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Leitvers: 1. Johannes 3,2
1Joh 3,2: Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes,
und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass
wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn
sehen, wie er ist.
Wohin wollen wir den Blick zu Beginn eines neuen Jahres wenden? Auf unsere
Umstände? Sie mögen uns zu ernster Besorgnis Anlass geben. Auf das vergangene
Jahr? Es mag uns viel Leid gebracht haben. Auf das kommende Jahr? Es liegt
dunkel, ungewiss vor uns. Sicherlich werden wir alle, wenn wir an das vergangene
Jahr zurückdenken, Grund genug haben, die Güte Gottes und Sein herzliches
Erbarmen zu rühmen, die wir in reichem Maße erfahren haben. Und wir sollten
nicht vergessen, Ihn dafür zu preisen. Aber Erfahrungen an sich geben uns keine
Kraft, selbst wenn wir sie mit Gott gemacht haben. Sie nähren nach Römer 5,4
die Hoffnung, die nicht beschämt, aber sie geben keine Kraft. Kraft gibt uns
nur das Schauen auf den Herrn Jesus Selbst, der droben weilt und das Ziel und
der Inhalt unserer Hoffnung ist.
Deswegen wollen wir zu Anfang des neuen Jahres einmal den folgenden Vers aus
dem ersten Johannesbrief vor unsere Herzen stellen: „Geliebte, jetzt sind
wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden;
wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn
wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1Joh 3,2).
Allein schon die Anrede beglückt uns — Geliebte. Wie beschwerlich unsere
Umstände auch sein mögen, wie ungewiss und damit oft Besorgnis erregend der vor
uns liegende Weg auch sein mag, wir sind von Gott Geliebte. Der Teufel will uns
den Blick dafür verdunkeln, will in uns Zweifel an der Liebe Gottes erwecken.
Doch lasst uns, gerade zu Beginn eines neuen Jahres, festhalten: Wir sind
Geliebte, sind „von Gott geliebte Brüder“, wie es der Apostel Paulus
ausdrückt (1Thes 1,4). Wir wissen, wie wahr das ist: Nicht wir haben Gott
geliebt, sondern Er hat uns geliebt und Seinen Sohn gesandt als eine Sühnung
für unsere Sünden (1Joh 4,10).
In unserem Vers wird die Liebe Gottes jedoch mit einer anderen Tatsache, mit
einem der wichtigsten Ergebnisse des Todes Seines Sohnes für uns in Verbindung
gebracht: Wir sind Seine Kinder — Kinder Gottes. Schon einen Vers vorher werden
wir auf diese Liebe aufmerksam gemacht: „Sehet, welch eine Liebe uns der
Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen.“ Beachten wir,
der Vater hat uns Liebe gegeben, eine besondere Art von Liebe (das bedeutet der
Ausdruck „welch eine Liebe“ im Grundtext), und diese Liebe des Vaters
wird darin sichtbar, dass wir Kinder Gottes heißen sollen, wir, die wir aus
Gott geboren sind. Wir heißen Kinder Gottes, weil wir es sind.
Welch eine große Wahrheit liegt in dem Ausdruck „aus Gott geboren“
und in dem Ausdruck „Kinder Gottes“! Wir haben uns wohl daran
gewöhnt, aber wie gewaltig ist es! Gott hätte alles andere leichter tun
können, als Kinder zu zeugen. Er hätte noch weitere Sterne und Welten schaffen
können, aber Er konnte Sich nicht einfach Kinder schaffen. Er hatte einen Sohn,
und dieser Sohn musste sterben, ehe Er „Kinder“ haben konnte. Seinem
Tod entspringt Leben für alle, die an Ihn glauben. Wir haben wohl kaum eine
rechte Vorstellung davon, was es für Gott bedeutet, Kinder hervorgebracht zu
haben. Ich glaube nicht, dass die Heiligen Gottes im Alten Testament im
eigentlichen Sinn des Wortes „Kinder“ waren. Wohl werden sie kollektiv
als Volk so genannt, nicht aber als persönliche Gläubige. Erst musste das
wahre Weizenkorn in die Erde fallen und sterben, ehe Er viel Frucht bringen und
viele Söhne zur Herrlichkeit führen konnte.
„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.“ Obwohl wir noch in dieser
Welt mit all ihren Drangsalen und Nöten sind, sind wir schon jetzt Kinder
Gottes. Selbst im Himmel werden wir nicht wirklicher Kinder Gottes sein, als wir
es hier schon sind. Wir werden es unendlich mehr genießen, gewiss, aber wir
sind es schon jetzt. Die Liebe des Vaters, die dieser Beziehung eigen ist, ist
schon jetzt unser. Aber unser Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott (Kol.
3,3). Äußerlich unterscheidet uns nichts von anderen Menschen, sowohl was
unsere Umstände als auch was unseren Leib angeht. Von außen betrachtet,
müssen wir durch ähnliche Umstände hindurchgehen wie die Kinder der Welt. Und
unser Leib, in dem der Heilige Geist wohnt, ist immer noch ein sterblicher Leib,
und wir seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft, die Erlösung unseres
Leibes (Röm 8,23).
Noch ist — der Welt — nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir
wissen es schon, wie wir sogleich sehen werden, aber die Welt hat es noch nicht
gesehen, und sie weiß nichts davon. Sie erkennt uns nicht, wie sie Christus
nicht erkannt hat.
Der Herr Jesus wird einmal vor der Welt offenbar werden bei Seiner
Erscheinung in Macht und Herrlichkeit. Wir wissen, dass das so sein wird. Nun,
wenn das der Fall ist (das meint hier dieses Wenn), dass Er offenbart wird, dann
wissen wir, belehrt durch Sein Wort, noch etwas Weiteres, etwas überragend
Großes: Wir werden Ihm gleich sein. Hier auf Erden haben wir das Bild dessen
von Staub getragen (1Kor 15,49) mit alledem, was das in sich schließt, aber —
welch ein Triumph! — wir werden einmal das Bild des Himmlischen tragen.
Wir werden tatsächlich Ihm gleich sein. Nichts deutet in den Kindern Gottes
heute darauf hin. Sie mögen hier arm und verachtet sein und durch viel Ungemach
und Drangsal gehen. Doch das wird nicht so bleiben. Jene unscheinbare Raupe auf
dem herbstlichen Blatt — wer würde ahnen, wenn er es nicht wüsste, dass sie im
nächsten Frühsommer als farbenprächtiger Schmetterling in die Lüfte steigen
wird? Der Herr Jesus wird bei Seinem Kommen unseren Leib der Niedrigkeit zur
Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit umgestalten (Phil 3,21).
Dann werden wir Ihm auch dem Körper nach gleich sein. Wunderbare Gnade!
Doch selbst das ist noch nicht das Höchste. Es ist nur, wenn ich so sagen
darf, das Mittel zum Zweck. Die Begründung für unser Gleichsein mit Ihm führt
uns zur höchsten Segnung überhaupt: „Denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ Das bedeutet nichts Geringeres als das: Um Ihn, den Herrn Jesus, zu
sehen, wie Er jetzt in der Herrlichkeit ist, müssen wir vorher Ihm
gleichgemacht werden. So groß ist die Herrlichkeit Seiner Person, dass wir Ihn
in dem Leib unserer Niedrigkeit nicht sehen könnten. Wir könnten Seinen
Anblick nicht ertragen.
Das ist auch der Gedanke in 1. Korinther 15,50: „Dies aber sage ich,
Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können.“ Wir
können in unseren Körpern aus Fleisch und Blut (dadurch sind sie heute
gekennzeichnet) nicht in das Reich Gottes jenseits des Todes eintreten. Deshalb
teilt uns der Apostel Paulus anschließend ein wunderbares Geheimnis mit: „Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt
werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune.“ Nur
wenn wir das Bild des Himmlischen tragen, können wir die himmlische Szene
betreten und Ihn in dieser innigen Weise betrachten und genießen.
Ihn zu sehen, wie Er ist — wer könnte die Tragweite dieser knappen Worte
ermessen, wer die Glückseligkeit beschreiben, auf die sie hinweisen? Wir werden
dort sein, wo Er ist (Joh 14,3). Das ist das Vaterhaus. Und wir werden Ihn
sehen wie Er ist. Das macht den Inhalt und die Glückseligkeit des Vaterhauses
aus. Alles ist Christus. Welch eine Hoffnung liegt vor uns! Es ist eine
Hoffnung, die sich, wie uns der dritte Vers zeigt, auf Ihn Selbst gründet. Wir
werden mit den Augen unseres verherrlichten Körpers den Herrn Jesus anschauen
und dann zum ersten Mal und auf ewig sehen, wie Er wirklich ist.
Diese Hoffnung kann heute noch Wirklichkeit werden. Warum sollten wir uns
dann mit Planungen weit in das neue Jahr hinein abgeben, mit eitlem Tand und
seichten Dingen? Warum uns dann mit Sorgen darüber abplagen, was alles auf uns
zukommen könnte oder wie es weitergehen soll? Wollen wir nicht vielmehr im
Glauben auf den Herrn Jesus schauen und auf Seine Herrlichkeit, damit wir schon
jetzt in sittlicher Hinsicht in Sein Bild verwandelt werden (2Kor 3,18)?
Einmal werden wir Ihm auch in unserem Körper gleich sein, und dann werden wir den sehen, den unsere Seele liebt, werden Ihn sehen, wie Er ist.
entnommen aus Ermunterung und
Ermahnung
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