eingenommen hatte, um noch tiefere Ratschlüsse auszuführen. Wenn Er Seinen
eigenen Willen oder Seinen eigenen Namen gesucht hätte, wäre Seine Herrschaft
als Messias für Ihn noch näher gewesen als für die Juden. Aber nein! Er suchte
die Ehre und den Willen des Vaters, und so wie Er Sich Selbst dahingab, um zu
leiden, so sollte Er nichts verlieren, sondern es auf erwecken am letzten Tage.
Für den einzelnen geht alles darum, den Sohn anzuschauen und an Ihn zu glauben:
jeder, der das tut, sollte ewiges Leben haben und Christus sollte ihn am
letzten Tage auferwecken. Diejenigen, die auf nichts anderes warten als auf die
Herrschaft des Messias, gehen unvermeidbar zugrunde. Sie anerkennen nicht ihre
Sünden, sie empfinden nicht, daß sie die Majestät und Heiligkeit Gottes
beleidigt halten, sie glauben nicht an den Heiland, und da sie nicht glauben,
haben sie kein Leben. Derjenige, der glaubt, weiß, daß Er mehr ist als der Messias,
ja, daß Er der Sohn des Vaters ist; er weiß, daß er nur in Ihm ewiges Leben hat
und daß er sein Teil an der Auferstehung am letzten Tag mit Christus haben
wird. Es geht nicht um den Menschen oder die Welt, so wie sie jetzt sind,
sondern um Christus zu dem Zeitpunkt. Dies war für das Volk von Judäa und
Jerusalem besonders merkwürdig, denn sie klebten an der Tradition, und so sehen
wir als nächstes:
"Da murrten die Juden über ihn,
weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; und
sie sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter
wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem Himmel
herniedergekommen?" (Verse 41 u. 42)
So setzten sie die Verhältnisse, die sie
kannten (und sie kannten sie schlecht) gegen die Wahrheit Christi. Es war ein
Urteil nach dem äußeren Anschein, und infolgedessen war es ein falsches Urteil.
Er war der Sohn von Maria - wirklicher und richtiger Mensch; sonst hätte Sein
Werk dem Menschen keine Hilfe gebracht. Er war nicht der Sohn Josephs, außer
dem Gesetz nach; aber dies war Er, damit Er dem göttlichen Gesetz nach der
Messias sein sollte. Wäre Er richtig der Sohn Josephs, genauso wie der Sohn
Marias, gewesen, wäre Er nicht der Sohn Gottes gewesen oder eine göttliche
Person, aber dies war die Grundlage von allem, und ohne dies wäre die
Inkarnation ein Irrtum und die Versöhnung wäre null und nichtig. Er war
wirklich der Sohn, der eingeborene Sohn des Vaters, Der Sich herabließ, Sohn
Marias zu werden und dem Gesetz nach folglich auch Sohn Josephs, der sie
geheiratet hatte (ein Punkt von großer Bedeutung für Seinen messianischen
Anspruch, denn Er hätte nicht eigentlich Messias sein können, wenn Er nicht
Erbe der Rechte Josephs war). Aber als Sohn Gottes, als fleischgewordenes Wort,
war Er das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist! so konnten Menschen
nur von Ihm durch Glauben genießen und für ewig gesegnet werden.
"Da antwortete Jesus und sprach
zu ihnen: Murret nicht untereinander. Niemand kann zu mir kommen, es sei denn,
daß der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe; und ich werde ihn auferwecken
am letzten Tage. Es steht in den Propheten geschrieben: "Und sie werden
alle von Gott gelehrt sein". Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt
hat, kommt zu mir. Nicht daß jemand den Vater gesehen habe, außer dem, der von
Gott ist, dieser hat den Vater gesehen." (Verse 43 - 46).
Unglaube kann nur verwirren und zerstören;
er kann kein Leben und keinen Trost geben. Der Mensch unter Satan ist die
Quelle des Unglaubens, der immer von Christus wegführt, und nicht zu Ihm hin.
Aber so wie der Vater Christus gesandt hat, so zieht Er den an Christus
Glaubenden, Der ihn am letzten Tag auf erweckt. Es ist deshalb nicht der Wert
des Menschen oder sein Werk oder Wille, sondern die Gnade des Vaters, wodurch
man zu Christus kommt. Der ganze Segen, kurz gesagt, geschieht aus souveräner
Gnade, und so haben es die Propheten geschrieben. Alle wahre Lehre kommt von
Gott, und alle werden von Gott gelehrt. Der niemals vergißt, was Christi würdig
ist. "Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt hat", kommt zu
Christus. Nicht daß der Vater vom Menschen gesehen worden ist. Er wird in dem
Sohn erkannt. "Der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen"; nur
Christus hat Ihn gesehen.
Der Herr wiederholt dann feierlich;
"Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Wer [an mich] glaubt, hat ewiges Leben. Ich bin das Brot des
Lebens." ('Verse 47 u. 48).
Als der Verheißene war Er in Wahrheit immer
der Gegenstand des Glaubens, so wie Er als der Ewige Sohn den Gläubigen lebendig
gemacht hatte. Aber jetzt war Er das fleischgewordene Wort; Er war der Sohn
Gottes, und dies als Mensch in der Welt, und da Er von Israel verworfen wurde,
verkündigt Er, daß Er der Geber ewigen Lebens ist. Dies ist der große Punkt:
nicht das Reich späterhin, sondern jetzt ewiges Leben in dem Sohn, das
untrennbar von Ihm ist, aber in Ihm jetzt als Menschen.
Deshalb sagt der Herr, indem Er darin fortfährt:
"Eure Väter haben das Manna in
der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel
herniederkommt, auf daß man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige
Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brote
ißt, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, daß ich geben werde, ist mein
Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt."( Verse 49 - 51).
Wenn der Herr zwar von dem Manna
versinnbildlicht wurde, so ging Er doch unvergleichlich über dessen Kraft
hinaus. Die Väter der Juden aßen dieses Manne in der Wüste; aber es konnte den Tod
nicht fernhalten, denn sie starben, genau wie andere. Christus ist das Brot,
das aus dem Himmel herniederkommt, damit der Mensch davon esse und nicht
sterbe. In dem Sohn Gottes ist ewiges Leben, und nicht am wenigsten deshalb,
weil Er damals Sohn des Menschen war. Eher war die Gnade Gottes in Ihm so
deutlicher, denn, wenn Er ein Mensch war, war es dann nicht den Menschen
zugeteilt, davon zu essen und nicht zu sterben? Er war das lebendige Brot, das
aus dem Himmel herniederkam. Wenn einer von diesem Brot aß, sollte er in
Ewigkeit leben.
Wir werden sehen, daß dies noch eine andere Wahrheit neben der Inkarnation mit
sich bringt, nämlich Seinen Tod in der Versöhnung; denn das Brot, das Er geben
wollte, ist Sein Fleisch für das Leben der Welt. Hier weist Er auf das hin, was
Er etwas später offenbaren wollte - Seinen Sühnetod. Wenn Sein Leben gegeben
wird, so geschieht das nicht für das Leben Israels allein, sondern für das
Leben der Welt.
Die Gnade Gottes, die im Begriff war, so tief herabzusteigen, konnte nicht auf
die Juden allein begrenzt werden. "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er
seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren
gehe, sondern ewiges Leben habe". Hierüber verbreitet Er Sich jedoch noch
ausführlicher später. Sträubten sie sich im Unglauben gegen Seine Worte? Er
stellt die Wahrheit heraus, um den Stolz des Menschen und seinen Widerstand
gegen Gott noch mehr bloßzustellen, aber auch, um den Glauben in Seinen
Auserwählten zu stärken. Solche Worte von unserem Herrn, wie, daß Er Sein
Fleisch geben werde für das Leben der Welt, waren für die, die sie hörten,
genug aufreizend, aber es folgen noch deutlichere Aussagen. Er besteht auf der
Notwendigkeit, Sein Blut zu trinken.
"Die Juden stritten nun
untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da
sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß ihr
das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, so habt ihr
kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat
ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage; denn mein Fleisch
ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. Wer mein Fleisch ißt
und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Gleichwie der lebendige
Vater mich gesandt hat und ich lebe des Vaters wegen, so auch, wer mich ißt,
der wird auch leben meinetwegen. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel
herniedergekommen ist. Nicht wie die Väter aßen und starben; wer dieses Brot
ißt, wird leben in Ewigkeit. Dieses sprach er in der Synagoge, lehrend zu
Kapernaum. "(Verse 52-59).
Wie der Herr Sich Selbst darstellte in
Seiner Fleischwerdung in Gestalt des Brotes, das aus dem Himmel
herniedergekommen ist, um im Glauben gegessen zu werden, so haben wir hier
Seinen Tod unter dem Bild des Fleisches, das gegessen wird, und des Blutes, das
getrunken werden soll. Es ist das aufgegebene Leben, denn das Blut wird als
etwas Gesondertes getrunken, was das deutlichste Zeichen des Todes ist. Daran
hat der Glaube Anteil und findet darin Versöhnung und Gemeinschaft. Ohne dieses
gibt es kein Leben. Es war umso wichtiger, da einige bekannten, Ihn als den
Christus anzunehmen, die sich aber an Seinem Tod stießen. Der Herr zeigt, daß
das nicht der Glaube der Auserwählten Gottes ist; denn wer Ihn als vom Himmel
herniedergekommen willkommen hieß, sollte sich auch 'Seines Kreuzes rühmen; und
wenn auch keiner Seinen Tod vorwegnehmen konnte, würden sich doch alle, die
wirklich glauben, daran ergötzen, wo er einmal bekannt gemacht worden ist und
sein Ziel und seine Wirksamkeit offenbart sind. Die im Glauben die Inkarnation
annehmen, nehmen mit gleichem Glauben auch Seinen Tod an; und nur die allein
haben ewiges Leben. Denn solche Menschen, die das erstere nach menschlicher Art
annehmen, neigen doch dazu, bei dem letzteren Einwände zu machen. Beide sind
Zielpunkte und Prüfsteine des Glaubens; und das entscheidendere von den beiden
ist Sein Tod.
Es mag beobachtet werden, daß es, so wie im zentralen Teil des Kapitels zwei
Bilder gegeben sind, im letzten Teil zwei Arten des Ausdrucks gibt, die wir
unterscheiden: die Tatsache, Sein Fleisch gegessen und Sein Blut getrunken zu
haben, wie in Vers 53; und das ständige Essen und Trinken, wie in Vers 54. Dies
ist deshalb von Bedeutung, weil es solchen keinen Anlaß gibt, die entweder
dafür streiten oder dagegen sind, das ewige Leben von seiner Quelle zu trennen.
Die Schrift läßt für diesen Gedanken keinen Raum, Der Gläubige hat ewiges
Leben, aber in dem Sohn, nicht losgelöst von Ihm. Der Gläubige ißt Sein Fleisch
und trinkt Sein Blut. Er ist nicht damit zufrieden, daß er einmal gegessen hat:
wenn einer
so zufrieden ist, kann dann von ihm vorausgesetzt werden, daß er Leben in Ihm
hat? Gewiß nicht. Wenn sein Glaube echt wäre, würde er immer Sein Fleisch essen
und Sein Blut trinken; und wer das tut, hat ewiges Leben, und der Herr wird Ihn
am letzten Tage auf erwecken. Die Liebe, die vom Himmel herniedergekommen ist,
ist kostbar, und das Herz nimmt Christus, Der Sich so herabgelassen hat, in
Dankbarkeit an und zweifelt nicht, sondern wünscht, daß es wahr sei. Und wenn
Jene Liebe weitergeht, ja, bis zum Tod selbst, dem Tod am Kreuz, so weitet sich
das Herz und wird ganz überwältigt, aber es hält nichts für zu groß und nichts
für zu gut für den Sohn Gottes und den Sohn des Menschen. Es beugt sich und
preist Gott für Christi Tod, der die Erlösung bringt. Wenn es einmal geschmeckt
hat, daß der Herr so gnädig ist, beharrt es aus demselben Grund darauf, es kann
niemals ermüden, sondern ißt Ihn immer wieder. Denn es fühlt, daß Sein Fleisch
wahrhaftig Speise und Sein Blut wahrhaftig Trank ist.
Deshalb ist hinzugefügt: "Vor mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt,
bleibt in mir und ich in ihm". Dieses Bleiben in Christus und Christi
Bleiben in ihm ist eines der charakteristischsten Vorrechte des Christen bei
Johannes. Das ist nicht bloß eine Sicherheit für den Christen, sondern Christus
ist die Heimat der Seele, da sie zu Christus gehört. Wie unaussprechlich ist
diese Nähe! Und so wie das Leben in der Gemeinschaft so gesegnet ist, so ist es
auch die Wirkung im Motiv und im Ziel, die dabei gehören. "Gleichwie der
lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe des Vaters wegen, so auch, wer
mich ißt, der wird auch leben meinetwegen". So wie der Wille des Vaters
und Seine Ehre immer vor dem Herrn hier unten standen, so steht Er Selbst vor
dem Gläubigen. Sonst lebt man sich selbst oder der Weit. "Christus ist
mein Leben", sagte der Apostel Paulus; und das ist wahres christliches
Erlebnis und christliche Erfahrung. Wenn Christus das Motiv ist, dann ist das
Ergebnis so.
Es ist wohlbekannt, daß viele sich bemüht haben, zu beweisen, daß das Essen des
Fleisches und das Trinken des Blutes, auf welchem letzteren unser Herr besteht
als etwas, was sieh vom Essen des Brotes unterscheidet. Sein Mahl bedeute.
Dafür besteht kein Grund, nicht bloß, weil die Eucharistiefeier erst weit
später eingesetzt wurde, sondern noch weit mehr deshalb, weil das, was hier vom
Essen des Fleisches und Trinken des Blutes gesagt wird, ganz unvereinbar mit
der Teilnahme am Mahl des Herrn ist, und das sowohl im positiven als auch im
negativen Sinn. Denn es würde daraus folgen, daß der Herr mit Seiner
eindrucksvollsten Formulierung der Wahrheit auf der einen Seite die
Unmöglichkeit heraußtellt, Leben zu haben, wenn man nicht daran teilhat, und
auf der anderen Seite die Gewißheit des ewigen Lebens Jetzt und der gesegneten
Auferstehung am letzten Tage für den, der aus Gewohnheit daran teilnimmt; Ja,
dadurch würde das höchste Vorrecht des Christentums notwendigerweise mit der
ständigen Feier des Mahles verbunden. Eine so absolute Lehre muß von allen
Katholiken und Protestanten verschmäht werden, außer von solchen, die ganz
durch Irrglaube verblendet sind. Aber es ist nicht ein bißchen zu stark, wenn
es, wie es wirklich gedacht war, darauf angewandt wird, daß man im Glauben
Christi Tod ißt.
Es ist nicht richtig, daß dasselbe Thema vor und nach Vers 51 auch behandelt
wird. Es ist davor und auch danach vom Essen die Rede; und es wird beidemal
gesagt, daß das Essen des "Brotes, das aus dem Himmel herniedergekommen
ist" im Blick auf den Glauben verstanden werden muß. Es ist deshalb sehr
gewagt, zu behaupten, daß das Essen des Fleisches und das Trinken des Blutes
etwas anderes als das teilhaben durch den Glauben bedeutet - d.h. bildlich in
dem einen Fall und wörtlich in dem anderen. Es paßt wenigstens zusammen, daß,
so wie das Essen im ersteren Teil der Rede ohne Frage die Gemeinschaft im
Glauben bedeutet, das auch im weiteren Teil der Fall ist. Die Rede bezieht sich
in beiden Teilen klar auf das Buchstäbliche - das Essen des Brotes, das auf
wunderbare Weise für die Menge beschafft wurde. Doch die Lehre ist in beiden
Teilen nicht dieselbe, wenn sie auch sehr eng verwandt ist, denn die
Fleischwerdung des Herrn ist das Thema und Ziel des Glaubens im ersteren Teil
und Sein Tod das Thema im letzteren Teil. Es ist die Art von Johannes, äußeren
Tatsachen oder Wundern eine wesentliche Wahrheit über die Person oder das Werk
Christi anzufügen; und so ist es hier. Er beginnt mit Ihm als dem
fleischgewordenen Brot, was noch mehr unmittelbar den göttlich beschafften
Broten entspricht; Er fährt , als der Unglaube Einwände machte, fort, die
Wahrheit herauszustellen, daß Er sterben wird, was für die Natur, besonders für
einen Juden, noch abstoßender ist.
So hängt alles einfach und doch tief zusammen. Christus läßt die Juden wissen
(denn die Rede richtete sich an die Juden, nicht an die Jünger), daß Er nicht
gekommen war, um ein König nach dem Fleisch zu sein, sondern um in
Erniedrigung, Ja, auch im Tod, gegessen zu werden: die einzige Speise ewigen
Lebens, die in der Auferstehung am letzten Tag endet, nicht in zeitlicher Macht
und gegenwärtiger Ehre, wie es sich das Volk stark ersehnte, das Ihn jetzt
krönen wollte. Die Abendmahlsfeier hier hineinzubringen, ist, ein fremdes
Element einzuführen, das weder zu dem Bereich des Kapitels als ganzes paßt,
noch zu einem einzelnen Abschnitt der Rede. Und es ist umso absurder, wenn wir
sehen, daß noch ein anderes Thema auf den Hauptinhalt als passender Abschluß
folgt, nämlich die Himmelfahrt desselben Sohnes des Menschen, Dessen
Inkarnation und Tod vorher als die Speise des Glaubens dargestellt worden
waren, und dies als eine Leiter für den Glauben, wo der Unglaube zuerst bei
Seinem vom Himmel Herniederkommen gestolpert war und noch mehr bei Seinem Tod.
Wie es später gesagt wird; "Wir haben aus dem Gesetz gehört, daß der
Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, daß der Sohn des Menschen erhöht
werden müsse? Wer ist dieser, der Sohn des Menschen?"(Joh.12,34)"Ärgert
euch dieses?" fragte Jesus die Jünger, als auch sie murrten. "Wenn
ihr nun den Sohn des Menschen dahin auffahren sehet, wo er zuvor war?" Es
ist nicht eine Einsetzung, auf die der Herr bei der Einführung hinweist.
Überall ist es Er Selbst als das Ziel des Glaubens, als der
fleischgewordene(Sohn des Menschen), der gestorbene und gen Himmel aufgefahrene
Sohn des Menschen.
Ich weiß, daß ein berühmter Kritiker danach strebte, die Leute davon zu
überzeugen, daß der erste Teil mit Vers 47 abschließe. Aber das ist über die
Maßen eigenmächtig. Vers 51 ist der wahre Übergang, wo erklärt wird, daß das
Brot das Fleisch Christi ist, das Er für das Leben der Welt geben sollte. Als
Antwort auf ihre ungläubige Frage in Vers 52 erläutert der Herr dies in den
Versen 53-58. Denn von dem Brot als solchem wird auch noch in den Versen 48-50
gesprochen, was nicht der Fall sein sollte, wenn wir wirklich in den zweiten
Teil Übergegangen wären. Das Essen Seines Fleisches und Trinken Seines Blutes
beginnt eigentlich mit Vers 53. Dies ist in dem Kapitel klar und positiv;
und es ist wirklich dreist, etwas anderes zu behaupten; aber wenn, so gehört
das Essen des Brotes klar und bestimmt zu dem ersten Teil, wie das Essen des
Fleisches und Trinken des Blutes zu dem zweiten. In Wirklichkeit wird es von
Anfang an angenommen (Verse 32-35), aber es wird vor dem Ende definitiv
behauptet (Verse 48-50). Ohne Zweifel ist die Sprache eindringlicher, wenn die
Notwendigkeit des Glaubens an Seinen Tod in Vers 53 und dem folgenden ausgedrückt
wird. Aber dies beweist nichts mit mehr Gewißheit, als das das Abendmahl
ausgeschlossen ist, außer für solche, die sich einbilden, daß unser Herr Sein
Mahl bedeutsamer hinstellt als Sein Werk und den Glauben daran. Kein Christ
könnte bezweifeln, daß Er eindringlicher von dem Aufgeben Seines Lebens als von
Seinem Herniederkommen vom Himmel, um Mensch zu werden, sprach, und daß die
Gefahr für den Menschen, Seinen Tod zu verschmähen, schwerwiegender ist, und
daß der Segen für den Gläubigen aus der Gemeinschaft mit Seinem Tod tiefer ist.
Auch - laßt mich hinzufügen - ist es nicht absolut wahr, daß im ersten Teil
gesagt wird, daß der Vater allein gibt, während im zweiten Teil gesagt wird,
daß der Sohn des Menschen gibt; denn am Anfang des ersten Teiles (Vers 33) wird
gesagt, daß Der das Brot Gottes ist, Der aus dem Himmel herniederkommt und
Leben für die Welt gibt, nicht bloß Leben geben soll. Aber soweit es gesagt
wird, stimmt es ganz überein mit dem wirklichen Unterschied in diesen beiden
Teilen. Der Vater hat den Sohn gegeben, daß Er Fleisch werde. Der Sohn gibt
Sich Selbst, um zu sterben, und folglich soll Sein Fleisch gegessen und Sein
Blut getrunken werden. Weiterhin ist es nicht wahr, daß die Folgen
gegensätzlich sind; denn wie im ersten Teil das ewige Leben mit der
Auferstehung am letzten Tag gekrönt wird, so wird das gleiche sorgfältig im
zweiten Teil (Vers 54) wiederholt.
Es ist, wie wir bereitwillig beobachten können, wahr, daß mit dem Essen Seines
Fleisches und Trinken Seines Blutes von jemand mehr verbunden ist, nämlich, daß
Christus in ihm wohnt und er in Christus bleibt(Vers 56; aber dies ist ebenso
sehr ein Ergebnis des Glaubens an Christi Tod, wie es sonst nirgendwo dem
Abendmahl zugeschrieben wird. Joh. 15, wo Christus von Sich Selbst spricht, und
1. Joh. 4, 13-16, wo der Apostel von Gott spricht, kommen am nächsten hieran;
keine Stelle davon spielt auf das Abendmahl an, sondern eine Stelle stellt
Christus als die einzige Quelle des Fruchtbringens durch ständiges Bleiben in
Ihm dar, und die zweite Stelle erklärt, daß Gott in jeder Seele bleibt und sie
in Gott, wenn sie Jesus als den Sohn Gottes bekennt. Diese Stellen bestätigen
soweit die Überzeugung, daß der Herr in Joh. 6, 56, das Vorrecht beschreibt,
das der genießt, der durch den Glauben Seinen eigenen Tod ißt. Ohne Zweifel
bleibt der, der in Liebe bleibt, in Gott und Gott in ihm; aber alles strömt aus
einein neuen Leben, das nur durch den Glauben an Christus kommt: denn ohne
Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Dies zeigt deshalb ein
Weiterrücken, nicht ein neues und verschiedenes Thema, sondern hier wird
derselbe Christus nicht in Seinem Leben betrachtet, sondern in Seinem Tod mit
dessen tiefer reichenden Folgen für den Gläubigen.
Er, Der Selbst das ewige Leben war, das bei dem Vater war, vor allem Urbeginn
der Welt, nahm Fleisch an, nicht nur um den Vater zu zeigen und das vollkommene
Bild des Gehorsams als Mensch zu sein, sondern damit Er in Gnade für uns
sterben könnte und die Frage der Sünde für ewig losen könnte, indem Er Gott
absolut und auf alle Weise am Kreuz verherrlichte. Wenn das Weizenkorn (wie Er
Selbst es uns gelehrt hat) nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es
allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Sein Tod wird hier nicht,
wie anderswo oft, als ein Opfer für Gott betrachtet, sondern hier wird er so
gesehen, wie der Gläubige ihn in sein eigenes Sein einschmelzt. Deshalb wird
das, was verhältnismäßig vage war, nämlich das Sprechen von dem Brot, das von
dem Himmel herniedergekommen ist, sehr präzise, wenn Er auf Seinen Tod
anspielt. Denn das war der Ratschluß des Vaters und nach dem Herzen des Sohnes
des Menschen! nicht jetzt über Israel herrschen, sondern Sein Fleisch für das
Leben der Welt zu geben: denn ob es Juden oder Heiden sind, alle werden hier
als verworfene, verlorene und tote Menschen gesehen. Er allein ist Leben, doch
nicht in Seinem Leben, sondern in Seinem Sterben für uns, damit wir es in und
mit Ihm hätten, die Frucht Seiner Erlösung, das ewige Leben als etwas
Gegenwärtiges, das aber erst voll in der Auferstehungskraft gesehen wird und
doch schon jetzt in Ihm erfüllt und sichtbar ist, Der Er als Mensch dorthin
aufgefahren ist, wo Er vorher als Gott war, und wir werden später am letzten
Tage mit Ihm in Herrlichkeit offenbart werden. Deshalb wird hier von dem
Gläubigen gesagt, daß er Sein Fleisch ißt und Sein Blut trinkt, und dies nicht
nur einmal, als wir an Ihn glauben und an die Wirksamkeit Seines Todes, sondern
er nimmt ständig die Tiefe und Kraft Seines Todes auf, genau wie er der Welt und
dem Zustand des Menschen, so entfremdet dieser von Gott ist, tot ist. Sein Blut
trinken verleiht dem Ausdruck der vollen Aufnahme Seines Sterbens durch den
Gläubigen mehr Nachdruck. Wenn Er einfach als Einer, der der Welt immer fremd
war, die Welt verlassen hätte, wären wir für ewig verstoßen gewesen, dem Zorn
und Gericht Gottes ausgesetzt. Aber dadurch, daß Er durch die Gnade Gottes
dafür und für uns starb, gab Er uns, die wir glauben, das, was uns von Gott
trennte, und Er reinigte uns von unseren Sünden. Wäre es einfach unser Tod
gewesen, so wäre es unser Gericht gewesen und keine Ehre für Gott, sondern
eher der Triumph des Feindes. Gelobt sei Gott! Er spricht hier von Seinem Tod
und von unserem Eingang durch Glauben in Seinen Tod mit all seiner Wirklichkeit
und seinem Wert. Es ist nicht Sein Abendmahl; sondern Sein Mahl weist als das
Zeichen auf Christi Tod hin, und diese Verse reden von derselben Wahrheit. Sie
sprechen jedoch von der kraftvollen Wirklichkeit, nicht von ihrem Symbol, das,
wenn es mit der Wahrheit vermischt wird, nichts Besseres als ein abgöttischer
Wahn ist und das sogar als ein Zeichen, wenn es sehr der Wahrheit beraubt ist,
dann offen zu einem Gegenstand der Anbetung gemacht wird. So sehen wir es in
der röm.-kath. Kirche, wo die Verehrer nicht das Blut trinken dürfen« Christus
ist ganz und gar, wie sie sagen, unter dem Gewand des Brotes enthalten: so daß
alles dort zusammen ist, Fleisch und Blut, Seele und Gottheit; aber wenn das so
ist, ist das Blut nicht vergossen. Und die Messe ist für den Katholiken, der
kommuniziert, ein allzu wahres Zeugnis für die Nicht-Vergebung seiner Sünden.
Das ist die Darstellung ihrer eigenen formellen Lehre und ihrer am meisten
Achtung besitzenden Theologen. Es mag hinzugefügt werden, daß der Herr nach dem
reichen Zeugnis für Seinen Tod als das Ziel des Glaubens, das sich mit seinen
Konsequenzen ergeben sollte, in Vers 57, wie mir scheint, jede Entschuldigung
für ein Übersehen Seiner Absicht ausschließt. Es war Er Selbst, nicht eine
symbolische Handlung, die Er hier meinte, was aus den Worten "wer mich
ißt" hervorgehen sollte. Weiter vereint Er die beiden Teile der Rede durch
den folgenden Vers, der den Teil über Sein Fleisch und Sein Blut damit
abschließt, daß wieder das Bild von dem "Brot, das aus dem Himmel
herniedergekommen ist" und "wer dieses Brot ißt, wird leben in
Ewigkeit" gebraucht wird. Das ist eine Erklärung, die ebenso richtig ist,
wenn man sie auf den Glauben an Ihn anwendet, wie sie falsch ist für das
Abendmahl, in welchem Sinn auch immer man will.
Der Herr hatte jetzt in der Synagoge zu Kapernaum Seine Rede abgeschlossen. Die
Hauptthemen dieser Rede waren Seine Inkarnation und Versöhnung als die
unentbehrliche Speise des Glaubens, mögen die Menschen sie auch noch so sehr
verachten; und mögen sie auch noch so sehr das Manna verherrlichen oder irgend
etwas anderes, das weder solche göttliche und himmlische Quelle, noch solche
ewige Wirkung hatte, sondern wobei es doch dabei blieb, daß die Menschen später
sterben mußten; denn An Ihm, und in Ihm allein, war Leben.
"Viele nun von seinen Jüngern,
die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? Da
aber Jesus bei sich selbst wußte, daß seine Jünger hierüber murrten, sprach er
zu ihnen: Ärgert euch dieses? Wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin
auffahren sehet, wo er zuvor war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das
Fleisch nützt nichts. Die Worte, welche ich zu euch geredet habe, sind Geist
und sind Leben; aber es sind etliche unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus
wußte von Anfang, welche es seien, die nicht glaubten, und wer es sei, der ihn
überliefern würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu
mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben." (Verse 60-65).
Eine sehr ernste Form des Unglaubens verriet
sich jetzt selbst, nicht unter den Menschen aus Judäa oder anderswo sonst,
sondern unter den Jüngern, von denen viele murren und über Seine Worte
stolpern. Wenn sie Sein Herabkommen vom Himmel oder Sein Sterben hart fanden,
was war dann, wenn sie den Sohn des Menschen dahin auffahren sehen würden,
woher Er gekommen war? Es wurde in Psalm 8, 80, 110 und bei Daniel 7 darauf
Bezug genommen. Aber der jüdische Wille hatte sich längst nur Israels
Hoffnungen in ihrem Land zugewandt und verlangte nicht nach einem höheren
Aspekt oder einem niedrigeren, Das Kreuz und der Himmel waren gleichermaßen
außerhalb ihres Blickfeldes. Deshalb konfrontiert sie der Herr hier mit Seiner
eigenen Himmelfahrt als einer wenig schmackhaften Wahrheit. Und doch ist es eine
Wahrheit, die passend auf Seinen Tod folgt, genau so wie sie mit Seinem
Herabkommen als Mensch in der Inkarnation übereinstimmt. Er ist als Heiland in
Gerechtigkeit aufgefahren, nachdem Er Gott bis zum letzten über die Sünde
verherrlicht hatte, da Er herniederkam, um in Liebe zu dienen. Alles hängt hier
zusammen, wie es auch in der Tat ist, während Er so aufgefahren gen Himmel ist,
daß der Glaube Ihn im Leben und im Tod hier unten ißt. Aber wo die Jünger über
Seine Worte der Erniedrigung murrten, sprach Er von Seiner Erhöhung. Und es ist
traurig zu sagen, daß sie das noch mehr aufreizte. Wenn sie wahrhaftig gewesen
wären, wenn sie die Wahrheit gekannt und geliebt hätten, wäre es ihre Freude
gewesen; aber sie schätzten den ersten Menschen höher ein als den Zweiten und
wurden mehr und mehr verärgert.
So ist das Fleisch, sogar bei Jüngern. Es ist zu nichts nutze. Der Geist ist
es, der lebendig macht, und zwar durch und in Christus, niemals losgelöst von
Ihm und noch weniger zu Seiner Unehre. Deshalb haben Seine Worte einen im
wesentlichen göttlichen Charakter und göttliche Kraft? sie sind Geist und
Leben, wie Er Selbst von dem sagt, was Er gerade in Seinen Reden zum Ausdruck
gebracht hatte, so viel die Menschen auch darüber stolpern mochten. Wenige
Worte sind bis heute mit verheerenderen Folgen verdreht worden als diese. Das
Zeichen wird zur Schmach Dessen, von Dem kund wurde, daß Er so herabgekommen
und in äußerster Liebe gestorben sei und Der den Glauben entsprechend segnet,
vergöttert. Aber ach! "Es sind etliche unter euch, die nicht
glauben". Nicht zu glauben, ist für jeden verhängnisvoll, am meisten ist
es aber innerlich mit einem Jünger unvereinbar. Christus muß alles oder nichts
sein. Wenn Er alles ist, Band Seine Worte für den Gläubigen keine Schande, sondern
Freude und haben durchschlagende Kraft, ja, wachsende Kraft, da Er dadurch
besser bekannt wird. Jesus kannte ihren Unglauben, nicht aus Beobachtung oder
Erfahrung heraus, sondern Er wußte das von Anfang an. Er ist Gott, und zwar um
nichts weniger, weil Er Mensch wurde; und dies ist die ständige These unseres
Evangelisten« Doch unterschied Er zwischen solchen, die nicht glaubten, und
dem, der Ihn verraten würde; aber wer hat das jemals gefolgert, außer jetzt aus
Seinen eigenen Worten heraus ? Wer hatte jemals die Gnade in Ihm in Seinen
Wegen mit allen schwanken sehen ? Wie ernst ist die Geduld göttlicher Liebe!
Auf der anderen Seite hatten diejenigen, die glaubten, keinen Grund, sich zu
rühmen, denn wenn sie auch Jesus anhingen, so konnte doch keiner zu Ihm kommen,
wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben war. Es war souveräne Gnade in Gott.
"Von da an gingen viele seiner
Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen:
Wollt ihr etwa auch weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen
wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß
du der Heilige Gottes bist. Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die
Zwölfe, auserwählt? und von euch ist einer ein Teufel. Er sprach aber von Judas,
Simons Sohn, dem Iskariot; denn dieser sollte ihn überliefern, er, der einer
von den Zwölfen war." (Verse 66-71).
So
beschleunigen die Warnungen des Herrn das Fortgehen von Ungläubigen, während
sie die Gläubigen noch enger an Ihn binden und ihren Seelen ihren Sinn,
nämlich, was Er ist, nahebringen. Die Ursache lag bei ihrem eigenen Willen, der
Satan Macht gab. Doch der Herr zögert nicht, die Zwölf wissen zu lassen, daß,
während einer für alle bekannte, daß Er der Heilige Gottes sei, einer von ihnen
ihn überliefern würde. Was für einen Gegensatz gibt es bei allen, außer bei
Ihm, wenn es nicht solche sind, die von Ihm gelernt haben! Wie anders sind die,
die versuchen, die Jünger hinter sich zu ziehen! Doch Seine Worte wollten die
Seinen, ja, sogar alle, die echt waren, stärken. Je freier sie waren, umso
gebundener waren sie. Er allein ist würdig, Er ist der Heilige Gottes.
Ich weiß, daß ein gelehrter, aber eingebildeter Deutscher verkündigt, daß der
Ausdruck "der Heilige" nicht der Art des Johannes entspräche. Aber
das war ein rasches und unwissendes Urteil. Es ist ein Titel, der unserem Herrn
einmal in seinem ersten Brief gegeben wird und hier einmal in seinem
Evangelium. Er ist der einzige Schreiber im Neuen Testament, der dieses Wort
jemals von dem Herrn im Verhältnis zu den Heiligen gebraucht. Es ist deshalb
charakteristischer für Johannes als für irgendeinen anderen Apostel. Markus und
Lukas reden von bösen Geistern, die Ihn zitternd als Solchen anerkennen. Sie
mögen wohl vor dem Heiligen zittern. Der dazu bestimmt ist, mit ihnen im
Gericht umzugehen« Wie segensvoll ist es, einen Heiligen für alle ihren Glauben
an Ihn mit diesem selben Wort bekennen zu hören, die sie Ihm anhangen und
Seinen Worten ewigen Lebens mit Zuversicht lauschen! Wie gnadenreich ist es, zu
hören, wie ein anderer die Kindlein der Familie Gottes mit der Überlegung
tröstet, daß sie die Salbung von dem Heiligen empfangen haben und alle Dinge
erkannt haben. Es mögen Antichristen von denen ausgehen, die Christi Namen
tragen, aber sie gehören nicht zur Familie Gottes s wenn sie dazu gehörten,
wären sie sicherlich ausgeharrt, wie Petrus es hier tat und wie Judas es nicht
tat, als die letzte Krise hereinbrach. Zuerst oder zuletzt gingen sie hinaus,
damit von ihnen offenbar würde, daß sie keine "von uns" - von der
Familie -waren. Für Gottes Kinder ist der Heilige die Quelle jeder Freude und
allen Friedens - für Ungläubige ist Er die Quelle des Verderbens und des
Schreckens für die Dämonen. Die Kindlein tadeln den Stolz bloßer ungläubiger,
menschlicher Intelligenz, die den Vater und den Sohn ableugnet, ja, die
leugnet, daß Jesus der Christus ist, und die von Ihm fortgleitet. Der allein
Leben hat und es jedem Gläubigen gibt. So ist es in dem Evangelium und in dem
Brief. Aber wir sehen hier auch die ungeheure Bedeutung, mit Ihm zu wandeln,
sich offen auf diesem Weg vor den Menschen und vor Gott mit Ihm zu
identifizieren. Und wir sehen die Gefahr und das Verderben des Fortgehens.
Glaube, wenn er auch sehr wichtig ist, ist nicht alles: man muß hier unten mit
Ihm wandeln. Wo sonst sind Worte ewigen Lebens? Ohne dieses mag es Religion,
Philosophie, augenblickliche Behaglichkeit oder Ehre und Macht geben. Mit Ihm
gehen die, die an die Wertschätzung des Sohnes von Seiten des Vaters denken und
für die Ewigkeit wirken. Aber selbst das Apostelamt gibt, wie der Herr hier
zeigt, keinen sicheren Grund, darauf zu bauen - nichts außer Ihm Selbst. So
läßt Sein am meisten geehrter Knecht die Korinther (die allzu sehr mit Gaben
ausgestattet waren) wissen, daß er anderen predigen könnte und doch, wenn er
seinen Leib nicht in Zucht hält, selbst verwerflich werden könnte. Der Sohn des
Menschen allein sichert, wenn man sich Ihn in Leben und Tod durch den Glauben
zueigen macht. Jetzt ewiges Leben und Auferstehung am letzten Tag.
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