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Eine der Besonderheiten
unseres Evangeliums ist es, daß wir hierin den Herrn häufig in Jerusalem sehen,
während sich die synoptischen Evangelien mit Seinem Dienst in Galiläa
beschäftigen. Das Wunder am Teich Bethesda ist ein Beispiel: nur Johannes
berichtet davon. Sowohl der Tatbestand als auch die Unterredung, die folgt,
offenbaren stark Seine Person. Dies allein bleibt und bedeutet dem Gläubigen
alles, mit dem unendlichen Werk, das ihm seine Unendlichkeit verdankt. In den
anderen Evangelien wird es so gesehen, daß der Vorgang der Prüfung noch
fortdauert; Johannes sieht alles von Anfang an als von Gott abgeschlossen.
Deshalb wird uns Sein moralisches Gericht von Jerusalem am Anfang des Johannesevangeliums
gezeigt, ebenso wie auch Seine Verwerfung. Dies erklärt meiner Meinung nach den
Bericht vom Werk des Herrn dort und in Galiläa, wie das Johannesevangelium Ihn
bringt. Wenn alles als eine Szene von Verderben und moralischer Vernichtung
betrachtet wird, war es unbedeutend, wo er wirkte. Was die Prüfung angeht, so
war alles vorbei; die Gnade konnte und sollte überall gleichermaßen wirken:
Galiläa und Jerusalem waren deshalb gleich.
Die Sünde stellt alles auf
dieselbe Stufe: die einen wie die anderen brauchten gleicherweise Leben von
Gott in dem Sohn. Dies zeigt unser Evangelium.
"Nach diesem war ein Fest
der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem." (Vers 1)
Hier sind die
Verantwortlichen zu gleichen Teilen für und gegen die Einfügung des Artikels.
Zehn Uncialbuchstaben (C E F H I L M
II) setzen ihn ein, zehn (A B D G K S U V ) lassen ihn weg. Ungefähr fünfzig Kursiven und die Fassungen
Memph. und Theb. stimmen mit der ersten Reihe, und nicht mehr mit der letzteren
überein. Wenn der Artikel angenommen wird, kann es kaum ein anderes Fest als
das Passahfest sein, das erste und grundlegende Fest des heiligen jüdischen
Jahres. Einige haben angenommen, daß es das Purim-Fest sein könnte, aber das
würde nicht erklären, warum Jesus nach Jerusalem ging. Es hatte nicht solchen
göttlichen Anspruch.
"Es ist aber in Jerusalem bei dem
Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Bethesda zubenamt ist, welcher fünf
Säulenhallen hat. In diesen lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer,
[die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn zu gewissen Zeiten stieg ein
Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des
Wassers zuerst hineinstieg, ward gesund, mit welcher Krankheit irgend er
behaftet war.] Es war aber ein gewisser Mensch daselbst, der achtunddreißig
Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Als Jesus diesen daliegen sah und
wußte, daß es schon lange Zeit also mit ihm war, spricht er zu ihm: Willst du
gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, daß
er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich werfe; indem ich aber
komme, steigt ein anderer vor mir hinab. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm
dein Bett auf und wandle! Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett
auf und wandelte. Es war aber an jenem Tage Sabbath." (Verse 2-9)
Jene Szene war ein
deutliches Bild von Menschen, von den Juden unter Gesetz. Dort liegen sie ohne
Kraft, und wenn auch die Gnade Gottes von Zeit zu Zeit aufleuchtet, so ist die
Not doch um so größer, um so weniger konnten die Seelen sich Seine Gnade
zunutze machen. Es war „das dem Gesetz
Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war“. Der ohnmächtige Mensch war
selbst das Zeugnis dafür, bis Jesus kam und, selbst nicht gesucht, ihn suchte.
Nicht die Bewegung des Wassers durch de Engel konnte einem Menschen helfen, der
nicht in der Lage war, herabzusteigen und ohne Hilfe sich in den Teich zu
tauchen. Wer stärker war, konnte immer dem Hilflosen zuvorkommen. Aber jetzt
schaut die Gnade in Jesus, dem Sohn Gottes, auf den, der so lange gelitten
hatte; die Gnade spricht zu ihm; die Gnade wirkt für ihn in einem Wort ohne
weitere Verzögerung; denn das Wort geschah mit Macht. „Und alsbald ward der
Mensch gesund und nahm sein Bett auf und wandelte. Es war aber an jenem Tage
Sabbath“.
Aber wie konnte man sich
des Sabbathtages an solch einem Tag menschlichen Elends annehmen und ihn
halten? Jesus war gekommen, um zu arbeiten, und nicht um zu ruhen; was auch
immer die Pharisäer fordern mochten, Er wollte nicht den Menschen in einer Ruhe
abriegeln, die durch die Sünde und Verderben vor Gott gebrochen war.
So stellt das Zeichen, das
an diesem Sabbath gewirkt wurde, weiter heraus, was der Herr, wie wir in diesen
Kapiteln des Evangeliums sehen, tut - Er stellt Sich an die Stelle jedes
Zielpunktes von Vertrauen oder Mittels des Segens früher und heute, außerhalb
und innerhalb von Israel. Selbst Engel beugen sich vor dem Sohn; und doch war
er der Fleischgewordene, der in Erniedrigung wirkte und direkt auf das Kreuz
zuging. Das Gesetz konnte von der Schuld oder Macht oder den Auswirkungen der
Sünde nicht befreien; kein außergewöhnlicher Eingriff Gottes durch das Höchste
der Geschöpfe konnte dieser Not angemessen begegnen; nichts und niemand außer
Jesus, dem Sohn Gottes. Doch haben wir auch den klarsten Beweis dafür, daß die
Juden so selbstzufrieden in ihrem Dienst durch einen Mißbrauch des Gesetzes
waren, der sie für ihre Sünde und für den Sohn blind machte, daß sie glücklich
waren, mit solch einem Sabbath weiterzuleben und zornig waren auf Ihn, der ein
Zeichen vollbrachte, das Seine Gnade ebenso sicher wie ihr Verderben zeigte. Es
war auch deshalb hoffnungslos, weil sie das Heilmittel verwarfen und sich in
ihrer eigenen Gerechtigkeit gefielen.
Beachte jedoch, daß der
Herr den Kranken erst seine Ohnmacht mehr als je zuvor fühlen läßt, bevor Er
das Wort spricht, das ihn aufrichtet. Er schaute mit unendlichem Mitleid und
kannte den Fall in all seinen Härten; aber der Wunsch, der dann empfunden
wurde, kam in der Überzeugung des Menschen von seiner eigenen Wortlosigkeit zum
Ausdruck. Es war wie die Worte der Seele in Römer 7: „Ich elender Mensch! Wer
wird mich retten“ etc. Wie wenig wußte er, Wer sich herabgelassen hatte, sein
„Nächster“ zu sein und das Werk eines guten Samariters zu tun, ja, noch
unvergleichlich mehr in diesem Fall, wo die Not weit tiefer liegt. Der, Der aus
den Toten lebendig macht, ist hier. „Er sprach , und es geschah“, mochte es
auch wohl Sabbath sein; aber was für einen für Gott annehmbaren Sabbath können
Sünde und Elend feiern? Gott sei Dank! Jesus wirkte; aber sie fühlten, daß ,
wenn Er recht hatte, es ganz aus war mit Ihnen. Deshalb verurteilten sie Ihn -
und nicht sich selbst -, wie wir sehen werden, zur Verunehrung Gottes und zum
eigenen Verderben.
Ohne Zweifel war es in
Judäa und besonders in Jerusalem etwas seltsam, am Sabbath einen Menschen zu
sehen, der sein Bett trug. Aber es geschah natürlich aufgrund eines überlegten
Befehles von Seiten des Herrn. Er warf
ein Problem auf bei den Juden, das, wie Er wußte, eine Kluft mit ihrem
Unglauben heraufbeschwören würde. Es war ein Schlag, der mit Absicht gegen ihr
selbstgefälliges Halten des Sabbaths ausgeführt wurde, wo sie nicht bloß durch
den Eigenwillen, das Gesetz zu beobachten, sondern auch durch Unglauben
gegenüber ihrem eigenen Messias trotz der klarsten Beweise Seiner Sendung und
Person blind waren. Konnte Gott das Sabbathhalten des Volkes in solchem Zustand
annehmen? Hier befahl der Herr eine ausdrückliche Handlung am Sabbath in
Jerusalem.
"Es sagten nun die Juden zu dem
Geheilten: Es ist Sabbath, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen. Er
antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf
und wandle." (Verse 10-11)
Der geheilte Mann war
einfach, und seine Antwort trägt den Stempel von Recht und Wahrheit. Die
göttliche Kraft, die über eine Führung oder Leitung eines Engels und ohne
dieselbe gewirkt hatte, war seine Garantie, nach diesem Wort zu handeln.
"[Da] fragten sie ihn: Wer ist
der Mensch, der zu dir sagte: Nimm [dein Bett] auf und wandle? Der Geheilte
aber wußte nicht, wer es sei; denn Jesus war entwichen, weil eine Volksmenge an
dem Orte war." (Verse 12-13)
Die Juden fragten mit Groll
und Verachtung: „Wer ist der Mensch?“ Man kann kaum glauben, daß sie nicht
wußten, daß da mehr in ihrer Mitte war und Wer Er war. Sie kannten Seine Werke, wenn sie nicht Ihn
selbst kannten; und Seine Werke und Seine Art sprachen von einem mehr als
menschlichen Auftrag. Schon das Werk vor ihnen - und sie konnten es nicht
leugnen - ging über das eines Engels hinaus; und doch fragten sie den
Geheilten: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und
wandle?“ Der Herr hatte etwas angeordnet, so daß der Geheilte nicht mehr wissen
sollte; Er war unerkannt entwichen, weil eine Volksmenge an dem Ort war.
"Danach findet Jesus ihn im
Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht
mehr, auf daß dir nichts Ärgeres widerfahre. Der Mensch ging hin und verkündete
den Juden, daß es Jesus sei, der ihn gesund gemacht habe." (Verse 14-15)
Es war ein gnädiges, aber
zuinnerst ernstes Wort. Es bedeutet nicht viel, jetzt zu leben und das Leben zu
genießen, das jetzt ist. Keine Kur, und wenn sie die Macht und Güte Gottes noch
so sehr beschwor, konnte die innerste Not des Menschen heilen, denn die Sünde
blieb noch. Eine Kur war nur vorübergehend. Der Mann, der geheilt worden war,
mußte, wenn es auch Jesus war, der ihn heilte, gewarnt werden: „Sündige nicht
mehr, auf daß dir nichts Ärgeres widerfahre“. Er scheint die Bosheit der Juden
nicht angemessen beurteilt zu haben. Sie verbargen wahrscheinlich ihre wahren
Gefühle. So ist es oft bei Menschen Jesus gegenüber, besonders bei solchen, die
einen religiösen Ruf haben. Sie glauben nicht an Ihn und lieben Ihn nicht. So
erahnte der Geheilte in seiner Einfalt ihre Absicht nicht, sondern er scheint
eher angenommen zu haben, daß sie seinen wunderbaren Wohltäter gerne
kennenlernen wollten. Deshalb ging er fort und verkündigte ihnen, daß es Jesus
sei, Der ihn gesund gemacht habe. Es besteht meiner Meinung nach keine Ursache,
anzunehmen, daß er die Empfindungen der Juden teilte oder ihnen, die Ihn
haßten, Jesus verraten wollte.
Aber jetzt wußten sie als
Tatsache das, was sie ohne Zweifel von Anfang an vermutet hatten, daß der
Kranke mit Jesus zu tun gehabt hatte. Ich sage nicht, daß ihr Berichterstatter
es besser gewußt haben sollte, denn sie hatten gefragt: „Wer ist der Mensch,
der zu dir sagte, Nimm dein Bett auf und wandle? Er sagte ihnen jetzt, daß es
Jesus war, Der ihn gesund gemacht hatte. Sein Herz konzentrierte sich auf die
gute und machtvolle Tat, die geschehen war; ihr Herz aber auf das Wort, das ihr
Sabbathhalten berührte.
"Und darum verfolgten die Juden
Jesum [und suchten ihn zu töten], weil er dies am Sabbath tat." (Vers 16)
Es war die Blindheit von
Menschen, die sich in Formen verloren hatten und die Wirklichkeit Gottes nicht
erkannten und folglich auch nicht sich selbst in Seiner Gegenwart erkannten.
Früher oder später befinden sich solche Leute im Konflikt mit Jesus: was werden
sie später empfinden?
"Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und
ich wirke."
(Vers 17)
Das war eine überwältigende
Antwort. Sie wußten nichts von der Gemeinschaft mit dem Vater. Er (Jesus) und nicht sie konnte Gott „Mein
Vater“ nennen, und Er beliebte zu sagen: „Mein Vater wirkt bis jetzt“. Denn der
Vater konnte nicht in Sünde weilen, Er würde nicht im Elend ruhen. Er ist noch
nicht der richtende Gott. Deshalb wirkte er als Vater, und das bis jetzt wenn
Er sich auch jetzt als Vater in und durch den Sohn offenbart. Sogar vorher aber
hatte Er sich in Jerusalem selbst nicht unbezeugt gelassen, wie die Menge der
wartenden Kranken am Teich Bethesda bewies. Aber dies war nur teilweise und
vorübergehend. Der Sohn war da, um Ihn voll bekannt zu machen, und zwar als
Einen, der noch nicht Seinen Sabbath halten konnte, was auch immer die Juden,
die Ihn nicht kannten, zu sagen oder zu tun wünschten. „Mein Vater wirkt bis
jetzt, und ich wirke“. Jesus der Sohn hatte ununterbrochene und vollkommene
Gemeinschaft mit Seinem Vater.
Doch die Worte waren noch
herausfordernder als die Tat, die sie gerade gesehen hatten; und die Art, wie
Jesus offen dafür gesorgt hatte, daß es geschah und gesehen wurde, widersprach
all ihren vorgefaßten Meinungen und rührte die Tiefe ihres Unglaubens auf. Denn
bei solchen Worten mußte Seine persönliche Herrlichkeit stark hervorleuchten.
"Darum nun suchten die Juden
noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbath brach, sondern auch
Gott seinen eigenen Vater nannte, sich selbst Gott gleich machend." (Vers
18)
Beide, der Vater und der
Sohn, wirkten und ruhten nicht. „Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu
töten, weil er nicht allein den Sabbath brach, sondern auch Gott seinen eigenen
Vater nannte, sich selbst Gott gleich machend“(Vers 18). Auch irrten sie sich
bei dieser Folgerung nicht im geringsten. Denn so wie Er dem Geheilten
ausdrücklich auftrug, das zu tun, was, wie Er wußte, zu einem Bruch führen
würde, so leugnete Er nicht noch bekannte Er, daß Gott Sein eigener Vater in
einem Sinne war, wie es für niemand anders als nur für Ihn galt. Das ist die
Wahrheit; und die Wahrheit aller Wahrheiten, die am meisten Gottes würdig ist,
und es ist der Wendepunkt für allen Segen des Menschen. Dadurch erkennt der
Gläubige Gott und hat ewiges Leben; ohne dies ist man ein Feind Gottes, wie die
Juden selbst an jenem Tag und immer danach bewiesen. Verhärtete Menschen,
verdreht und verhängnisvoll geblendete Menschen, die in mutmaßlichem Eifer für
Seine Ehre, umso mehr versuchten, Jesus, Seinen eigenen Sohn zu töten, der in
unendlicher Liebe gekommen war, um den Vater bekannt zu machen und den Menschen
mit Gott zu versöhnen. Aber Gott ist weise und unendlich gut in Seinem Werk; denn
indem Er sie Ihre Bosheit bis zum Äußersten beweisen ließ, zeigte Er, als die
rechte Zeit zum Töten Jesu gekommen war, Seine eigene Liebe im höchsten Maße in
der Versöhnung, indem er Christus, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde
machte, auf das wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm.
"Da antwortete Jesus und sprach
zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich
selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut
auch der Sohn gleicherweise." (Vers 19)
Der Herr greift die
ungläubige Verwerfung Seiner Person auf und stellt die Wahrheit vor, die alles
an den rechten Platz rückt. „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er
den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch der Sohn
gleicherweise“ (Vers 19). Hier wird zum Ausdruck gebracht, daß ein Wille, der
getrennt von Gott dem Vater ist, ganz ausgeschlossen ist. Er spricht von sich
als Mensch auf Erden, Der doch innerlich Gott ist: das besondere Thema unseres
Evangeliums. Er offenbarte hier Gott, Den sonst kein Mensch gesehen hatte oder
sehen konnte; und Er offenbarte Ihn als Vater, wie schwerfällig auch selbst die
Jünger sein mochten, dies zu erkennen, bis die Erlösung den Schleier von ihren
Augen und das Gefühl von Schuld von ihrem Gewissen hinwegnahm, bis die Liebe,
die Ihn dahingab, um dies zu vollenden, von dem Herzen erfaßt wurde. Aber Er
hatte sich herabgelassen, sich an die Stelle der Menschen zu stellen, ohne für
einen Augenblick Seine göttliche Natur und Seine göttlichen Rechte zu
verlieren; und als Solcher lehnt Er den geringsten Schatten von Selbsterhöhung
oder Unabhängigkeit von Seinem, Vater ab. Dies Fleisch kann das jetzt nicht
mehr als damals verstehen; und wie es damals die Juden dazu führte, den Sohn zu
verschmähen, so führt es heute in der Christenheit weithin zu offener Leugnung
Seiner göttlichen Herrlichkeit oder zur praktischen Vermenschlichung Jesu. Von
daher die Anstrengung so vieler Leute, solch ein Symbol wie den athanasianischen
Glauben loszuwerden und die gedankenlose Schläfrigkeit von noch weit mehr
Leuten, die an Ihn nicht mehr als diese glauben. Die Wahrheit ist, das die
Schrift weit über jeden Glauben hinausragt, der jemals zur Erhaltung Seiner
Ehre abgegrenzt wurde; und dies nicht nur in der Lehre Seiner inspirierten
Knechte, sondern in ihrem eigenen Bericht von Seinen Worten, wie hier.
Neben der Tatsache, das Er
der ewige ist, Gott über alles, gepriesen in Ewigkeit, spricht Er von Sich als
Solchem, daß er in dieser Welt als ein Mensch ist, und doch als der Sohn, und
das Er als Solcher nur das tut, was Er den Vater tun sieht; irgend etwas
anderes würde nicht dazu dienen, Ihn kundzumachen. Und dazu war Er hier. Doch
ist Er so wirklich göttlicher Natur, daß, was auch immer der Vater tut, dies
auch der Sohn gleicherweise tut. Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes und
ist allein dafür zuständig, den Vater zu zeigen. Wie vollkommen ist doch das
vereinte Wirken des Vaters und des Sohnes! So lernen wir hier, wie in Joh 10,
ihre Einheit. Es ist nicht nur so, daß der Sohn das tut, sondern Er tut es
gleicherweise. Wie gesegnet ist ihre Gemeinschaft!
"Denn der Vater hat den Sohn
lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als
diese zeigen, auf daß ihr euch verwundert." (Vers 20)
Aber auch die Grundlage,
die der Herr legt, muß betrachtet werden. „Denn der Vater hat den Sohn lieb und
zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese
zeigen, auf daß ihr euch verwundert“ (Vers 20). Es ist wahr, daß die Personen
in der Gottheit wirklich sind, wenn irgend etwas wirklich ist; und so wie die
göttliche Natur moralisch vollkommen ist, so sind es auch die Gefühle, die
herrschen, nicht weniger. Das vereinte Wirken des Vaters und des Sohnes,
unseres hochgelobten Herrn, erklärt sich dadurch, daß der Vater den Sohn lieb
hat, und ihm alles zeigt, was Er Selbst tut; ja, Er läßt sie wissen, wie Er
selbst wußte, daß Ihm größere Werke vom Vater gezeigt werden würden, wie der
letzte teil dieses Evangeliums beweißt, „daß ihr euch verwundert“ – Er sagt
nicht: daß ihr glaubt. Denn er spricht nicht von der Gnade, sondern von der
Macht, die sich im Zeugnis an die Juden offenbart, und die Wirkung davon würde
nicht der Glaube sein, der Gott ehrt, sondern das Erstaunen, daß der häufige
und dumme Begleiter des Unglaubens ist.
"Denn gleichwie der Vater die
Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn lebendig, welche
er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er
dem Sohne gegeben, auf daß alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer
den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat." (Vers
21-23)
Der Herr stellt als
nächstes das ungeheure Wunder der Auferstehung heraus. „Denn gleichwie der
Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn
lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das
ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben, auf daß alle den Sohn ehren, wie sie
den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt
hat.“ (Verse 21-23). Es kann kein Zweifel bestehen, daß , den Toten Leben zu
geben, zu Gott paßt und ihn charakterisiert; aber wenn der Vater das so tut, so
tut es der Sohn nicht weniger, und zwar nicht als Instrument, sondern in
souveräner Ausübung: „der Sohn macht auch lebendig, welche er will“. Er ist
eine göttliche Person genauso richtig wie der Vater, mit vollem Recht und
voller Kraft. Aber noch mehr: Er richtet allein. Das Gericht als Ganzes und in
all seinen Formen ist dem Sohn vom Vater übertragen worden, Der in diesem Sinne
niemanden richtet, mit dem ausdrücklichen Ziel, daß alle den Sohn ehren sollen,
wie sie den Vater ehren. Und so ist es wirklich; denn diejenigen, die nicht den
Gesandten des Vaters, den Sohn, ehren, ehren nicht den Vater, sondern
verunehren Ihn. Nach dem Wohlgefallen des Vaters geht es auf den Sohn über, zu
richten; aber wir werden finden, daß es einen moralischen Grund dafür gibt, der
später erscheint. So wie es ist, lernen wir, daß der Sohn in Gemeinschaft mit
dem Vater lebendig macht, und daß Er allein richtet. So wird Seine Ehre bei
allen Menschen gesichert, die entweder auferweckt werden, wenn sie glauben,
oder gerichtet werden, wenn sie es nicht tun. Denn wie kann eine Seele
wissen, daß sie lebendig gemacht ist und nicht gerichtet werden wird ? Er, der
das Teil, daß einigen zukommt, offenbart und das übrige abwartet, hat das, was
so allumfassend wichtig ist, nicht im Unklaren oder im Zweifel gelassen; Er hat
das ausgesagt, was jedes Menschenkind so stark angeht. Nur der Unglaube darf
oder kann ungewiß sein, obwohl er es in der Tat nicht sein sollte, denn sein
schreckliches Ende ist für andere, wenn nicht für ihn selbst, nur zu deutlich.
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und
kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen."
(Vers 24)
Gott zu verachten, muß von
Dem gerichtet werden, , Den das nicht mehr entehren kann. Was kann auf der
anderen Seite aus Gnaden noch deutlicher sein als das Teil, das unser Herr dem
Glauben verheißt. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und
glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht,
sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen“ (Vers 24) *. Es ging nicht um das Gesetz, sondern um das Hören
von Christi Wort, um das Glauben (nicht an Gott irgendeinem Sinne, wie die A.V.
es angibt, sondern) an Den, Der Christus gesandt hat, um das Glauben an Sein
Zeugnis. Er hatte Seinen Sohn dazu gesandt, daß Er ewiges Leben geben könnte.
Deshalb hat der, der an Ihn glaubt, „ewiges Leben“. Es ist eine gegenwärtige
Gabe Gottes und ein Besitz des Gläubigen, den man im vollen Maße ohne Zweifel
im Himmel genießen wird, aber der doch nichtsdestoweniger wahrhaft jetzt
gegeben ist und hier geübt wird, wo Christus damals war.
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* Der
Gegensatz von Leben und Gericht, wie von Errettung und Gericht in Hebr. 9, 27
und 28, wird hier so deutlich offenbart, wie die Ehre oder Unehre des Sohnes,
daß man sich über das Vorurteil des verstorbenen Professors der Universität
Cambridge, Prof. Knightsbridge, wundern kann, der sich Dr. Gr. Guinneß
entgegenstellt, wo er ebenso viel Recht hatte, wie er selbst hinsichtlich des
Gerichtes in Offenb. 20 Unrecht hatte. Was die Gläubigen betrifft, die
überhaupt nicht in ein Gericht kommen, sieht Mr. T. R. Birks „keinen Grund
außer der veränderten Übersetzung von Alford von Joh. 5, 25, die ich für falsch
halte“ (Gedanken über die Zeiten und Gelegenheiten heiliger Weissagung, S. 65,
1880): eine verwunderliche Äußerung, nicht nur vom philologischen Standpunkt
aus gesehen, da das Griechische keine andere Bedeutung zuläßt, sondern nicht
weniger gewiß als eine Frage der göttlichen Gnade und Wahrheit und der
göttlichen Gerechtigkeit. Es ist nichts anderes als eine irrgläubige oder
ungläubige Beleidigung gegen das Evangelium, ja, sogar gegen das, was ein
alttestamentlicher Heiliger sagen konnte, bevor der Heiland kam, wie in Ps.
143, 2. Wenn die Offenbarwerdung aller, ganz absolut gesehen, vor dem
Richterstuhl Christi abgeschwächt werden sollte, wäre kein Grund für eine sehr
ernste Warnung gegeben gewesen. Aber es wird übereinstimmend festgestellt, daß
jeder von uns Gott Rechenschaft ablegen muß und das empfangen muß, was er zu
Lebzeiten gewirkt hat, es sei gut oder böse. Dieses jedoch gibt uns kein Recht
dazu, Christi Wort zu verleugnen oder das ausgesprochene Vorrecht des Gläubigen
abzulohnen, daß er nicht in das Gericht kommt oder an jenem Tag eine
„Freisprechung“ braucht, nachdem er schon gerechtfertigt ist. Der Lehre nach
verunehrt es den Herrn und sein Werk, noch mehr als den Glauben des Heiligen;
es läßt solche wieder in Zweifel und Finsternis zurücksinken, die die Gnade
durch den Glauben gerettet hat; es würde wieder Traurigkeit über geübte Herzen
hereinbrechen lassen, die die falsche Deutung von Joh. 5 und 1. Kor. 11 hat
aufkommen lassen. Diese falsche Deutung in der A.V. ist ohne Zweifel in der
R.V. verbessert worden. Was die „veränderte Übersetzung von Alford“ angeht, so
sei dazu bemerkt, daß die A.V. von Joh. 5,22 und 27 den Irrtum in Vers 24 und
29 verbessert. Es ist überall das gleiche Wort krivsi", das unbestrittenerweise „Gericht“ bedeutet, nicht
Verurteilung oder „Verdammung“, wie
katavkrima,
so wie das Verb (22 und 30) „richten“ bedeutet. Auch ist es nicht wichtig, die
Unwissenheit solcher Rede zu beachten, wie Dean A. sie tut, in Anbetracht
dessen, daß die vielleicht einflussreichste aller Fassungen, die Vulgata,
sowohl in Joh. 5 als auch in 1. Kor.11 richtig liegt, wo sich die A.V.
jämmerlich und unverzeihlich geirrt hat. In den Evangelium waren d alten
lateinischen Fassungen Vercell.
Veron. Brix. Etc. richtig.
Viele der orientalischen Fassungen sind richtig ; einige schwanken,
wie A.V. zum Verderben der festen Wahrheit über einen Gegenstand, der von
großer Bedeutung ist. Aber wo die Lehre über das ewige Gericht nicht in Ordnung
war, ist es nicht überraschend zu hören, daß es dort na Glauben an ewiges Leben
und seine Befreiung vom Gericht hapert. |
Aber
da ist noch mehr als die gegenwärtige Mitteilung eines neuen Lebens durch Glauben,
eines Lebens, dessen Quelle und Wesen Christus, und nicht Adam ist; wer das
Leben hat, kommt nicht ins Gericht. D A.V. sagt „Verurteilung“, „Verdammung“;
aber der Herr sagt mehr als dies: der Gläubige „kommt nicht ins Gericht“. Er
wird vor Christi Richterstuhl offenbar werden; er wird von allem, was er zu
Lebzeiten getan hat, Rechenschaft ablegen; aber er kommt nicht, wenn man
Christus glauben darf, ins Gericht. Es wird bei ihm niemals darum gehen, ob er
verloren geht oder nicht. Eine seltsame Auffassung! Nachdem man abgeschieden ist, „um bei Christus zu
sein, denn es ist weit besser“, ja sicherlich, nachdem man in die Gleichheit
Seiner Herrlichkeit verwandelt ist, sollte man gerichtet werden! Man denke an
den „Jünger, welchen Jesus liebte“; wenn er verherrlicht ist, soll er vor ein
so schreckliches Gericht! Es ist gleicherweise für jeden anderen Gläubigen
unvereinbar; denn das ewige Leben ist für alle dasselbe. Das Heil hat für
niemand Schattierungen, genauso wenig wie Christus. Nein! Solch ein Gedanke ist
Theologie, die allzu verbreitete Lehre der Christenheit, der protestantischen
oder katholischen, arminianischen oder kalvinistischen; aber es steht im
direkten Widerspruch zu den klaren und sicheren Worten Christi.
All die großen
englischen Übersetzungen,
Wiclif, Tyndal, Cranmer und Genfer Fassung, ebenso wie die Authorised Version
sind hier falsch. Als einzige sozusagen ist die rhemische Fassung richtig, die
hierbei der Vulgata folgt: ohne Zweifel ein bloßer Zufall, denn keine sonst ist, durch ihre eigene
Übersetzung
geleitet, so weit von der Wahrheit und von der Erkenntnis von der Bewahrung vor
dem Gericht entfernt wie die Lehrer der röm.-kath.
Kirche. Und niemand ist im nächsten
Satz so ungläubig,
denn sie scheinen wirklich den Herrn sagen zu lassen: "wird vom Tode in das
Leben übergehen".
Er hat in Wirklichkeit gesagt xxxx (Griech.), "sondern er ist aus dem Tode in
das Leben übergegangen"
(das gegenwärtige
Ergebnis einer vergangenen Handlung). Hier stimmen die protestantischen
Fassungen, Wiclif ist unklar, die rhemische Fassung ist falsch. Und da gibt es
noch nicht einmal die Entschuldigung mit der Vulgata, die liest "transiit" (ist
übergegangen). Möglicherweise
lesen sie "transiet" (wird übergehen):
aber wenn, dann war es ein Irrtum, den einige Kopien der lateinischen Fassung
verbessert haben würden,
wenn sie das inspirierte Original nicht kannten.
Wie dem auch sei, die Wahrheit, die unser Herr vorbringt, ist von größter
Bedeutung: möchte
doch jeder Gläubige
sie erkennen und sich ihrer Treuen mit Einfalt und in ihrer ganzen Fülle,
wie dieser eine Vers sie darstellt! Es ist Christi Wort, das in göttlich gegebenem Glauben aufgenommen wird, und das erweckt die Seele: es
ist hier und anderswo kein Gedanke an irgend solch eine Kraft in einer
zelebrierten gottesdienstlichen Verordnung. Aber der Glaube schätzt
Sein Gericht nicht gering; im Gegenteil, der Gläubige
beugt sich ihm jetzt moralisch in Seinem Wort, er empfängt
Gottes Zeugnis für Seinen Sohn, und er ist aus dem Tode in das Leben
übergegangen.
Der Herr hat so die Frage beantwortet, die Seine ernsten Worte in jeder gottesfürchtigen
Seele aufwerfen würden.
Er hatte gezeigt, daß
es nicht um das Gesetz oder eine Verordnung ging, sondern um das Hören
Seines Wortes und das Glauben an den Vater, Der Ihn gesandt hatte. Nur solche
haben ewiges Leben; aber der, der so glaubt, hat es jetzt. Wie gesegnet und wie
sicher ist sein Anteil in Christus!
Als nächstes
wendet Er Sich zu dem allgemeineren Zustand der Dinge.
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch; daß
die Stunde kommt und jetzt ist, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören
werden, und die sie gehört
haben, werden leben" (Vers 25).
Es ist in der Tat eine traurige Wahrheit: die Menschen mit all ihrer Geschäftigkeit
dar Welt sind hier "die Toten". Auch geht es hier nicht um eine strengere Moral
oder eine heiligere Religion. Sie mögen
sich das eine oder auch das andere aneignen und doch Mangel an Leben haben.
Dogmatik kann es ebenso wenig geben wie Ritual. Es strömt
von dem Sohn Gottes, Der lebendig macht, Wen Er will; und doch geschieht es
durch Glauben, und so durch das Wort, was der Geist glühend
darbietet.
Hier ist der Punkt, wo der Evangelikalismus schwach ist und der Sakramentalismus
falsch ist. Wenn der letztere irrgläubig
einer geschaffenen Verordnung die Ehre zuerteilt, die allein einer göttlichen
Person zukommt, so kennt der erstere die Wahrheit nicht und setzt sie herab,
indem er von einem bekehrten Charakter spricht und davon, Gott zu weihen, was
einst dem Ich und der Sünde
verschrieben war; aber keiner von beiden schätzt
das totale Verderben des Menschen angemessen ein, und folglich auch nicht die
absolute Notwendigkeit und wirkliche Kraft göttlicher
Gnade. "Die Toten" sind die Menschen im allgemeinen jetzt, bis sie von Gott
geboren sind. Es ist kein Bild für
die kommende Auferstehung, ob der Gerechten oder der Ungerechten, die in den
Versen 28 und 29 folgt, sondern ein Bild der gegenwärtigen
Zeit, wie der Herr Selbst mitteilt; denn es "ist jetzt, wenn die Toten die
Stimme des Sohnes Gottes hören
werden". Seine Stimme geht im Evangelium aus an "alle Welt", und "die sie gehört haben, werden leben". Das ist das Mittel und die Verfassung des
Lebens. Es erfordert Glauben, daß
dies durch Gnade geschieht. Die äußerste
Ohnmacht des Menschen ist ebenso offenbar und gewiß
wie Seine herrliche Kraft.
Die gehört
haben, werden leben. Ach! die Masse der Menschheit hat Ohren, aber hört
nicht; selbst bei den Juden, war da, als sie Ihn sahen, kein Ansehen, daß
sie Seiner begehrt hätten. Sei es ein irrgläubiger
oder skeptischer Mensch, er unterwirft sich nicht dem Urteil Gottes
über
seinen eigenen Zustand, auch fühlt
er folglich nicht die Notwendigkeit der souveränen
Gnade in Christus, Der allein das Leben geben kann, das der Mensch jetzt und in
Ewigkeit vor Gott braucht. Aber was auch immer die Gnade Gottes sei, Er wird dafür
sorgen, daß
Sein Sohn geehrt wird, und zwar jetzt durch das Hören
Seines Wortes und das Glauben an das Zeugnis Dessen, Der Ihn gesandt hat. Dies
stellt den Menschen ganz auf die Probe, was das Gesetz nur teilweise konnte.
Denn niemals vertraut der Mensch als Sünder
Gott für
das ewige Leben, bis die Gnade ihn seine Sünden
sehen läßt
und sich selbst ganz mißtrauen
läßt.
Wie froh ist er dann, zu erfahren, daß
die Güte
Gottes in Christus ewiges Leben gibt und daß
Er Ihn gesandt hat, damit er es erkennen könnte!
Wie bereitwillig gibt er zu, daß
er selbst einer "der Toten" ist, was kein Mensch wirklich tut, bis er aus dem
neuen Leben lebt, das in Christus ist! Wie beugt er sich von Herzen vor dem Sohn
Gottes und preist den Gott, Der Ihn in Liebe und Erbarmen gesandt hat, weil Er
nicht den Tod des Sünders
will, sondern vielmehr daß
er leben könne
durch Seinen Namen!
Aber derselbe Unglaube, der zu alten Zeiten in den Juden das Gesetz verletzte
und nach Götzen
trachtete, vertraut jetzt bei den Heiden auf eine Verordnung dafür,
wodurch die erhöht
werden, die sich ihren gültigen
und ausschließlichen
Dienst anmaßen;
oder er mißtraut
offen Gott und behandelt Seinen Sohn geringschätzig,
indem sie ohne Ihn auf sich selbst vertrauen. Sie sind die religiös
oder weltlich Ungläubigen.
Sie sind "die Toten" und haben nie die Stimme des Sohnes Gottes gehört,
sondern nur die ihrer Priester oder ihrer Philosophen. Wie auch immer sie sich
brüsten,
sie werden nicht leben, denn sie haben Christus nicht, sondern haben nur Ideen,
eingebildete oder rationale Gedankengebäude;
nicht die Wahrheit, die untrennbar mit Christus verbunden ist und durch Glauben
zur Verherrlichung Gottes und zur Vernichtung menschlicher Anmaßungen
aufgenommen wird.
Es ist von höchster
Wichtigkeit zu sehen, daß
jede Wahrheit in der Person Christi gipfelt, Der von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott
ist und Sich herabgelassen hat, Mensch zu werden, ohne die göttliche
Herrlichkeit im geringsten aufzugeben, aber doch um treu die der Menschheit
eigene Stellung anzunehmen. Von daher kommt die besondere Ausführung
des Herrn im folgenden Teil. Ein falsches Verständnis
hiervon hat nicht wenige Theologen von Bedeutung an den Rand, wenn nicht sogar
in die Untiefe, grundlegenden Irrglaubens gebracht.
"Denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat, also hat er auch dem Sohne
gegeben. Leben zu haben in sich selbst: und er hat ihm Gewalt gegeben, auch
Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist" (Verse 26 u. 27).
Der Herr spricht hier offenbar als der Herabgekommene, als Mensch, als Gesandter
Gottes und als Diener der göttlichen
Ratschlüsse,
und nicht als Der, Der über
allem ist, Gott gepriesen in Ewigkeit, obwohl beides in Seiner Person vereint
ist. Als der ewige Sohn macht Er lebendig, wen Er will; als in Niedrigkeit
gekommen ist es Ihm von dem Vater gegeben, Leben in Sich Selbst zu haben. Von
einer Frau geboren, ist Er doch noch Sohn Gottes (Luk. 1,35). Aber die Menschen
verachten den Menschen Christus Jesus. Einige vertrauen auf sich selbst, daß
sie gerecht sind, und alle mögen
Ihn nicht leiden, Der nicht Seinen eigenen Willen tat, sondern den Willen
Dessen, Der Ihn gesandt hatte. Er, Der nach dem Willen des Vaters lebte, ist
allen ein Anstoß,
die sich selbst leben, und solche hassen Ihn die untereinander ihre eigene Ehre
suchen. Sie mißbrauchen
Sein Menschsein, um Sein Gottsein abzuleugnen. Sie haben kein Leben, denn sie
haben keinen Glauben. Aber sie können
dem Gericht nicht entrinnen, und zwar einem Gericht, das genau in der Natur des
Menschen ausgeübt
wird, für
die sie den Sohn Gottes verwarfen.
Als Sohn des Menschen wird der Herr Jesus auf dem Thron sitzen. Ohne Zweifel
wird Er Seine göttliche
Erkenntnis bei Seinem Richteramt zeigen; aber, wie Er ausdrücklich
sagt, es wird Ihm von dem Vater das Recht gegeben, Gericht auszuüben,
weil Er der Sohn des Menschen ist. Als Sohn Gottes macht Er lebendig; als Sohn
des Menschen wird Er richten. Wie ernst! Wäre
Er nur Sohn Gottes gewesen, wer würde
es gewagt haben, Ihn zu verachten? Das Licht Seiner Herrlichkeit hätte
sofort jeden stolzen Feind aus Seiner Nähe
verzehrt. Es war Seine Gnade, die Menschen in Seiner Menschwerdung zu erretten,
die Ihn der Verachtung auf Seinem Weg des demütigen
Gehorsams und des Leidens in Liebe aussetzte. Der Erzengel ist ein Diener; Er
ließ
Sich herab, einer zu werden (Phil. 2,6 u.7). Aber der Gott dieser Welt machte
sie blind, so daß
sie Den nur für
einen Menschen hielten, Der Sich niemals mehr vor denen, die Augen hatten, es zu
sehen, als Gott bewies. Wenn sie Ihn bei Seinem Werk der Gnade verschmähten,
wie wird es sein, wenn Er Gericht ausübt,
und das als Sohn des Menschen? Das ist das Urteil Gottes.
"Wundert euch darüber
nicht, denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern
sind, seine Stimme hören
und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens,
die aber das Böse verübt
haben, zur Auferstehung des Gerichtes" (Verse 28 u. 29).
So wird eine andere Stunde verkündigt,
die sich von dem, was "jetzt ist" und nur "kommt", unterscheidet, eine Stunde,
die nicht dazu dient, solche aus den Toten lebendig zu machen, die die Stimme
Christi hören,
sondern wo "alle, die in den Gräbern
sind", auferweckt werden. Es ist die Stunde der richtigen Auferstehung; und
der Herr verneint mit Sorgfalt den weitverbreiteten Gedanken einer allgemeinen
Auferstehung. Nicht so; hier, wie anderswo erfahren wir von zwei ganz und sehr deutlich unterschiedenen
Auferstehungen, was den Charakter angeht, so wie wir in Offenb. 20 sie der Zeit
nach unterschieden finden, wo das Tausendjährige
Reich und noch mehr dazwischen liegt.
Es gehörte
nicht in den Bereich der Rede des Herrn oder der Absicht des Geistes in diesem
Evangelium, die Ordnung der Ereignisse chronologisch geordnet zu offenbaren. Das
hat seinen passenden Platz in der großen
Weissagung des Neuen Testamentes. Aber der weit tiefere Unterschied ihrer
Beziehung zu Christus Selbst, gesehen als Sohn Gottes und Sohn des Menschen,
wird uns in wenigen Worten von höchster
Bedeutung vor Augen gestellt - ein Unterschied, der bestehen würde,
wenn nicht mehr als 10 Minuten zwischen ihnen lägen,
aber der noch deutlicher und eindrucksvoller dadurch wird, daß
die Offenbarung uns einen Zwischenraum von mehr als 1000 Jahren sehen läßt.
Wie groß
ist die Verwirrung in der Theologie der Schulen und Kanzeln, die ein einziges
vermischtes Auferstehen von Gerechten und Ungerechten annimmt, und dies hauptsächlich
aufgrund einer so absurden Auslegung wie dieser, daß
man Matth. 25,31-46, auf die Auferstehung deutet! Denn dies ist ganz gewiß
ein Gericht über
die Lebendigen, über "alle Nationen", vor dem Sohn des Menschen, wenn Er wieder in
Herrlichkeit kommt; nicht das Gericht der bösen
Toten und ihrer Werke vor dem großen
weißen
Thron, nachdem Himmel und Erde geflohen sind und jede Frage des Wiederkommens
gelöst
ist, Es ergibt sich weiter das Pech aus dieser Auslegung, daß
sie dahin zielt, glauben zu machen, daß
Gerechte und Ungerechte in das Gericht kommen, was zur Vernichtung der
Hauptwahrheit des Evangeliums führt, die Leben und Gerecht als Gegensätze behandelt, wie wir es in den Worten unseres Heilands gesehen haben
und auch anderswo finden können.
Da gibt es bei den beiden "Stunden" diesen wesentlichen Unterschied, daß,
während
bei der ersten einige nur aus Gnade Seine Stimme hören
und Leben haben, bei der zweiten alle, die in den Gräbern
sind, die Stimme hören werden und herauskommen werden. Denn es gibt nicht mehr eine
Vermischung von Gerechten und Ungerechten. In der Welt waren sie mehr oder
weniger durcheinandergewürfelt.
Auf dem Feld, wo der gute Same gesät
wurde, säte
der Feind Unkraut; und im Gegensatz zu den Knechten entschied der Herr, daß
beides miteinander wachsen solle bis zur Ernte. Aber in der kommenden Stunde
gibt es keine Vermischung mehr: die ernste Trennung von allen findet statt, "die
das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse
verübt
haben, zur Auferstehung des Gerichts". Denn das ewige Leben in Christus ist
niemals ohne Wirkung, und der Heilige Geist, Der dem Gläubigen
aufgrund der Vollendung der Erlösung
und der Himmelfahrt Christi gegeben ist, wirkt in jenem Leben, damit es die
Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Verherrlichung und zum Lob
Gottes gibt. Deshalb werden diejenigen, die geglaubt haben, als solche
gekennzeichnet hier, die das Gute getan haben, und da dies seinen Ursprung in
dem Leben hatte, so ist sein Ausgang eine Auferstehung des Lebens; während
solche, die kein Leben hatten, da sie Ihn verwarfen, Der die Quelle des Lebens
ist, als solche beschrieben werden, "die das Böse
verübt
haben", und ihr Ende ist eine Auferstehung des Gerichts. In der Stunde, die
jetzt ist, wollten sie den Sohn Gottes in all Seiner Gnade nicht haben; sie müssen
von dem Sohn des Menschen
in der Stunde, die kommt, gerichtet werden. Die beiden Auferstehungen sind so
voneinander verschieden, wie das Wesen derer, die in der jeweiligen Auferstehung
auferstehen. Aber Jesus ist Herr über alle und erweckt alle, wenn auch nach verschiedenem Grundsatz, von
verschiedener Art und zu verschiedenem Ziel.
Nichts kann deutlicher sein als der Anspruch des Sohnes auf die Machtfaktoren,
die am meisten Gott den Vater charakterisieren, das Lebendigmachen und das
Auferwecken der Toten; nichts ist deutlicher als der Entschluß
des Vaters, die Ehre Seines eingeborenen Sohnes zu stärken.
Denn jeder Anspruch und jede Form von Gericht ist dem Sohn des Menschen
übertragen,
und das mit der ausdrücklichen
Absicht, daß alle den Sohn ehren sollen, wie sie den Vater ehren. Aber das
Lebengeben ist die Tat der Gnade in ihrem vollsten Wesen, wie das Gericht die
Verteidigung der Ehre des Sohnes bei denen ist, die Ihm ausgewichen sind und
niemals ewiges Leben oder Errettung gehabt haben. Diese beiden Dinge miteinander
zu vermischen, ist die Uneinsichtigkeit des Menschen und seiner Tradition, und
das ist der vollen Offenbarung ganz entgegengesetzt. Es ist ein Irrtum von großem
Ausmaß.
Der Herr spricht noch als Sohn, aber als Mensch auf Erden, und in Vers 30
verbindet Er das, was Er schon offenbart hatte, mit den verschiedenen Zeugnissen
für
Seine Herrlichkeit in dem, was folgt. Er war der Richtige für
die Aufgabe des Richtens, wenn Er auch der Niedrigste unter den Menschen war;
und das gerade deshalb, weil Er in keinem Seiner Wege oder Gedanken von dem
Vater unabhängig war. Es ist die Vollkommenheit des Menschen; Er allein war so, Der
Er es nicht für
einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber als Gott war Er zur Verherrlichung
Gottes Mensch geworden; und deshalb sagt Er:
"Ich kann nichts von mir selbst tun: so wie ich höre,
richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen,
sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat" (Vers 30).
Er sah und hörte
als der vollkommen abhängige
und gehorsame Mensch, obwohl keiner außer
einer göttlichen
Person solch einen Rang hätte
einnehmen können.
Er hatte einen Willen, aber dieser wurde in gänzlicher
Unterwerfung gegenüber
dem Vater gebraucht. Er sah, was der Vater tat, um dasselbe gleicherweise zu
tun; Er hörte
mit offenem und wachem Ohr Morgen für
Morgen, um zu hören,
gleich solchen, die gelehrt werden, und so richtete Er; und Sein Gericht war
gerecht. Da gab es nichts, was Ihn ablenken oder irreführen
konnte, obwohl einer da war, der das mit aller List versuchte. Aber er wurde
vernichtet und versagte auf der ganzen Linie, denn hier griff er nicht den
ersten Menschen an, sondern den Zweiten Menschen, Der gekommen war, um den
Willen Gottes zu tun. Solch eine Herzensabsicht bewahrt Einfalt des Auges und
nicht abschweifende Treue. So wandelte der Gesandte immerfort. Wer, Menschheit,
ist so würdig
und geeignet zu richten, und das als Mensch?
Als nächstes
werden wir zu den Zeugnissen geführt,
die für
Ihn gegeben werden.
"Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist
es, der von mir zeugt, und ich weiß,
daß
das Zeugnis wahr ist, welches er von mir zeugt. Ihr habt zu Johannes gesandt,
und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem
Menschen, sondern dies sage ich, auf daß
ihr errettet werdet. Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber
wolltet für
eine Zeit in seinem Lichte fröhlich sein"
(Verse 31-35).
Johannes der Täufer
ist dann das erste Zeugnis, das der Herr in seiner bereitwilligen und ewigen
Liebe aufzählt,
was nichts von Seinem eigenen Zeugnis aussagte, wenn sie irgendwie
Überführt
werden könnten
und der Wahrheit glauben könnten.
Dazu war Er geboren und in die Welt gekommen. Er lebte um des Vaters willen, Der
Zeugnis über
Ihn gab. Niemals war Sein Zeugnis ein eigennütziges
oder isoliertes Zeugnis; denn Er wollte es aufgeben und weist auf Seinen Vorläufer.
Zu diesem Zweck war Johannes ohne Zweifel erweckt worden, und man kann sich kein
Zeugnis von Menschen vorstellen, daß
noch unanfechtbarer ist. Seine Geburt, sein Leben, sein Predigen, sein Tod -
alles trug den Stempel der Wahrhaftigkeit; und nie hatte jemand so auf einen
anderen hingewiesen, wie er auf den Herrn Jesus. Die Juden hatten auch in allem
Ernst seinen Tod gesucht, und er war nicht davor zurückgeschreckt.
Wer sonst hatte jemals in dieser Art vor und nach dem Kommen des Zieles seines
Zeugnisses Zeugnis gegeben? Er war nicht der Christus, wie er bekannte und nicht
leugnete, als Menschen bereit waren, ihm die Ehre ange-deihen zu lassen, die dem
Meister zustand. Auch suchte Christus auf der anderen Seite kein Zeugnis von
Menschen; doch wozu neigte Er Sich nicht herab, damit Seelen gerettet werden könnten?
Wenn jedoch ein Mensch überhaupt
gebraucht werden sollte, so war kein größerer
unter den von Frauen Geborenen aufgekommen als Johannes, wie der Herr sagt. Die
brennende und scheinende Lampe war für
eine Zeit eine Quelle der Freude gewesen; aber die Menschen sind unbeständig,
und das Zeugnis dessen, der wirklich "eine Stimme in der Wüste"
war, wurde abgelehnt.
Das zweite und größere
Zeugnis erkennen wir in den Werken Christi.
"Ich aber habe das Zeugnis, das größer
ist als das des Johannes: denn die Werke, welche der Vater mir gegeben hat, auf
daß
ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, daß
der Vater mich gesandt hat" (Vers 36).
Die Werke Christi zeugen in jeder Weise nicht bloß von der offenbarten Macht, sondern auch von ihrem Charakter. Was für
eine Gn ade und Wahrheit, wie sie in Ihm ist, leuchtet durch sie hervor!
Das dritte Zeugnis ist die Stimme des Vaters.
"Und der Vater. der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr
habt weder jemals seine Stimme gehört
noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn
welchen er gesandt hat, diesem glaubet ihr nicht " (Verse 37 u. 38).
Dies Zeugnis für
die Beziehung und die Herrlichkeit des Sohnes erhebt sich noch höher
- wir könnten
gedacht haben, es ging bis zum höchsten
Punkt, wenn nicht unser Herr noch ein anderes und krönendes
Zeugnis hinzugefügt hätte,
was sich auf das bezieht, was die degenerierte Christenheit jetzt mit Verachtung
zu verlassen lernt, zu ihrem eigenen Verderben und zum raschen Gericht.
Das vierte und krönende
Zeugnis ist das der Schrift.
"Ihr erforschet die Schriften, denn ihr meinet, in ihnen ewiges Leben zu haben,
und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, auf daß
ihr Leben habet" (Verse 39 u. 40).
Der praktische Unterschied zwischen dem Indikativ und dem Imperativ ist nicht
groß,
weil der Zusammenhang entscheidet, daß
es ein Appell ist, wie es wohl beachtet worden ist, und nicht so sehr ein
Befehl. Sie waren nicht so verblendet, daß
sie annahmen, ewiges Leben in sich selbst
zu haben; sie suchten danach in den Schriften, und so erforschten sie sie gewöhnlich,
wie sie es mehr oder weniger heute auch tun. Aber wenn auch die Schriften von
dem Herrn Jesus zeugen, so sind sie doch nicht bereit, zu Ihm zu kommen, um das
Leben haben zu können,
das Er allein geben kann. Denn die Schriften können kein Leben getrennt von Ihm geben, und auch der Vater nicht; doch
sind die Schriften das feststehende Zeugnis von Christus, die ständig
von Ihm als der offenbarten Quelle für
den Menschen und Triumph für
Gott reden, und das in Güte
und nicht bloß
im Gericht, was zur
äußersten
Verwirrung des Feindes und all derer dient, die mit ihm gegen Gott Partei
ergreifen. Die Gegenwart Christi stellte nicht bloß
den Menschen in seinem Elend und seiner völligen
Gottesferne auf die Probe, sondern auch die, die mit jenen Weissagungen Gottes
so vertraut waren; und der Sohn, der Heiland, muß,
von den Juden verachtet, über
die das Urteil fällen, die so willig ihren eigenen besten Zeugnissen von Ihm ausweichen:
"Ihr wollt nicht zu mir kommen, auf daß
ihr Leben habet".
War es denn so, daß
der Herr Jesus gegenwärtige Ehre suchte? Sein ganzes Leben von Seiner Geburt bis zu Seinem Tod
erklärte
mit einer Deutlichkeit, bei der sich niemand irren konnte, genau das Gegenteil.
Wie war es mit Seinen Gegnern?
"Ich nehme nicht Ehre von Menschen; sondern ich kenne euch, daß
ihr 4ie Liebe Gottes nicht in euch habt. Ich bin in dem Namen meines Vaters
gekommen, und ihr nehmet mich nicht auf; wenn ein anderer n seinem eigenen Namen
kommt, den werdet ihr aufnehmen" (Verse 41-43).
"Ehre von Menschen" ist der Angelpunkt bei der Welt: Jesus suchte sie nicht nur
nicht, sondern Er nahm sie auch nicht. Er tat immer das, was dem Vater gefiel,
Der Ihm den Auftrag gab, was Er sagen und reden sollte. Er hielt die Gebote
Seines Vaters und blieb in Seiner Liebe. Die Juden hatten in keiner Weise die
Liebe Gottes in sich: ehrgeizig nach menschlicher Ehre und in Selbstgefälligkeit
schreckte ihre Seele vor Jesus zurück
und verabscheute Ihn, so wie Seine Seele für
sie in die Enge getrieben wurde. Sein Kommen hatte sie auf eine neue und größere
Probe gestellt. Er hatte ihnen Gott, ja, den Vater, zu nahe gebracht; aber sie
kannten weder Christus noch den Vater: wenn sie den einen gekannt hätten,
hätten
sie auch den anderen gekannt.
Aber da sollte noch eine andere Prüfung
kommen: nicht Sein Kommen im Namen des Vaters mit dem einfachen Bestreben,
Seinen Willen zu tun und Ihn zu verherrlichen, sondern ein anderer sollte in
seinem eigenen Namen kommen. Dies würde
dem Juden - den Menschen - passen. Selbstverherrlichung ist sein Gift und Satans
Köder,
und dadurch ist dies unter göttlichem
Gericht ein unheilbares Verderben. Es ist der Mensch der Sünde
im Gegensatz zu dem Sohn Gottes, dem Mann des Gehorsams und der Gerechtigkeit;
und entsprechend, wie wir gehört
haben, daß
der Antichrist kommt, so sind sogar jetzt viele Antichristen gekommen. Aber
die Gegenwart des Antichristen wird dem Werk Satans entsprechend sein, in aller
Macht und mit allen Zeichen und Wundern der Bosheit und mit jedem Betrug der
Ungerechtigkeit an denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe der Wahrheit,
um errettet zu werden, nicht angenommen haben. Sie wollten den wahren Gott und
das ewige Leben in dem Sohn, der in Liebe zu den Menschen Mensch geworden war
und litt, nicht haben; sie werden den Menschen von Satan annehmen, wenn er sich
erhebt, um Gott zu sein. Das ist die große
Lüge
am Ende, und diejenigen, die die Wahrheit in Christus verworfen haben, werden
darin verloren gehen.
Auch kann nichts an solch einem Ende für
diejenigen, die die Wege des Menschen von Anfang an kennen, merkwürdig
erscheinen.
"Wie könnt
ihr glauben, die Ihr Ehre voneinander nehmet und die Ehre, welche von Gott
allein ist, nicht suchet?" (Vers 44)
So ist die Welt, die Seine, wo der Mensch in eitlem Aufzug wandelt, wo er seine
Seele preist, während
er lebt, und gepriesen wird von seinen Mitgenossen, wenn er sich selbst etwas
Gutes getan hat; aber solche Menschen werden nie das Licht sehen. Dieser ihr Weg
ist ihre Torheit, auch wenn die Nachwelt mit noch so großem
Entzücken
an ihrem Munde hängt. Wie Schafe werden sie ins Grab gelegt; der Tod wird sie weiden, und
der Stab wird über
sie herrschen am Morgen. Wenn Gottes "Kindern" empfohlen wird, sich von den Götzen
fernzuhalten, so kann man sich nicht wundern, daß
die Abgötterei
des Menschen - des Ich - der Tod des Glaubens ist. Jeder Gegenstand ist eher
willkommen als der wahre und einzige Gott, Der mit jedem verfahren wird nach
seinen Werken; Er wird denen, die in der Geduld der guten Werke nach
Herrlichkeit Ehre und Reinheit streben, das ewige Leben geben; aber denen, die
streitsüchtig
sind und der Wahrheit nicht gehorchen und der Ungerechtigkeit folgen, wird Zorn
und Entrüstung,
Trübaal
und Pein zuteil werden.
Klagt der Herr denn die Juden an? Nein: sie rühmten
sich des Mose, aber sie werden bei Ihm ein für
sie verhängnisvolles
Zeugnis finden.
"Wähnet
nicht, daß
ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist einer, der euch verklagt. Moses,
auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet
ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften
nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?" (Verse 43-47).
Niemals wurde auf das geschriebene Wort solch eine Ehre gelegt. Wenn
irgendeiner überhaupt,
so hatte Jesus Gottes Wort in Sich. Keiner jemals hatte die Worte des Vaters und
Sein Wort so wie Er; keiner machte sie so unveränderlich
und zu allen Zeiten bekannt wie Er; doch setzt Er die Schriften der Bibel
über Seine
eigenen Worte, als ein Zeugnis an das jüdische Gewissen. Es ging nicht um einen höheren Anspruch in den Worten oder in dem Charakter der mitgeteilten
Wahrheit; denn niemand zu alten Zeiten konnte sich mit den Worten Christi
vergleichen. Der Vater hatte Selbst auf dem heiligen Berg den törichten
Worten von Petrus, der Mose, Elia und den Herrn in drei Hütten
mit gleicher Herrlichkeit setzen wollte, geantwortet.
Nicht so. "Dies ist mein geliebter Sohn: Ihn höret". Der Gesetzgeber und der Prophet, sie müssen
sich vor Jesus beugen. Sie hatten ihren Platz als Diener: Er ist Sohn und Herr
über
alles. Sie ziehen sich zurück
und lassen Ihn als alleinigen Gegenstand des Wohlgefallens des Vaters und
unserer Gemeinschaft mit dem Vater durch das Hören
auf den Sohn Jesus Christus unseren Herrn zurück.
Nichtsdestotrotz ist es der Sohn Selbst, Der hier den Schriften von Mose einen
Platz im Zeugnis gibt, der über
Seine eigenen Worte hinausgeht; nicht weil der Diener dem Meister
gleichgekommen ist oder die Zehn Gebote der Bergpredigt, sondern weil die
Schrift als solche einen Charakter der Dauerhaftigkeit im Zeugnis hat, den man
nur beim geschriebenen Wort hat. Und Mose schrieb von Christus aus
notwendigerweise göttlicher
Kraft heraus, als ein Prophet von einem "Propheten, der in die Welt kommen
sollte", von dem Propheten, der unvergleichlich mehr war als Prophet, dem Sohn
Gottes, Der jeden Gläubigen
lebendig macht und jeden Spötter
richten wird, der die letzteren aus dem Grab auferwecken wird zur Auferstehung
des Gerichts und die ersteren zur Auferstehung des Lebens. Wenn die Juden Mose
geglaubt hätten,
hätten
sie Christus geglaubt: Worte, die uns lehren, daß der Glaube nicht solch eine träge
Sache ist, zu der einige ihn machen möchten;
denn die Juden stellten in keiner Weise etwas in Frage, sondern nahmen seine
Schriften als göttlich
an. Aber 'nicht zweifeln' ist noch weit davon entfernt, 'zu glauben'; und sie
sahen in keinem seiner Bücher
das große
Ziel des Zeugnisses, das in allen steckt, von Jesus dem Messias, einem Menschen,
der noch viel mehr ist als Mensch, einem göttlichen
Heiland der Sünder und Opfer für
Sünden,
dem Lamm Gottes, das die Sünde
der Welt hinwegnimmt. Wenn sie Mose geglaubt hätten,
hätten
sie auch Ihm geglaubt, denn er hatte von Ihm geschrieben. Aber wenn sie seinen
Schriften nicht glaubten, erwartete der Heiland nicht, daß
sie Seinen eigenen Worten Glauben schenken würden.
Wie wird die Autorität
von diesen Schriften gewürdigt,
die selbstzufriedene Menschen als unzuverlässig
angegriffen haben! Sie wagen es, uns zu sagen, daß
sie weder im Ursprung mosaisch sind noch messianisch im Zeugnis, sondern eine
Menge Legenden, die nicht einmal in ihren armseligen und menschlichen Berichten
früher
Tage zusammenhängend
sind. Auf der anderen Seite erklärt
der Richter über
Lebendige und Tote, daß
die Schriften von Ihm zeugen und daß
Mose von Ihm geschrieben hat, wobei Er das niedergeschriebene Wort in Hinsicht
der Autorität
noch über
Seine eigenen Worte setzt. Da der Heiland und der Rationalismus so im direkten
Widerstreit stehen, zögert
der Christ nicht, was er annehmen und was er verwerfen soll, denn man kann nicht
beiden Herren dienen. Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben,
oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. So ist es, und so muß
es sein und sollte es sein; denn Christus und der Rationalismus sind
unvereinbar. Diejenigen, die behaupten, beiden Richtungen zu folgen, haben in
beider Hinsicht kein Prinzip und sind dogmatisch gesehen die gefährlichsten
Menschen von allen. Nicht nur, daß
sie die Wahrheit nicht besitzen, sondern sie machen sogar die Liebe zur Wahrheit
zum unmöglichen
Feind von Gott und Menschen.
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