Kurzbiographie von William
Kelly
Kapitel
4
Wir
befinden uns noch in dem Teil unseres Evangeliums, der dem Dienst unseres Herrn
in Galiläa vorausgeht, den die drei synoptischen Evangelisten schildern, wenn
auch diese Reise durch Samaria den Herrn zu deren Anfangspunkt führt. In Kap.
3,24 wird es aufgefallen sein, daß Johannes noch nicht ins Gefängnis geworfen
war. Als er ins Gefängnis geworfen wurde (Mark. 1,14) und Jesus es harte (Matth.
4,12), kam Er nach Galiläa und predigte. Unser Kapitel spricht von einem
früheren Zeitpunkt und führt uns, wie gewöhnlich, zu einer tieferen Schau von
allem, was da vor sich ging.
"Als nun der Herr erkannte, daß die Pharisäer gehört hatten. daß
Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes (wiewohl Jesus selbst nicht
taufte, sondern seine Jünger) verließ er Judäa und zog wieder nach
Galiläa" (Verse 1-3).
Wenig
wußten die Jünger von der Tiefe der Herrlichkeit, die in Ihm war oder von dem
daraus folgenden Segen für den Menschen, obwohl sie mit Eifer tauften und so
ihren Meister der Eifersucht derer aussetzten, die Seinen Aufstieg und Seine
Ehre schlecht vertragen konnten. Es wird aufgefallen sein, daß nicht Er,
sondern Seine Jünger taufte. Er wußte von Anfang an, wie es ausgehen würde; und
dies findet seine angemessene Bestätigung hier. Sie könnten auf Ihn als Messias
taufen; aber Er, der Sohn Gottes, wußte von Anfang an, daß Er als der Sohn des
Menschen leiden und sterben mußte: so hatte Er es schon zu Nikodemus mit den
segensreichen Ergebnissen für den Gläubigen erwähnt. Die Taufe, die Er
einsetzte, war deshalb eine Taufe nach Seinem Tod und auf Seinen Tod und Seine
Auferstehung. Der Sohn Gottes wußte, was im Menschen war, selbst wenn der
Mensch geneigt war, Ihm aufgrund der Zeichen, die Er wirkte, zu huldigen. So
kannte Er die Wirkung der Tätigkeit Seiner Jünger auf die religiösen Menschen
jener Zeit.
Die
Eifersucht der Pharisäer trieb dann in Wirklichkeit den Herrn von Judäa fort.
Was war dieses Gebiet weiter? Was war es ohne Ihn, vor allem, als es Ihn
verwarf und Er es verließ? Sie mochten sich des Gesetzes rühmen, aber sie
hatten es nicht gehalten; sie mochten die Verheißung für sich in Anspruch
nehmen, aber Er, der Verheißene und der Erfüller aller Verheißungen, war dort
gewesen, und sie erkannten Ihn nicht, liebten Ihn nicht, sondern bewiesen mehr
und mehr ihre Herzensentfremdung von Ihm, ihrem Messias. Was konnte der erste
Bund jetzt nutzen? Er mußte ihre Verdammung bekräftigen; er würde keine
Befreiung erwirken. Der Jude sollte unter den Artikeln des Gesetzes nur
Verderben und Tod ernten. Wir sollen gegenwärtig mehr sehen; doch hier am
Anfang des Kapitels wird der Sohn Gottes durch das falsche Denken derer, die am
meisten Seine Gegenwart geschätzt haben sollten, sozusagen von dem Volk Gottes
und dem Ort Seiner Institutionen vertrieben - aber das in der Kraft ewigen
Lebens, wie groß auch die Erniedrigung war, die die hochmütigen Frommen Ihm
beibrachten, weil sie in Ihm nur einen Menschen sahen und wenig vermuteten, daß
Er das fleischgewordene Wort sei.
"Er mußte aber durch Samaria
ziehen. Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sichar, nahe bei dem
Felde, welches Jakob seinem Sohne Josef gab. Es war aber daselbst eine Quelle
Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich also an der Quelle
nieder. Es war um die sechste Stunde" (Verse 4-6).
Er
ist ebenso wirklich Mensch wie Gott, aber Er ist immer und allein der Heilige.
Müde und verworfen sitzt Er dort mit unermüdlicher Liebe. Die falschen
Meinungen vor Ihm können Ihn jetzt nicht mehr hindern als die hochmütige
Schlechtigkeit, die Er gerade hinter Sich gelassen hatte. Jerusalem und Samaria
verschwinden beide. Was konnten sie beide für ein böses Herz, für einen
schuldigen Sünder tun? Und solch ein Mensch nähert sich.
"Da kommt ein Weib aus Samaria,
Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken, (Denn seine
Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.) Das samaritische
Weib spricht nun zu ihn: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu
trinken, die ich ein samaritisches Weib bin? (Denn die Juden verkehren nicht
mit den Samaritern.) Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe
Gottes kenntest und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so
würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben"
(Verse 7-10).
Er,
Der das Herz geschaffen hat, kennt vollkommen den Zugang zu seinen
Empfindungen, und was für eine Gnade kann Er nicht zeigen, Der kam, um eine
neue und göttliche Natur zu geben und Gott in Liebe zu offenbaren, wo nichts
als Sünde, Selbstsucht und Unfriede war ? Gott in der Niedrigkeit eines
Menschen bittet um einen Gefallen, Er bittet eine samaritische Frau um einen
Schluck Wasser; aber das diente dazu, ihr Herz für ihre Bedürfnisse zu öffnen
und ihr in der Kraft des Heiligen Geistes ewiges Leben und Gemeinschaft mit dem
Vater und Seinem Sohn Jesus Christus zu geben.
Wie
lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der
Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Heil verkündigt, der zu
Zion spricht: Dein Gott herrscht als König. So sprach zu alten Zeiten der Geist
der Weissagung durch Jesaja; und so wird es später in Vollkommenheit erfüllt
werden, so wie es jetzt im Ansatz der Fall ist. Aber was für ein Anblick für Gott und auch für den Glauben: Er,
der Sohn Gottes, beschäftigt Sich so, nachdem Er von eifersüchtigem Haß und
Verachtung der Menschen vertrieben worden ist, mit einer unglücklichen
Samariterin, die ihr Leben in der Suche nach einem Glück, das sie so niemals
gefunden hat, verzehrt hat! Überrascht fragt sie, wieso ein Jude so etwas von
ihr bitten konnte: was hatte sie empfunden, hatte sie schon da erfaßt, Wer Er
war und daß Er im vollen Maße wußte, was sie war? Und wie wiederberuhigend war
es für sie nachher, als sie auf den Weg zurückblickte, auf dem Gott sie an
gnädiger Weisheit an jenem Tag geführt hatte, damit sie Ihn für ewig erkennen
könnte!
Allein
sprach Er mit ihr allein. Er begann in ihrer Seele Sein Werk für den Himmel,
für die Ewigkeit, für Gott. Kein Wunder irgendeiner äußeren Art wird vor ihren
Augen gewirkt, kein äußeres Zeichen ist nötig. Der Sohn Gottes spricht in
göttlicher Liebe, wenn auch (wie wir sehen werden) die Erkenntnis erst kommt,
als das Gewissen erreicht und bearbeitet wird. Das Gesetz ist gut, wenn man es
gesetzmäßig gebraucht, wenn man weiß, daß seine Anwendung sich nicht auf eine
gerechte Person bezieht, sondern auf gesetzlose und ungehorsame, auf gottlose
und sündige Person bezieht, kurz auf alle, die sich der gesunden Lehre
widersetzen. Aber Christus als die Offenbarung Gottes in Gnade ist das Beste
von allem. Er gibt alles, was nötig ist, Er schafft (nicht sucht) das, was sein
sollte, nicht um auf die absolut notwendige Lektion über das, was wir sind, zu
verzichten, sondern um uns fähig zu machen, das zu ertragen, damit wir
erkennen, wie« wahr Gott Selbst in vollkommener Liebe Sich um uns kümmert,
trotz alles dessen, was wir sind.
Das
ist Gnade, wirkliche Gnade Gottes. Kein Irrtum ist vollständiger oder
gefährlicher als die Meinung, daß die Gnade aus Sünde Licht macht. War es eine
oberflächliche Abfertigung unserer Sünden, als Christus sie an Seinem Leibe auf
dem Fluchholz trug ? Schlug das Gesetz jemals einen Sünder in dieser Weise, wie
Gott, als Er Seinen eigenen Sohn in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde
und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleische verurteilte und so "keine
Verdammung für die, welche in Christo Jesu sind" erwirkte? Nein, es war
ausdrücklich etwas, was das Gesetz nicht tun konnte. Das Gesetz konnte den
Sünder mit seinen Sünden verurteilen; aber Gott hat so in Christus nicht nur
die Sünden verurteilt, sondern auch die Wurzel des Bösen, die Sünde im
Fleische, und dieses in einem Opfer für die Sünde, so daß die, die sonst nichts
als Verurteilung innen und außen, in Vergangenheit und Gegenwart, in der Natur
und ihrem Leben hatten, jetzt durch die Gnade "keine Verdammung"
haben. Alles, was verurteilt werden konnte, ist verurteilt worden; und sie sind
in Christus und wandeln nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist. Dies
ist jetzt das Gesetz der Freiheit.
Hier
bestand ohne Zweifel ein solcher Stand noch nicht und war folglich auch niemand
möglich. Aber der Sohn handelte und redete hier in der Fülle der Gnade, die
bald alles für den Gläubigen vollenden sollte und ihm alles übergeben sollte.
Aber Er läßt die Samariterin wissen, daß sie nichts weiß. Denn wie groß auch
Seine Güte ist (und sie hat keine Grenze), sie schont nicht die Anmaßung des
Menschen; und die Offenbarung, die sie von Gott und aus Gott bringt, geht
niemals richtig ein, bis das Ich gerichtet ist. Samaria und Jerusalem kannten
die Gnade egal wenig; und nur Christus kann durch den Geist das Herz öffnen,
daß es sich beugt und dies annimmt. "Wenn du die Gabe Gottes
kenntest": das ist die Wirklichkeit und der Aspekt Gottes in dem
Evangelium. Er ist nicht ein Forderer, sondern ein Geber. Er befiehlt dem
Menschen nicht, Ihn zu lieben, sondern Er verkündigt Seine Liebe zu den
Menschen, ja, zu dem Schlimmsten der Sünder. Er sucht nicht die Gerechtigkeit
des Geschöpfes, sondern offenbart Seine eigene Gerechtigkeit. Aber der Mensch
ist träge, wenn es was Glauben geht, und der religiöse Mensch begreift
am allerspätesten, was aus ihm nichts und aus Gott alles macht. Aber das ist
das Wort der Wahrheit, das Evangelium von unserem Heil; das ist die freie Gabe
Gottes, die der Herr dort offenbarte und der Frau von Samaria erklärte.
Aber
da war und ist mehr. Die Erkenntnis der Gabe Gottes im Gegensatz zum Gesetz auf
der einen Seite oder der reinen Unkenntnis von Seiner aktiven Liebe auf der
anderen Seite ist unlösbar mit dem Glauben an die persönliche Würde des Sohnes
Gottes verbunden. Deshalb fügt der Heiland, so niedrig, wie Er war, hinzu:
"Und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken". Denn ohne
dieses wird nichts richtig erkannt. Jesus ist die Wahrheit und bleibt ewig die
Probe für die Seele, die mit umso größerer Entschiedenheit und anbetender
Dankbarkeit die Herrlichkeit Dessen anerkennt, Der, als wahrer Gott, in
unendlicher Liebe Mensch wurde, damit wir in Ihm ewiges Leben hätten. Denn
anders - das können wir freimütig sagen - konnte das nicht geschehen. Die
Wahrheit ist exklusiv und unveränderlich; sie ist nicht nur die Offenbarung
dessen, was ist, sondern auch dessen, was allein sein kann und sein muß, in
Übereinstimmung mit der wahren Natur Gottes und dem Zustand des Menschen. Doch
wirkt Gott in Seiner eigenen Freiheit, denn Seine Liebe ist immer frei und
immer heilig; und die Wahrheit kann nur sein, was sie ist; denn Er hat jene
Liebe zum Menschen zu den Menschen in ihrer Sünde, ihrem Tod und ihrer
Finsternis herabgebracht.
Es
ist die Offenbarung Gottes an den Menschen in Ihm, Der, wenn Er auch der Sohn
Gottes war, Sich so herabneigte, die Bedürftigste und Sohlechteste und am
meisten von Gott Entfremdete zu segnen, indem Er um einen Trunk Wasser bat,
damit Er darin die Gelegenheit fände, selbst so einer Frau lebendiges Wasser zu
geben.
"Wenn
du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist. der zu dir spricht: Gib mir zu
trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser
gegeben".
Denn
die Gnade, die in Christus wahrhaft erkannt wird, bringt Vertrauen zu der Gnade
hervor und ermuntert das Herz, die größte Wohltat von Ihm zu erbitten. Der
niemals unter sondern über der höchsten Stellung, die Ihm verliehen werden
kann, sein wird. Niemals kann es geschehen, daß der Glaube des Menschen das
reiche Maß der Gnade Gottes ausschöpft oder es sogar überschreitet. Wenn nun
die Menschen trotz ihres Bösen ihren Kindern gute Gaben zu geben wissen, wie
viel mehr wird der Vater, Der im Himmel ist, den Heiligen Geist denen geben,
die Ihn darum bitten? Wenn eine schuldige Samariterin von dem Sohn Gottes davon
Überzeugt wird, daß sie, wenn sie die Gabe Gottes kennt und Den, Der sie
gebeten hat, Ihm zu trinken zu geben, während Er müde am Brunnen saß. Ihn nur
bitten mußte, um lebendiges Wasser zu empfangen, so hatte bisher noch keiner,
der so fragte und empfing, irgend etwas wie ein angemessenes Empfinden von
jenem unendlichen Segen, daß der Heilige Geist gegeben ist, um in dem Gläubigen
zu sein.
So
ist das lebendige Wasser, von dem Christus hier spricht: nicht Kraft in der
Gabe, auch nicht einfach ewiges Leben, sondern der Geist, Der von dem Sohn
gegeben wird, daß Er in dem Gläubigen als die Quelle der Gemeinschaft mit Ihm
und dem Vater sei.
Es
ist, wie einige gesagt haben, nicht ganz richtig, daß Christus hier mit
"der Gabe Gottes" gemeint sein soll, wobei der nächste Abschnitt die
Erläuterung bringt. Ohne Zweifel war Er das Mittel, wie die Gabe Gottes
geoffenbart wurde; aber der erste der Sätze in diesem reichen Wort unseres
Herrn stellt den Gedanken der freien Gabe Gottes dar, so seltsam das auch dem
Menschen zu sein scheint. Die Natur als solche versteht das niemals; das Gesetz
allein macht es noch weniger begreiflich. Der Glaube allein löst die
Schwierigkeit, die mit der Person, dem Auftrag und Werk Christi verbunden ist,
Der das Zeugnis, der Beweis und das Wesen davon ist; aber es ist die
freiwillige Gnade Gottes, die gemeint ist. Deshalb lenkt der zweite Teil,
anstatt nur den ersten zu erläutern, die Aufmerksamkeit auf Ihn, der dort in
der größten Erniedrigung weilte (Er war müde von Seiner Reise und bat eine
Frau, von der Er wußte, daß sie die wertloseste Frau von allen Samariterinnen
war, um einen Trunk Wasser), und Der doch der Sohn des Vaters in ungeminderter
Fülle göttlicher Herrlichkeit und Gnade für die Allerschlechtesten war. Und
dies war so wahr, daß sie, die bis dahin für all dies blind gewesen war. Ihn
nur zu bitten brauchte, um die beste und größte Gabe zu erhalten, die ein
Gläubiger empfangen kann lebendiges Wasser, nicht bloß Leben, sondern den
Heiligen Geist. So war die Dreieinigkeit wirklich darin eingespannt, diese
Worte unseres Herrn für die Samariterin zu erfüllen, während Christus der Weg
dazu ist - die ganze Gottheit war mit dem angebotenen Segen verbunden.
"Das Weib spricht zu ihm? Herr,
du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief: woher hast du denn das
lebendige Wasser? Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den
Brunnen gab, und er selbst trank aus demselben, und seine Söhne und sein
Vieh?" (Verse 11 u. 12)
Sie
versteht keines der gnadenreichen Worte, die sie gehört hatte: sie vermischten
sich nicht mit Glauben in ihrem Herzen, Sie macht deshalb Einwände dagegen.
Wenn das Wasser aus dem Jakobsbrunnen genommen werden sollte, wo war das
Schöpfgefäß, das herabgelassen werden mußte, denn der Brunnen war tief? Maßte
Er sich an, größer als Jakob zu sein? oder war Seine Quelle ein besserer
Brunnen als der, der Jakob und sein Haus und das, was Jetzt zu ihnen gehörte,
versorgte? So argumentiert der Verstand gegen den Herrn entsprechend den
Gefühlen oder der Tradition! so verhängnisvoll ist die Unwissenheit
hinsichtlich Seiner Person und der Wahrheit. Umstände sind die Probe für den
Glauben und der Morast des Unglaubens, der sich froh (mit oder ohne jeden
gerechten Anspruch) eines großen Namens und seiner Gaben bedient - ach! um
einem größeren, ja, dem größten Namen auszuweichen.
Man
beachte nun die Gnade des Heilands, Er enthüllt mit der äußersten Fülle dieser
dunklen Seele die unaussprechliche Gabe Gottes, die im Gegensatz steht zu ihren
eigenen Gedanken und denen des Menschen im allgemeinen.
"Jesus antwortete und sprach zu
ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wiederum dürsten; wer irgend
aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht
dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm
eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt" (Verse 13 u. 14).
Wasser,
von welcher Quelle auch immer es stammt (dessen die Natur sich rühmt), mag
erfrischen, aber der Durst wird wiederkommen; und Gott hat es so für das
Geschöpf angeordnet, daß das so sein sollte und so sein muß. Aber es ist nicht
so, wenn einem gegeben wird, von dem Geist zu trinken. Christus gibt dem Gläubigen
den Heiligen Geist, daß Er in ihm eine frische Quelle göttlicher Erquickung
sei, nicht nur ewiges Leben von dem Vater in der Person des Sohnes, sondern die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes; und von daher kommt die Kraft der Anbetung,
wie wir etwas weiter in genau dieser Unterredung erfahren werden. So ist es
nicht nur eine Befreiung von der Sucht nach Vergnügen, Eitelkeit und Sünde,
sondern eine lebendige Quelle unerschöpflicher und göttlicher Freude, Freude an
Gott durch unseren Herrn Jesus, und das in der Kraft des Geistes. Es setzt den
Besitz ewigen Lebens in dem Sohn voraus, aber auch die Liebe Gottes, die durch
den Heiligen Geist, Der uns gegeben ist, in unsere Herzen ausgegossen ist.
Selbst
jetzt bleibt die Samariterin so verständnislos wie je zuvor.
"Das
Weib spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und
ich nicht hierher komme um zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe
deinen Mann und komm hierher. Das Weib antwortete und sprach: Ich habe keinen
Mann, Jesus spricht zu ihr: "Du hast, recht gesagt; Ich habe keinen Mann;
denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du Jetzt hast, ist nicht dein
Mann; hierin hast du wahr geredet. Das Weib spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet
bist" (Verse 15-19).
Sie
würde fröhlich erfahren, wie sie von ihren Begierden und ihrer Mühe um diese
Welt befreit werden könnte. Bis jetzt war noch kein Strahl himmlischen Lichtes
in sie hineingefallen. Keinen Durst zu haben und nicht hierherkommen zu müssen,
um zu schöpfen - das bildete die Grenze ihrer Wünsche von dem Heiland, von Dem
sie noch nicht erkannt hatte, daß Er ein Heiland war, noch weniger, daß Er der
Eingeborene Sohn war.
Dieses
schließt den ersten Teil der Unterredung des Herrn mit ihr ab. Es war nutzlos,
mehr, als bis dahin schon gesagt, vorzubringen. Jesus hatte ihr schon den
Grundsatz vor Augen gestellt, nach dem Gott handelt, und Seine eigene
gnadenreiche Fähigkeit, ihr auf ihre Bitte hin lebendiges Wasser zu geben; Er
hatte auch die unvergleichliche Erhabenheit Seiner Gabe gezeigt, verglichen mit
irgendeiner oder jeder Gabe Jakobs, denn Seine Gabe war göttlich. Aber ihr Herz
erhob sich nicht über den Bereich ihrer täglichen Bedürfnisse und irdischen
Wünsche. Sie war Seinen Worten gegenüber taub, obwohl sie Geist und Leben sind
und offenbarten, was ewig ist.
War
es dann vergeblich gewesen, daß Er so in der Fülle der Liebe Gottes zu ihr
gesprochen hatte? Veit gefehlt. Es war sehr wichtig, wenn eine Tür innen einmal
geöffnet wurde, daß sie dann überlegen und finden konnte, daß solcher Reichtum
an Gnade ihr ganz ohne, daß sie ihn gesucht hatte, geschenkt worden war. Aber es
war nutzlos, jetzt noch mehr davon zu sagen. Deshalb folgt die abrupte und
anscheinend zusammenhanglose Aufforderung des Herrn? "Gehe hin, rufe
deinen Mann und komm hierher". Aber lag die Abschweifung außerhalb der
Frage um ihr Heil? Nein. Es war der zweite und notwendige Schritt bei einer
Seele, wenn sie göttlich gesegnet werden soll. Durch ein erwecktes Gewissen
gehen Gnade und Wahrheit ein; und weil ihr Gewissen bis jetzt nicht berührt
war, waren die Gnade und Wahrheit überhaupt nicht verstanden worden.
Auf
der einen Seite war es sehr entscheidend, daß sie und wir und alle den klarsten
Beweis haben sollten, daß das Zeugnis von der Gnade des Heilands erfolgt, bevor
es irgendeine Fähigkeit gibt, es aufzunehmen; denn wie dies Gott und Seine
freie Gabe erhebt, so erniedrigt es den gänzlich bösen und schrecklich
gefährlichen Zustand des Menschen und stellt ihn bloß.
Auf
der anderen Seite war es ebenso bedeutsam, daß sie dahin gebracht werden mußte,
zu fühlen, wie sie jene freie und wunderbare Gnade nötig hatte, deren der
Heiland sie versichert hatte, und zwar in all ihren Tiefen und ihrer Größe und
ewigen Dauer; und sie sollte das fühlen, bevor sie sich selbst als Sünderin vor
Gott erkannt hatte. Er führt sie jetzt zu diesem Punkt: denn so, wie es
unmöglich ist, Gott ohne Glauben zu gefallen, so ist ein Glaube ohne Buße
verstandesmäßig und wertlos. Das ist der Mensch, wenn er einen Beweis erkennt
und akzeptiert, was er in seiner Weisheit für das Beste hält; und nicht ein
Sünder, der, getroffen durch souveräne Gnade, gerichtet wird und sich in seinen
Sünden erkennt, aber dann überglücklich ist, den Heiland, den einzigen Heiland,
in Jesus Christus dem Herrn zu finden.
Aber
der Herr hält noch an der Gnade fest. Er sagt nicht: Geh hin, rufe deinen
Mann", ohne hinzuzufügen: "und komm hierher". Er bereut Seine
Güte nicht, weil sie so unverständig war; im Gegenteil, Er benutzte das neue
und notwendige Mittel, um die Notwendigkeit solcher Güte spürbar zu machen. Wie
sorgfältig ist die Gnade, sie arbeitet an der Seele, damit sie eingehen und
bleiben kann, jetzt, wo sie in ihrer ganzen Fülle und ohne Vorbereitung dafür,
sondern nur aufgrund der verheerenden Lage des Menschen, bezeugt worden ist!
Die
Frau, die antwortet: "Ich habe keinen Mann", ist erstaunt, die
vernichtende Entgegnung zu hören: "Du hast recht gesagt:
Ich
habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast,
ist nicht dein Mann; hierin hast du wahr geredet". Sie war überführt. Das
war eine Offenbarung des Geistes und der Kraft. Und doch waren die Worte knapp
und einfach, und keines von ihnen war hart oder streng. Es war die Wahrheit
über ihren Zustand und ihr Leben, auf höchst unerwartete Weise deutlich
gemacht, so wie Gott es in der einen oder anderen Art bei jeder bekehrten Seele
zu tun weiß und tut. Es war die Wahrheit, die sie nicht schonte und ihre Sünden
vor Gott und ihrem eigenen Gewissen offendeckte. Sie zweifelte nicht einen
Augenblick, was das war, das alles offenbar machte. Sie erkannte, daß das das
Lieht Gottes war. Sie anerkennt, daß Seine Worte nicht menschliche Weisheit,
sondern Gottes Kraft sind. Sie bricht unter dieser Überführung ihrer Schuld
zusammen und bekennt sofort: "Herr, ich sehe, daß du ein Prophet
bist". Es war nicht allein die Tatsache, sondern die Wahrheit von Gott.
Es
ist deshalb klar, daß "Prophet" nicht nur einen Menschen bedeutet,
der die Zukunft voraussagte, denn darum ging es hier nicht, sondern jemanden,
der die Gedanken Gottes zum Ausdruck brachte - jemanden, der durch die
offenbare Führung des Geistes das redete, was nicht auf natürliche Weise
erkannt werden konnte, doch war deshalb umso mehr die Seele vor Gott und Sein
Licht stellte. So ist Abraham ein Prophet (1. Mose 20,7) und die Väter im
allgemeinen (Psalm 105, 15) und die alttestamentlichen Propheten in ihrem
ganzen Dienst und all ihren Schriften, nicht bloß, was die Weissagung betrifft.
Das gleiche gilt betont auch von der neutestamentlichen Weissagung, wie wir in
1. Kor. l4, 24 u. 25 sehen können. Sie wird von Gott gegeben, wenn sie das Leben
richtet, ja, das Verborgene des Herzens vor Ihm aufdeckt.
Da
sie die göttliche Kraft Seiner Worte erkennt, ergreift die Samariterin die
Gelegenheit, Licht von Gott in eine Sache hineinzubekommen, die sogar für sie
nicht ohne Verwirrung und Interesse gewesen war - der religiöse unterschied
zwischen ihrem Volk und der auserwählten Nation, und das nicht bloß in der
Huldigung für Gott, sondern im formellen oder ausgesprochen öffentlichen
Gottesdienst. Sie wollte die Frage, so alt wie sie war, jetzt für sich gelöst
haben. Die Samariterin konnte, wie manch anderer, der sieh in traurigem Irrtum
befindet, auf alte Tradition pochen. Glückselig die Seele, der statt dessen
seine Zuflucht bei Jesus nimmt! Er allein ist die Wahrheit. Andere mögen sich
irren und selbst getäuscht sein.
Darum
wurde Jesus geboren und darum kam Er in die Welt, daß Er für die Wahrheit
zeugen sollte. Was mehr ist: "Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört seine
Stimme". Ach! wie anders ist es bei der Christenheit gewesen, die zuerst
verdorben wurde, dann hoffnungslos zerrissen wurde und die außerordentlich
hochmütig war, wenn sie am meisten Grund hatte, sich zu schämen. Es sei unsere
Aufgabe in solch einem Zustand des Verderbens, Sein Wort zu bewahren und Seinen
Namen nicht zu verleugnen.
Eine
Zeit des übermäßigen Verfalls prüft die Seele; denn es scheint kühn zu sein,
sich von den Hervorragenden dieser Erde, besonders wenn sie ganz viele sind, zu
unterscheiden, und diejenigen, die Gottes Wort anhangen, sind wenige und haben
nichts, dessen sie sich rühmen können. Gerade aus diesem Grund ist es kostbar
in Gottes Augen und kein geringes Zeugnis für den abwesenden Meister. Doch
ziemt es sich für alle, die sich von der Masse unterscheiden, sich ihres
Grundes sicher zu sein, wie diese Frau es suchte, als sie sich an Jesus
wandte; und der Christ braucht keinen anderen Grund suchen - ja, er ist
schuldig und töricht, wenn er, wo die Unsicherheit der Leute so groß und schwer
ist, auf irgendeinen anderen Grund schaut - als Jesus, wie Er durch Sein Wort
und Seinen Geist redet.
"Unsere Väter haben auf diesem
Berge angebetet, und ihr saget, daß in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten
müsse. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr
weder auf diesem Berge, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet
an und wisset nicht, was; wir beten an und wissen, was, denn das Heil ist aus
den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter
den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht
solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in
Geist und Wahrheit anbeten. Das Weib spricht zu ihm: Ich weiß, daß der Messias
kommt, welcher Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles
verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet." (Verse
20-26).
Der
Herr geht mehr als sorgfältig auf Jeden Wunsch des Herzens der Samariterin ein.
Denn hier haben wir nicht bloß die Rechtfertigung der israelitischen Anbetung
verglichen mit ihrem samaritischen Gegenbild, sondern die erste Offenbarung
christlicher Anbetung, wie sie dem Menschen von Gott gegeben ist; und diese als
Anbetung, die nicht nur die samaritische Art sondern auch das Judentum
übertrifft - eine Änderung überdies, die sich damals anbahnte. Doch wird alles
so in Worte gefaßt, daß es sogar für die so angeredete Seele klar genug ist;
während hier die Wahrheit so tief geht, wie kein Heiliger es Jemals erahnt hat,
so tief wir auch darin geschöpft haben mögen und uns daran erfreut haben.
"Der
Vater" sollte fortan angebetet werden, was für eine Offenbarung in sich
selbst. Es geht nicht mehr um den Jehova Gott Israels, auch nicht um den
Allmächtigen, wie es der Name war, durch den Er Sich den Vätern bekannt machte.
Hier ist eine reichere Offenbarung Gottes und eine weit innigere. Nicht als der
Ewige, Der Sich Selbst in den Bund und die Herrschaft einbezog. Der sicher auch
noch Seine Wege mit Israel erfüllen wird, wie Er sie für ihre eigenen Wege
gezüchtigt hat. Auch ist es nicht der Gott, Der Seine armen Pilger schützte,
die sich auf ihren Wanderungen unter feindlichen Fremden an Seine Verheißungen klammerten, bevor ihre
Kinder eine Nation bildeten und Sein Gesetz empfingen. Es war Gott so, wie der
Sohn Ihn kannte und wie Er Ihn in der Fülle von Liebe und Gemeinschaft bekannt
machte, Der dementsprechend die Seinen, die in der Welt waren, in die bewußte
Gemeinschaft von Kindern, als von Ihm Geborene, bringen würde (Vergl. Joh.
1,12,13,18; 14, 4-10,20; 16, 23-27; 20, 17-23).
Kein
Wunder, daß in der Gegenwart solcher Nähe und der Anbetung, die ihr geziemt,
der Berg Gerisim versinkt und das Heiligtum zu Jerusalem verschwindet. Denn das
eine war nur die Anstrengung des eigenen Willens und das andere nur der Versuch
und die Probe für die Unfähigkeit des ersten Menschen, Gott zu begegnen und zu
leben. Die christliche Anbetung gründet sich auf den Besitz ewigen Lebens in dem
Sohn und auf der Gabe des Geistes aus der Kraft der Anbetung.
In
Vers 22 macht es der Herr der Samariterin unmöglich, die Schlußfolgerung zu
ziehen, daß, wenn die christliche Anbetung in Zukunft die einzige für Gott
annehmbare Form der Anbetung sein sollte, die samaritische Anbetung geradeso
gut war wie die jüdische. Das nicht. Die Samariter beteten an, was sie nicht
wußten; die Juden wußten, was sie anbeteten; "denn das Heil ist aus den
Juden". fügte Er hinzu. Sie hatten die Annahme, die Herrlichkeit, den
Bund, die Gesetzgebung und den Gottesdienst, sowie die Verheißungen, die den
Vätern gegeben waren, wovon, fleischlich gesehen, der Christus stammte. Welcher
über alles ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen« Die Samariter waren bloße
Nachahmer, Heiden, die eifersüchtig auf Israel waren und ihm feindlich gesonnen
waren, ohne Gottesfurcht; sonst hätten sie sich Seinen Wegen und Seinem Wort
unterworfen.
So
werden Gottes Vorrechte an Israel gerechtfertigt; aber trotzdem war drr Herr
gerade zu dieser Zeit von pharisäischer Eifersucht vertrieben worden, und auf
der anderen Seite hatte Er auch alle Anmaßung von traditionsbedingtem und
ererbtem Segen beiseite geschoben. Er war hier, um von Gott Kunde zu geben, und
nicht, um den Menschen zu beglaubigen; und jetzt, da Er verworfen war,
verschwinden Jerusalem und Samaria gleicherweise dahin. Das Alte ist gerichtet;
alles muß neu werden. Gott war in Christus, die Welt mit Sich Selbst
versöhnend, jetzt, wo die, die die Einsetzungen Gottes hatten. Seinen Ratschluß
in Bezug auf sie selbst verwerfen. Und wenn jener Unglaube zum Äußersten führen
sollte im Haß gegen den Vater und den Sohn, so würde er doch nur die
Fülle göttlicher Gnade und Gerechtigkeit ans Tageslicht bringen, denn Seine
Liebe würde dann absolut frei sein, um erhaben über alles Böse hinweg für Seine
eigene Herrlichkeit zu wirken, wie wir es wirklich bei einem gekreuzigten, aber
auferstandenen Christus finden.
Es
ist deshalb beachtenswert, daß der Herr nicht "Wen", sondern
"was" sagt. Denn im Judentum wohnte Gott in dichter Finsternis, und
das Zeugnis, das von Ihm durch das levitische System (mit seinen Opfern und
Priestern, dem Eingang, dem Vorhang, dem Weihrauch - kurz mit allem) gegeben
wurde, war, daß der Weg ins Allerheiligste noch nicht geoffenbart worden war.
Als Christus starb, war er geoffenbart; der Vorhang war zerrissen von oben bis
unten, die ewige Erlösung war gefunden; die Anbetenden, die einmal gereinigt
sind, haben kein Bewußtsein mehr von Sünden, und sie werden ermuntert,
einzutreten. So ist das Christentum. Gott hat Sich als der Vater in dem Sohn
durch den Geist geoffenbart. Ihn, den allein wahren Gott, und Den, Den Er
gesandt hatte, um Ihn zu offenbaren, zu erkennen, ist ewiges Leben. Und das
machtvolle Werk, das am Kreuz geschehen ist, hat mit all unserem Bösen
aufgeräumt, so daß wir frei sind, um uns Seiner zu freuen. Wir wissen deshalb,
Wen wir anbeten, und nicht nur "was". Als Gott in der dichten
Finsternis verborgen war und nur die Einheit Seiner Natur Ihn verkündigte, blieb
die Gottheit verschwommen. Welch ein Unterschied jetzt, wo der Vater in dem
Sohn durch den Geist offenbart ist!
Deshalb
wird dieser alles überragende Segen in seinem positiven Charakter in den Versen
24 und 25 enthüllt. Denn es ist eine Stunde, wo die Form verworfen wird, wie es
im Judentum nicht geschehen konnte. Nur die Realität wird gestützt. Nationale
Anbetung ist deshalb jetzt ein offensichtlicher Wahn, sie ist nur eine
Anstrengung, das wieder zu erwecken, was verschwunden war, soweit es irgendeine
Anerkennung von Seiten Gottes betrifft. Sie wurde in Israel unter dem Gesetz zu
ihrem besonderen Zweck anerkannt; genauso wird es zu allerletzt im
Tausendjährigen Reich sein; aber gehört nicht in die Zeit, die damals kam und
jetzt ist, wenn wir dem Herrn glauben. Es ist jetzt eine Stunde, wo die wahren
Anbeter den Vater anbeten. Wer und was sind sie? Die lehrmäßigen Äußerungen der
Apostel beantworten diese Frage einstimmig in der Richtung, daß diese Gottes
Kinder sind, von Ihm gehören durch den Glauben an Christus und versiegelt durch
den Geist, ruhend auf Seiner Erlösung. So sagt der Apostel (Phil. 3,3), daß wir
(im Gegensatz zu den bloßen Juden oder Judenanhängern) die wahre Beschneidung
ist, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht
auf Fleisch vertrauen. Aber wir müssen das Neue Testament als Ganzes zitieren,
um den vollen Beweis zu geben, wenn einer mehr Beweise will, als der Herr sie
in diesem Zusammenhang gibt, obwohl ich überzeugt bin, daß einer, der sich
solch einem Zeugnis nicht beugt, auch nicht durch zehntausend andere überzeugt
würde. Ein einziges Wort von Gott ist dem Gläubigen mehr wert als jeder andere
Beweis: wie viele könnten den Ungläubigen überzeugen?
Weiterhin,
was von der Anbetung gesagt wird, schließt alle Menschen aus, die keine wahren
Gläubigen sind. Denn sie sollen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Wie
könnten das welche, die den Geist nicht haben und die Wahrheit nicht kennen?
Zugegeben, der Artikel fehlt hierbei. Aber das erhöht in solch einem Fall wie dem
unseren hier nur die Stärke der Aussage; denn da ist von einem geistlichen und
wahren Charakter der Anbetung die Rede. Das heißt: die Worte des Herrn drücken
mehr aus als die Notwendigkeit, den Heiligen Geist zu haben oder mit der
Wahrheit vertraut zu sein, obwohl schon dieses den Christen mit seinen
herausragenden Vorrechten voraussetzen würde. Aber Er sagt, daß sie in diesem
Sinne anbeten, nicht bloß, daß sie den Geist und die Wahrheit haben, um anbeten
zu können. Nun könnte natürlich ein Christ ungeistlich und nicht der Wahrheit
entsprechend handeln. Sogar Petrus und Barnabas versagten in einer schweren
Krise, daß sie nicht entsprechend der Wahrheit des Evangeliums wandelten. Und
wenn es auch ein wirklicher und wahrer Anbeter ist, er würde nicht in Geist und
Wahrheit anbeten, wenn er den Geist betrübt oder den Herrn verunehrt. Aber es
bleibt noch klarer, daß keiner außer den "wahrhaftigen Anbetern" so
anbeten kann, wenn sie auch bei einen gegebenen Anlaß oder in einem gegebenen
Zustand in der Tat nicht so anbeten könnten, wie sie sollten.
Darüber
hinaus "sucht auch der Vater solche als seine Anbeter". Laßt uns dies
überdenken. Es war die Zeit, wo jeder Jude zu Jerusalem hinaufzog, um Jehova zu
suchen; die Zeit wird kommen, wo alle Nationen zu demselben Mittelpunkt
zusammenströmen werden, wenn der Sohn des Menschen in Macht kommt und in
Herrlichkeit herrscht. Aber das charakteristische Wirken der Gnade ist es, daß
der Vater die wahrhaftigen Anbeter sucht. Ohne Zweifel versammeln sie sich,
wenn sie gesucht werden, zu dem Namen des Herrn hin und erfreuen sich Seiner
Gegenwart durch den Geist. Es ist nicht genug, daß sie gewaschen sind
-gewaschen nicht nur durch Wasser, sondern durch Wasser und Blut -und ganz rein
sind; es ist nicht genug, daß sie den Geist haben als das Zeugnis von dem einen
wirksamen Opfer und als Quelle des Lobes und Kraft ständigen Danksagens;
"denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter". Welch eine
Zuversicht für siel Welch eine Gnade in Ihm! Doch ist Sein Suchen für jeden
Christen gültig. Mögen sie Seine Gnade damit beantworten, daß sie alles, was in
dieser bösen Zeit ihrer unwürdig ist, verdrängen.
Aber
da sind noch andere Worte von tiefer Bedeutung, " Gott ist ein Geist, und
die ihn anbeten, müssen ja Geist und Wahrheit anbeten". Hier geht es um
die Natur Gottes, nicht um die Beziehung der Gnade, die Er jetzt in und durch
Christus offenbart. Er muß dementsprechend angebetet werden, und Er sorgte im
vollen Maße dafür, in Anbetracht dessen, daß das neue Leben, das wir genießen,
durch den Geist ist und Geist ist, nicht Fleisch (Joh, 3,6); wie Er uns in der
Tat nach Seinem eigenen Willen durch das Wort der Wahrheit gezeugt hat (Jak.
1), und wir sind deshalb nicht wiedergeboren aus verweslichem Samen, sondern
aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes (1. Petr.
1,23). Wir sollten zuversichtlich wandeln und im Geist anbeten, wenn wir im
Geist leben. Er ist uns gegeben, damit wir den ersten Adam richten und
verwerfen sollen, um nur den zweiten Menschen, unseren Herrn Jesus, zu
verherrlichen. Ja, noch mehr, da Gott ein Geist ist, nimmt Er nur geistliche
Anbetung an. Seine Anbeter "müssen in Geist und Wahrheit anbeten",
Das ist eine moralische Notwendigkeit, die sich aus Seiner Natur ergibt -einer
Natur, in voll in Ihm geoffenbart wurde, Der das Bildnis des unsichtbaren
Gottes ist; und wir sollten in Bezug hierauf und auf den Charakter dessen nicht
unwissend sein, die wir von Ihm als an Christus Gläubige wiedergeboren sind.
Die
Frau, die von diesen Worten überwältigt ist, die zwar klar sind, aber ohne
Zweifel ihr Verständnis weit übersteigen (denn sie ragen auf zu Gott, genauso
sicher wie sie zum Menschen herabkommen), denkt sofort an den Messias. Sie gibt
ihre Zuversicht auf Sein Kommen zu und ist sicher, dass, wenn Er kommt. Er
alles verkündigen wird (Vers 25). Ach, wenn doch alle, die an Ihn glauben, das
von Ihm glauben würden! Ach, wenn sie doch, wenn Er ihnen den Frieden
zugesprochen hat, sich nicht wieder der Sünde zuwenden möchten! Und welch eine
Torheit ist größer, als sich von Seinen Worten zu genau diesem Thema und
beispielsweise, wie sie in diesem Kapitel stehen, abzuwenden und den
menschlichen Traditionen zu folgen und den Arten und Weisen, wie die Welt sie
bei der Anbetung Gottes hat?
Und
jetzt dringen die letzten Worte, die nötig sind, um alles übrige anzuspannen
und ihr ewigen Segen zu vermitteln, an ihr Ohr und an ihr Herz: "Jesus
spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet" (Vers 26). Es könnte die
unterste Form sein, den Einen vorzustellen, Der dem Sünder helfen kann; doch es
bleibt immer von Anfang bis Ende wahr, daß jeder, der glaubt, daß Jesus der
Christus ist, von Gott geboren ist. Und das glaubte die Samariterin. Ihr Herz
wurde berührt, ihr Gewissen aufgewühlt, und jetzt gehörte ihr die Gnade und Wahrheit,
die durch Jesus Christus geworden ist, im vollen Maße. All der Segen gehörte
ihr in Seiner Person , Der da gegenwärtig war und von ihr im Glauben angenommen
wurde.
Was
für ein Augenblick: ein gegenwärtiger Messias, und Der mit einer samaritischen Frau
spricht - und zwar über christliche Anbetung!
"Und über diesem kamen seine Jünger
und verwunderten sich, daß er mit einem Weibe redete. Dennoch sagte niemand:
Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr?" (Vers 27)
Sie wunderten sich darüber, daß Er mit einer Frau spracht worüber
wundert, sie sich, die wußte, daß jedes Geheimnis ihre» Herzens bloß und aufgedeckt
vor Ihm lag, mit Dem sie zu tun hatte? Seine Gnade hatte jedoch voll den Weg
bereitet. Er, Der alle Eckchen ihrer Seele erforschte, hatte sie schon dadurch
ermutigt, daß Er ihr die reichste Gnade Gottes des Vaters geoffenbart hatte,
weil Er Selbst der einzig wahre Offenbarer dieser Gnade ist, und Er war im
Begriff, den Heiligen Geist zu geben, damit sogar sie das erfassen und sich
daran erfreuen könne. Es war keineswegs ein Suchen ihrerseits; der Vater suchte
solche; auch ging es nicht darum, daß Er mit ihr redete, sondern Er offenbarte
Sich ihr. Die Jünger mußten viel lernen. Wenn sie das Thema der Unterredung
gekannt hätten, hätten sie Sich noch unvergleichlich mehr gewundert.
"Das Weib nun ließ
ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten:
Kommet, sehet einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was irgend ich getan
habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus? Sie gingen zu der Stadt hinaus
und kamen zu ihm. "(Verse 28-30).
Die moralische Umwandlung war ungeheuer. Eine neue Welt tat sich
ihr auf, die die gegenwärtige Welt durch neue Gefühle und neue Pflichten
verblassen ließ. Die Kraft davon zeigte sich darin, daß sie sich ganz über die
sichtbaren Dinge erhob, was auch immer gewöhnlich die Wirkung sein könnte, in
der Bemühung um eine bessere Erfüllung den gegenwärtigen irdischen Werkes. Aber
die Offenbarung Christi an ihre Seele war allesverzehrend und war der
kräftigste Ansporn, Ihn auch andere erkennen zu lassen. Wo das Auge einfältig
ist, ist der Leib voller Licht. Sie fühlte, war Hin am meisten brauchte, und
sie handelte dementsprechend. Sie ließ ihren Wasserkrug zurück und kehrte zu
der Stadt zurück und sagte den Leuten von Jesus. Wie sie Ihn doch richtig
verstand! Er hatte sie nicht ausdrücklich geschickt, doch ging sie freimütig
einladend los. Auch war es nicht bloß, daß sie sie aufforderte, zu gehen:
"Kommet, sehet einen Menschen". Sie wollte mit ihnen zusammen gehen.
Ihr Herz war in dem Strom Seiner Gnade und rechnete mit dem gleichen Empfang
für andere, wenn dieser auch, genau wie bei ihr, nicht zu garantieren war. Das
ist die Kraft göttlicher Liebe vom ersten Anfang an.
Doch wegen Seiner Gnade wurde die Wahrheit nicht geschwächt. Sie
mußten »ich auch auf das vorbereiten, was sie erforscht hatte. "Kommet,
sehet einen Menschen, der mir alles gesagt, hat, was irgend ich getan. Dieser
ist doch nicht etwa der Christus?"
Nun, sie wußten, was sie für eine Frau gewesen war; und wenn Er so
mit ihr umgegangen war, könnten sie Ihn dann nicht auch sehen und Ihn hören?
Solch ein persönliches Erlebnis hat große Kraft, und es ist auch sicher, wo es
nicht bloß ein Appell an die Gefühle ist, sondern wo gleichzeitig das Gewissen
gesucht wird.
"In der
Zwischenzeit [aber] baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber
sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet. Da
sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? Jesus
spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt
hat, und sein Werk vollbringe." (Verse 31-34).
Wie erniedrigend. Seine Jünger zu solch einem Zeitpunkt mit dem
Leib und seinen Bedürfnissen beschäftigt zu finden. Und das gibt der Herr ihnen
durch Seine Antwort zu verstehen. Sie kannten solch eine Speise noch nicht,
wenn sie auch Jünger waren. Es ist nicht so, wie viele es oft deuten: sein
Fleisch und seinen Kelch"; denn da war eine innere Quelle der Liebe und
Freude an Seinem Vater, Seinen Willen zu vollbringen und Seinen Willen zu tun.
Darin ermüdete Er nie, und auch wir sollten es nicht, wie groß auch immer die
Müdigkeit des Leibes sein mag. Denn "Er gibt dem Müden Kraft, und dem
Unvermögenden reicht er Stärke dar in Fülle. Und Jünglinge ermüden und
ermatten, und junge Männer fallen hin; aber die auf Jehova harren, gewinnen
neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und
ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht." Jesus kannte dies Selbst in vollkommenem Maße, und hier ist ein
Beispiel dafür.
"Saget ihr nicht:
Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebet eure
Augen auf und schauet die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte. Der da
erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß beide, der
da sät und der da erntet, zugleich sich freuen. Denn hierin ist der Spruch
wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet. Ich habe
euch gesandt, zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben
gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten." (Verse 35-38).
Wann auch immer die Zeiten für die natürliche Ernte sein mochten,
die Felder waren geistlich gesehen reif zur Ernte. Der Mensch, die Welt,
verdienten ohne Zweifel das Gericht; aber derselbe Zustand der Sünde, der nach
dem Gericht verlangt, wird von Gott für Seinen Ruf der Gnade gebraucht. Das
Evangelium kommt ausdrücklich auf der Grundlage des totalen Verderbens des
Menschen und verwischt deshalb alle Unterschiede. Jude, Samariter und Heide -
was sind sie alle jetzt außer Sünder? Der Jude war unter der Prüfung gewesen,
aber er verwarf jetzt den Messias, den Sohn Gottes. Alles war verloren; aber
der verworfene Christus ist der Heiland, und jetzt gibt es ein Heil für alle,
und die Gnade bringt es solchen, wie diesen Samaritern, nahe.
Nicht daß die Gnade in den vergangenen Zeiten der Prüfung nicht
gewirkt hätte. Der Mensch hatte alles bis zum letzten zerbrochen, aber Gott
bereitete den Weg dazu, wo nicht mehr erfahrungsgemäßes Handeln und die
Gerechtigkeit des Menschen gesucht werden, sondern, wo Gottes Gerechtigkeit
aufgrund des Werkes Christi offenbart wird. Seine Zeugen hatten nicht
vergeblich gearbeitet, wie wenig auch manchmal die Wirkungen sichtbar waren.
Aber das wahre Lieht schien jetzt, und alles erschien, wie es war, im Blickfeld
der Gnade. Was für ein Anblick für Christus, wie die Samariter zu Ihm kamen! -
die kamen, um Einen zu hören, Der uns alles sagt, was irgend wir getan haben!
Die Felder waren wirklich reif.
Es ist bemerkenswert, daß der Herr jetzt vielmehr über das Ernten
als über das Säen spricht, obwohl doch das Säen natürlich vorher kommt und auch
anderswo seinen Platz hat, wie z.B. in Matth. 13. Zu alten Zeiten war es mehr
Säen als Ernten; jetzt, an diesem Tag der Gnade, gibt es ein charakteristisches
Ernten - eine Frucht, die eich nicht nur aus Gottes vergangenem Handeln er
gibt, sondern aus Seinem Kommen und Seinem
machtvollen Werk, Der Er so zu den Jüngern spricht: "Der da erntet,
empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben; auf daß beide, der da
sät und der da erntete zugleich sich freuen". So wird es an dem Tag der
Herrlichkeit sein, wie der Geist davon sogar jetzt schon in der Versammlung und
im Herzen des Christen wahr ist. "Denn hierin ist der Spruch wahr: Ein
anderer ist es, der da sät. und ein anderer, der da erntet." Aber während es noch diese Unterschiede
gibt, bleibt es so, daß die Apostel in der Richtung gekennzeichnet werden, daß
sie eher ernten als säen, und so steht es natürlich auch mit anderen
Arbeitenden. "Ich habe euch gesandt, zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet
habt: andere haben gearbeitete und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten"
Wie überzeugend wurde dies zu Pfingsten und später bestätigt, wie
wir wissen,
"Aus jener Stadt
aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes des Weibes willen,
welches bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was irgend ich getan habe. Als nun
die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb
daselbst zwei Tage. Und noch viele mehr glaubten um seines Wortes willen; und
sie sagten zu dem Weibe: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn
wir selbst haben gehört und wissen, daß dieser wahrhaftig der Heiland der Welt
ist." (Verse 39-42).
Es ist überwältigend, wie Gott das einfache Zeugnis der Frau
ehrte. Viele aus jener Stadt glaubten an Ihm um ihres Wortes willen. Hier legt
sie wieder Zeugnis ab von dem Suchen ihres Gewissens durch Sein Wort. "Er
hat mir alles gesagt, was irgend ich getan habe". Es ist eine gute
Garantie, daß das Werk göttlich ist, wenn vor solcher Nachforschung nicht
zurückgeschreckt wird; sonst ist die Gnade in Gefahr, als Deckmantel für die
Sünde oder als oberflächliches Treiben mit einem Sünder mißbraucht zu werden,
anstatt daß sie alles in Gottes Licht richtet. Aber wenn irgend der Glaube echt
ist, erhebt er sich von der Einrichtung zu Dem hin. Der geruht, diese zu
gebrauchen, und Gott hat Gefallen daran, auf das Wort Jesu Selbst Ehre zu
legen. Deshalb wird uns gesagt, daß, als Er in Gnade dem Wunsch der Samariter
nachkam und zwei Tage dort blieb, "noch viele mehr glaubten um seines
Wortes willen". Wie nett war es für die Frau, als sie zu ihr sagten:
"Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben
gehört und wissen, daß dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist." Gott
führte auch sie dahin, daß sie Sein Messias-Sein fallen ließen, und die
Schreiber haben es ohne rechten Grund eingefügt. Die alte Meinung scheint
überzeugend, daß die Worte "der Christus" verschwinden sollten. Ihr
Bekenntnis ist noch viel einfacher und bestimmter, wenn das so ist. Sie wußten
jetzt und bekannten die Wahrheit - die Gnade und Wahrheit, die durch Jesus
Christus geworden ist (Vergl. 1. Joh. 4,14). So ist der Herr, wie wir sehen, in
Samaria ohne irgendein Wunder anerkannt worden - erst von einer Person als
Prophet, und schließlich als Heiland der Welt von allen, die dort an Ihn
glaubten. Das vollste Bekenntnis Seiner Gnade fand sich dort, wo man am
wenigsten auf Verständnis gehofft hätte; aber der Glaube gibt neue Weisheit,
die so von der alten verschieden ist, daß diejenigen, die weise sind, töricht
werden müssen, wenn sie in Gottes Augen weise werden möchten. Wie segensvoll
für solche, die sich keiner Weisheit rühmen können und die die Gnade mit aller
Einfachheit entsprechend ihrer eigenen Kraft formt! So waren die Samariter,
unter denen der Herr diese kurze Zeit weilte.
"Nach den zwei
Tagen aber zog er von dannen aus [und ging hin] nach Galiläa; denn Jesus selbst
bezeugte, daß ein Prophet in dem eigenen Vaterlande keine Ehre hat."
(Verse 43 u. 44).
Er nimmt wieder Seinen Platz unter den Verachteten und Niedrigen
auf. Das erste Evangelium stellt heraus, daß diese Sphäre Seines Dienstes der
Weissagung entsprach: denn Jesaja, der die Sünden und das Gericht Israels von
Anfang bis Ende darstellt, hatte von dem Licht gesprochen, das an Galiläa
aufleuchten sollte, wenn Finsternis die begünstigten Orte im Land bedecken
würde. Alle Evangelisten verweilen in der Tat aus dem einen oder anderen Grund
bei Seinem Dienst in Galiläa. Nur Johannes bringt eine charakteristische
Vorfälle in Jerusalem in den Vordergrund. Markus spricht viel von Galiläa, weil
es seine Aufgabe war, den Dienst des Herrn zu beschreiben; und wir müssen Ihm
wirklich dorthin folgen, wenn wir die Einzelheiten mitbekommen möchten. Lukas
gibt wiederum Galiläa an zur Erläuterung der moralischen Wege Gottes in der
Gnade unseres Herrn Jesus und des Wirkens von Einem, Der umherging, wohltuend
und heilend alle, die von dem Teufel überwältigt waren. Johannes stellt dies,
wie gewöhnlich, auf eine Grundlage, die sich deutlicher auf Seine Person
bezieht.
Es war Sein eigenes Zeugnis, daß ein Prophet keine Ehre in seinem
eigenen Land hat. Er war nicht herabgekommen, um Seine eigene Ehre zu suchen,
sondern die Ehre Dessen, Der Ihn gesandt hatte. Er hatte eine Fülle von Gnade
und Wahrheit auszuteilen; Er war gesandt. Er war gekommen, um Seines Vaters Villen
zu tun; zufrieden, nichts zu sein - nichts vom Menschen zu haben, geht Er nach
Galiläa. Aber wenn die Galiläer Ihm keine Ehre darbrachten, als Er in ihrer
Mitte war, so waren sie doch von dem Gerücht, das ausgegangen war, besonders
durch den Eindruck, den Er in der Hauptstadt gemacht hatte, nicht
unberührt.
"Als er nun
nach Galiläa kam, nahmen die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen, was er in
Jerusalem auf dem Feste getan hatte; denn auch sie kamen zu dem Fest."
(Vers 45)
Galiläa war nicht nur der Bereich, wo Er den größten Teil Seines
irdischen Lebens in Niedrigkeit und Gehorsam verbracht hatte, sondern dort
hatte Er angefangen. Sich Seinen Jüngern zu erkennen zu geben; und dort hatte
Er zuerst ein Zeichen als Zeugnis für Seine Herrlichkeit gegeben, "Er kam
nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und
es war ein gewisser königlicher Beamter, dessen Sohn krank war, in
Kapernaum." (Vers 46). Jenes erste Zeichen zeigte die Verheißung, das
Pfand und den Ernst der zukünftigen Freude und Segnung Israels; und Er Selbst
wird an dem zukünftigen Tag dort im Land sein, nicht mehr als Gast, oder als
der Herr des Festes allein, sondern als der Bräutigam. und die Unfruchtbare
wird ihren Schöpfer als ihren Mann erkennen, Jehova der Heerscharen ist Sein
Name; und der Heilige Israels ist ihr Erlöser. Er wird nicht nur der Gott des
Landes, sondern der Gott der ganzen Erde genannt werden. Aber jetzt ist noch
nicht der Tag zum Frohlocken, sondern der Tag der Traurigkeit; noch nicht der
Tag, den Ort von Israels Zelt auszudehnen, oder die Behänge ihrer Wohnstätte auszuspannen oder die Seile lang zu machen;
Es ist noch nicht die Zeit, sich auszubreiten zur Rechten und zur Linken, die
Heiden werden noch nicht in Besitz genommen oder die verödeten Städte
bevölkert. Kam dagegen nicht der Messias in das Seinige, und die Seinigen
nahmen Ihn nicht an? Ja, sie waren sogar im Begriff, ihre Sünde an Seinem Kreuz
vollständig zu machen und ihren Unglauben mit ihrer Verwerfung des Evangeliums
zu besiegeln, indem sie Seinen Knechten verboten, zu den Heiden zu reden, damit
diese errettet würden. Sie waren dabei, ihre Sünde immer mehr zu vergrößern, so
daß der Zorn mit Macht auf sie gekommen ist, wenn auch die Gnade ihren Hall zum
Heil und zur Bereicherung der Heiden wenden mag. Trotzdem ist die Gnade noch
dabei, jedes Zeichen zu vollenden, das über Israel beschlossen war, und der
Herr fügt bei dieser Gelegenheit eine neue und passende Offenbarung Seiner
Macht für ihre augenblickliche Lage und gegenwärtige Not hinzu.
"Und es war ein
gewisser königlicher Beamter, dessen Sohn krank war, in Kapernaum. Als dieser
gehört hatte, daß Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin
und bat [ihn], daß er herabkomme und seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben.
Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so werdet ihr
nicht glauben." (Verse 46-48).
Wie auffallend ist der Gegensatz zu den einfacheren Seelen in
Samaria! Da war Glaube an die Kraft Jesu, aber jüdischer Art. Der königliche
Beamte hatte ohne Zweifel von Wundern gehört, die von Ihm in Seiner Gegenwart
persönlich gewirkt worden waren. Sein Glaube erhob sich nicht höher; doch
konnte es offensichtlich, wenn es die Kraft Gottes war, keine Grenzen gaben.
Abwesenheit oder Gegenwart konnten keine Bedeutung haben - es waren nur
Umstände; und gerade das Wesen eines Wunders ist es, daß Gott Sich über alle
Umstände erhebt. Es ist irrational und ungläubig, ein Wunder an der Erfahrung
eines Menschen zu messen. Es ist bloß eine Frage von Gottes Willen, Seiner
Macht und Herrlichkeit; und deshalb tadelt der Herr gerechterweise den
Unglauben all solcher Gedanken.
Wie schön steht auch die Gnade, die an dem heidnischen Hauptmann,
dessen Knecht krank war, wirkte, im Gegensatz zu den beschränkten Erwartungen
dieses jüdischen Beamten! Dort schlug der Herr, um die Kraft seines Glaubens zu
üben und offenbar werden zu lassen, vor, mit den Altesten der Juden zu gehen,
die Ihn baten, zu kommen und seinen Knecht zu heilen. Aber als Er schon nicht
mehr weit von dem Hause entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu Ihm mit
der ausdrücklichen Bitte, Sich nicht zu bemühen; denn er war nicht würdig, daß
Er unter sein Dach treten sollte, genauso wenig, wie er sich für würdig hielt,
daß Er selbst zu Ihm kam. Er brauchte nur ein Wort zu sagen, so würde sein
Knecht gesund. Dies brachte dementsprechend eine große Billigung von Seiten des
Herrn ein, und nicht Seinen Tadel, wie hier. "Selbst nicht in Israel"
hatte Er so großen Glauben gefunden. Doch enttäuscht die Gnade des Herrn nie,
und geringer Glaube empfängt ihre Segnung ebenso sicher, wie größerer Glaube
seine größere Antwort.
"Der königliche Beamte spricht zu
ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! " (Vers 49).
Hier sehen wir wiederum, wie gering der Glaube ist, wenn der
Appell dringend ist. Doch muß der Glaube eine gnädige Zusicherung haben,
"Jesus spricht zu ihm: Gehe hin,
dein Sohn lebt" (Vers 50).
Es war für die Seele des Beamten in jeder Weise besser und noch
besser für die Verherrlichung Gottes, daß Jesus ihn gehen ließ, anstatt mit ihm
zu gehen. Wenn es in die Gedanken und Worte des Menschen einging, war es
gedacht, um seinen Glauben noch mehr zu prüfen.
"Und der Mensch
glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin" (Vers 50).
Er brauchte nicht lange zu warten, bis er den Segen erfuhr.
"Aber schon während
er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und berichteten, daß sein Knabe lebe.
Er erforschte nun von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden
sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde verließ ihn das Fieber.
Da erkannte der Vater, daß es in jener Stunde war, in welcher Jesus zu ihm
sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus." (Verse 51-53).
So sorgte der Herr dafür, daß die Knechte angespannt wurden, die
aufgrund der Abwesenheit ihres Herrn umso interessierter und
verantwortungsbewußter waren. Sie beobachteten den Fall; sie bemerkten die
Veränderungen in der Krankheit des Patienten; und sie waren deshalb die ersten,
die sahen, wann sie sich zum Guten zu wenden begann. Sie konnten dem Herrn die
genaue Stunde angeben, wann das Fieber von dem Kind gewichen war - genau die
Stunde, wie er ihnen sagen konnte, als Jesus das Wort von der heilenden Kraft
sprach.
"Dies tat Jesus
wiederum als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.
" (Vers 54).
Ist das nicht ein Zeichen für das, was Er an dem Tag tun soll,
wenn Er die tote Tochter Zion wiederbelebt und auch das Wasser der Reinigung in
den Freudenwein verwandeln wird für Gott und Mensch? In der Zwischenzeit erlöst
Er den einzelnen in Israel, der im Begriff war, verloren zu gehen, wenn er den
Glauben - und sei er auch noch so schwach - hat, das Heil von dem Christus zu
erwarten. Es war sogar damals von Seinem Dienst in seiner ganzen Bedeutung und
Kraft wahr. Im folgenden Kapitel werden uns die Rechte Seiner Person noch
machtvoller in ihren gegenwärtigen und zukünftigen Auswirkungen vor Augen
gestellt. Hier geht es fast mehr darum, die Macht des Todes zu bezwingen, als
Leben zu geben. Sogar, daß Er allein das tun konnte und tat, wo der Glaube da
war.
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